Ripple hat mit „Ripple Mint“ eine neue Plattform für institutionelle Kunden veröffentlicht, über die sich der hauseigene Stablecoin RLUSD verwalten lässt. Der Marktstart am Donnerstag konnte den XRP-Kurs jedoch nicht stützen – das Papier notiert aktuell bei 1,09 US-Dollar und hat allein am heutigen Handelstag 1,51 Prozent verloren. Zum 52-Wochen-Tief von 1,01 US-Dollar, aufgestellt im Juni, beträgt der Abstand nur noch 7,71 Prozent.
Neue Plattform für institutionelles RLUSD-Geschäft
Ripple Mint bietet Web-Oberfläche und API, über die institutionelle Kunden RLUSD prägen, einlösen, zwischen Netzwerken bewegen und lückenlos nachverfolgen können. Der Stablecoin wird von der New Yorker Standard Custody & Trust Company ausgegeben, die über eine NYDFS-Charta verfügt, und ist im Verhältnis 1:1 zum US-Dollar einlösbar. Ripple weitet die Verfügbarkeit von RLUSD zugleich auf die XRPL EVM Sidechain sowie auf Base, Optimism, Ink und Unichain aus. Parallel investierte das Unternehmen in Notabene, das ein reguliertes On-Chain-Transaktionsnetzwerk mit mehr als zwei Billionen US-Dollar jährlichem Volumen über gut 2.300 Institutionen betreibt.
Die Zahlen rund um RLUSD zeigen ein gemischtes Bild. Die Marktkapitalisierung des Stablecoins liegt bei rund 1,5 Milliarden US-Dollar, das monatliche Transfervolumen ist jedoch um etwa 25 Prozent auf knapp elf Milliarden US-Dollar zurückgegangen. Gleichzeitig meldet Ripple einen Anstieg der Halterzahlen um gut sechs Prozent auf gut 60.000 sowie einen deutlichen Zuwachs aktiver Adressen. Der Ausbau der Infrastruktur soll dem rückläufigen Umsatztrend entgegenwirken und institutionelle Nutzung wieder ankurbeln.
Marktumfeld drückt trotz Produktnews
Dass der Kurs auf die Ankündigung kaum reagierte, führen Marktbeobachter auf übergeordnete Belastungsfaktoren zurück: Inflationssorgen in den USA, geopolitische Spannungen im Nahen Osten und steigende Ölpreise belasten Kryptowerte insgesamt. XRP bewegt sich zum Wochenschluss unterhalb des 50-Tage-Durchschnitts von 1,11 US-Dollar, der Abstand beträgt 2,14 Prozent. Auch die Mittelzuflüsse in XRP-ETFs blieben zuletzt mit rund acht Millionen US-Dollar pro Woche verhalten – ein Zeichen dafür, dass institutionelles Interesse an direkten XRP-Produkten derzeit nachlässt, während Ripple parallel seine Stablecoin-Schiene ausbaut.
CLARITY Act: Zeitdruck vor der Sommerpause
Neben der Produktnews bleibt die Regulierung das beherrschende Thema für die gesamte Branche. Der CLARITY Act, das zentrale US-Marktstrukturgesetz für digitale Vermögenswerte, hat sein Juli-Ziel verpasst. Als neuer kritischer Stichtag gilt nun der 7. August, danach beginnt die parlamentarische Sommerpause. Senatorin Cynthia Lummis hatte am 22. Juli einen überarbeiteten Gesetzestext vorgelegt, der Vorschläge des Banken- und des Agrarausschusses zusammenführt. Für eine Verabschiedung im Senat sind 60 Stimmen nötig, die Republikaner verfügen derzeit über 52 Sitze.
Streitpunkt bleiben schärfere Ethikregeln für Amtsträger sowie die Frage von Stablecoin-Zinsen. Die Bankenlobby ABA warnt vor Abflüssen aus klassischen Einlagen, sollte verzinstes Stablecoin-Geschäft zugelassen werden. Auf der anderen Seite unterstützt Goldman-Sachs-Chef David Solomon das Gesetz öffentlich, während Coinbase seine Unterstützung für die aktuelle Verhandlungsrunde zurückgezogen hat. Der frühere Vorsitzende des Financial-Services-Ausschusses im Repräsentantenhaus, Patrick McHenry, bezeichnete die Verabschiedung als „Frage des Wann, nicht des Ob“ – Mehrheitsführer John Thune hält eine finale Abstimmung vor der Sommerpause hingegen für unwahrscheinlich. Die Initiative Stand With Crypto will mit rund 950.000 Kontaktaufnahmen an Abgeordnete zusätzlichen Druck aufbauen.
Für XRP-Anleger verknüpfen sich damit zwei Erzählstränge: das operative Vorankommen bei Ripple mit RLUSD und Ripple Mint auf der einen, die politische Hängepartie um klare Regulierung auf der anderen Seite. Solange der CLARITY Act ungeklärt bleibt, dürfte das makroökonomische und regulatorische Umfeld den Kurs stärker prägen als einzelne Produktankündigungen.
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