Ripple bringt sein eigenes Stablecoin-Geschäft ins Spiel — und setzt trotzdem auf die Konkurrenz. Der XRP-Mutterkonzern ist einem neuen Stablecoin-Konsortium namens Open USD beigetreten, das von mehr als 140 Finanz- und Technologiefirmen getragen wird. Für XRP selbst bleibt der Effekt vorerst überschaubar: Die Kryptowährung notiert bei 1,14 Dollar, rund 69 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 3,65 Dollar aus dem Juli 2025.
Ripple sitzt mit den Schwergewichten am Tisch
Die Liste der Open-USD-Partner liest sich wie ein Who-is-who der Zahlungsbranche: Visa, Mastercard, Stripe, BlackRock, BNY, Coinbase, Google, IBM, OKX, Standard Chartered — und eben Ripple. Organisiert wird der Coin von Open Standard, einer eigens gegründeten Firma, deren Vorstand aus den beteiligten Partnern besteht. Kein einzelnes Unternehmen soll das Netzwerk kontrollieren.
Open USD will Prägung und Rücknahme des Coins gebührenfrei anbieten. Die Erträge aus den Reserven fließen nach Abzug der Verwaltungskosten an die Partner zurück. Genau das trifft das Geschäftsmodell etablierter Stablecoin-Anbieter empfindlich.
Ripple steigt dabei nicht als Emittent ein, sondern als Integrationspartner vom ersten Tag an. Die XRP Ledger wird damit zu einer von mehreren möglichen Abwicklungsschienen für den neuen Coin. Ripple verdient am Transaktionsvolumen — unabhängig davon, welcher Stablecoin sich am Ende durchsetzt.
Warum Ripple gleichzeitig zwei Pferde reitet
Auf den ersten Blick wirkt der Schritt widersprüchlich. Ripple betreibt mit RLUSD bereits einen eigenen Stablecoin, der Ende 2024 startete und sich mittlerweile unter die zehn größten Dollar-Token weltweit vorgearbeitet hat. RLUSD läuft sowohl auf der XRP Ledger als auch auf Ethereum.
Die Logik dahinter: Ripple will Transaktionsvolumen einfangen, egal welcher Stablecoin am Ende gewinnt. Der Konzern behält RLUSD als eigenes Standbein und sichert sich parallel einen Anteil am Konkurrenzprojekt.
Die Marktreaktion auf die Ankündigung fiel für einen Wettbewerber besonders hart aus. Circle, das Unternehmen hinter USDC, verlor an dem Handelstag zwischen 15 und 17 Prozent seines Aktienkurses. Open USD greift mit seinem gebührenfreien Modell direkt das Geschäftsmodell an, das Circle und Tether Milliardengewinne beschert hat.
Analysten warnen jedoch davor, die Bedeutung für XRP-Anleger zu überschätzen. Ein Erfolg für Ripple als Unternehmen ist nicht automatisch ein Erfolg für den Token. Die Transaktionsgebühren auf der Ledger sind minimal, das Konsortium ist unerprobt, und frühere Ripple-Erfolge haben den Kurs zuletzt kaum bewegt.
Zahlungsverkehr für KI-Agenten als zweite Baustelle
Die Open-USD-Partnerschaft folgt auf eine weitere Expansion: Mastercard hat Ripple als einen von über 30 Erstpartnern für die Initiative Agent Pay for Machines benannt. XRPL positioniert sich damit als eine mögliche Abwicklungsebene in Mastercards Infrastruktur für automatisierten Handel zwischen KI-Systemen.
Ripples XRPL AI Starter Kit ermöglicht es KI-Agenten bereits, über das x402-Zahlungsprotokoll eigenständig Zahlungen mit XRP und RLUSD abzuwickeln. Das Muster dahinter ist erkennbar: Ripple positioniert seine Ledger als Abwicklungsschicht für mehrere aufkommende Zahlungsökosysteme — statt sich auf einen einzigen Token oder Stablecoin festzulegen.
Kurs und Fundamentaldaten laufen auseinander
XRP rangiert aktuell auf Platz sechs der größten Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung, die bei rund 71,7 Milliarden Dollar liegt. Trotz der Unternehmensnachrichten bewegt sich der Kurs seit Jahresbeginn 39,25 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht sogar knapp die Hälfte tiefer.
Kursanalysten stellen seit Wochen eine Entkopplung fest: Gute Ripple-Nachrichten scheinen die Stimmung am Gesamtmarkt kaum noch aufzuwiegen. Der Kurs folgt eher der breiten Marktlaune als unternehmensspezifischen Meldungen.
Ein Lichtblick bleiben die Spot-XRP-ETFs, die seit ihrem Start rund 1,48 Milliarden Dollar eingesammelt haben. Sie halten XRP direkt, jeder investierte Dollar muss also tatsächlich am Markt gekauft werden — anders als reine Firmennachrichten wirkt das unmittelbar auf die Nachfrage.
Kurzfristig bleibt Open USD für Ripple vor allem eine strategische Absicherung im Zahlungsgeschäft, kein direkter Kurstreiber für XRP. Ob sich das ändert, hängt davon ab, wie stark der Stablecoin nach seinem geplanten Start später in 2026 tatsächlich angenommen wird.
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