XRP notiert am Freitag bei 1,40 US-Dollar und legt im Tagesverlauf um 3,7 Prozent zu. Auslöser ist eine geldpolitische Aussage: Fed-Gouverneur Christopher Waller erklärte am Mittwoch, er werde im September für ein Halten der Zinsen stimmen, sofern die Inflationsdaten dies zulassen.
Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September sank daraufhin um 12 Punkte auf 55 Prozent, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel auf rund 4,75 Prozent. Risikoreichere Anlagen wie Kryptowährungen profitierten unmittelbar davon.
Ledger-Upgrade vor der Aktivierung
Neben dem makroökonomischen Rückenwind rückt ein technisches Ereignis in den Fokus der XRP-Community. Am 11. September um 11:15 Uhr Ostküstenzeit soll die Amendment fixCleanup3_3_0 im Mainnet aktiv werden, nachdem Ripple im Rahmen des Upgrades XRP Ledger 3.3.0 für insgesamt fünf Amendments gestimmt hat.
Die Zustimmung der Validatoren liegt bei mehr als 80 Prozent. Kernstück des Updates ist eine Funktion für „vertrauliche Transaktionen“, die mittels Zero-Knowledge-Proofs Transaktionsbeträge und Kontostände verbergen soll, während Adressen weiterhin sichtbar bleiben.
Die Neuerung zielt vor allem auf Multi-Purpose Tokens und institutionelle Nutzer ab und hat nach Angaben der beteiligten Stellen bereits eine Zustimmung von 82,86 Prozent der Validatoren erreicht, womit das zweiwöchige Aktivierungsfenster läuft.
Für Anleger ist das Update relevant, weil es XRP Ledger stärker in Richtung institutioneller Anwendungsfälle positioniert – ein Bereich, in dem Ripple in den vergangenen Wochen ohnehin an Boden gewonnen hat. Erst Anfang August hatte das Unternehmen eine vollständige MiCA-Lizenz erhalten, die regulierte Zahlungsdienste in allen 30 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums ermöglicht.
CLARITY Act als nächster Prüfstein
Der politische Kalender bleibt der größte Unsicherheitsfaktor. Am 15. September steht im US-Senat eine Cloture-Abstimmung über den Antrag an, das Verfahren zum CLARITY Act fortzusetzen.
Mehrheitsführer John Thune hatte den entsprechenden Antrag bereits vor der Sommerpause im August gestellt; die Abstimmung ist für 14:15 Uhr Ostküstenzeit angesetzt, einen Tag nachdem der Senat aus der Sommerpause zurückkehrt. Nötig ist eine Zustimmung von 60 Senatoren – scheitert die Mehrheit, gilt das Gesetz für das laufende Jahr als gescheitert.
Die Marktteilnehmer bewerten die Erfolgschancen skeptisch: Auf der Prognoseplattform Polymarket fiel die implizite Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung im laufenden Jahr zunächst von rund 30 Prozent auf etwa 15,5 Prozent, bevor sie sich leicht auf 19,5 Prozent erholte. Das unterstreicht, wie stark die kurzfristige Kursentwicklung von XRP an regulatorische Nachrichten gekoppelt bleibt.
Kapitalzuflüsse nehmen zu
Parallel dazu verdichten sich Signale für ein wachsendes institutionelles Interesse. US-amerikanische Spot-XRP-Fonds verzeichneten im August Nettozuflüsse von insgesamt 153,55 Millionen US-Dollar.
Bemerkenswert ist die Verteilung: Zwischen dem 3. und 14. August flossen lediglich 3,27 Millionen US-Dollar in die Produkte, in den beiden folgenden Wochen waren es dagegen 150,28 Millionen US-Dollar – ein Vielfaches des Anfangswerts. Die Kaufserie hält den Berichten zufolge mit neun aufeinanderfolgenden positiven Handelstagen an.
Auch auf Netzwerkebene zeigt sich zunehmende Aktivität: Die Zahl aktiver Adressen auf XRP Ledger stieg binnen zwei Wochen um 650 Prozent, getragen vor allem von langfristigen Haltern statt von Neueinsteigern.
Zusammen mit dem bevorstehenden Ledger-Upgrade und der ungewissen politischen Lage rund um den CLARITY Act ergibt sich für XRP damit eine Gemengelage aus regulatorischem Risiko und wachsendem institutionellem Rückhalt, die den kommenden Wochen ihren Takt vorgeben dürfte.
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