Während der Kryptomarkt im Juni blutete, floss ausgerechnet in XRP-Fonds frisches Geld. Diese Diskrepanz zwischen schwachem Kurs und wachsender institutioneller Nachfrage wirft eine Frage auf, die sich nicht sofort beantworten lässt.
Institutionen kaufen, der Kurs fällt trotzdem
Bitcoin-ETFs verloren im Juni 4,5 Milliarden Dollar, Ethereum-Fonds mussten Abflüsse von 529 Millionen Dollar hinnehmen. Auch Solana-ETFs bluteten, wenn auch mit 786.000 Dollar deutlich moderater.
XRP-ETFs bildeten die einzige Ausnahme im gesamten Sektor. Sie verzeichneten Nettozuflüsse von 59,46 Millionen Dollar – bereits der dritte Monat in Folge mit positiver Bilanz. Die Serie reicht mittlerweile acht Wochen zurück, kumuliert seit dem Start im November 2025 auf über 1,47 Milliarden Dollar.
Der Kurs selbst spiegelt diese Nachfrage bislang nicht wider. XRP notiert bei 1,04 Dollar, nach einem Juni-Rückgang von rund 20 Prozent – die Marke von 1,00 Dollar hält bislang als Unterstützung. Historisch betrachtet gilt eine solche Lücke zwischen Kapitalfluss und Preis oft als Vorbote einer Akkumulationsphase, auch wenn sich der Zeitpunkt einer Angleichung nie exakt vorhersagen lässt.
Auf der Netzwerkseite zeigt sich ein ähnliches Bild. Die täglich aktiven Adressen kletterten binnen zwei Wochen um 72 Prozent auf fast 39.500 – ein Zeichen wachsender Nutzung trotz des schwachen Kurses. Der Hebel im Futures-Markt sank derweil spürbar, was die spekulative Komponente reduziert und für eine gesündere Marktstruktur spricht.
Regulatorik bremst, Charttechnik zeigt Weg
Der CLARITY Act, der XRP dauerhaft als Rohstoff einstufen würde, verzögert sich. Nachdem der Senat am 29. Juni in die Sommerpause ging, gilt frühestens Ende Juli als neuer Zeitpunkt für eine Entscheidung.
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt, aber nicht aussichtslos. Ein Bruch über den Widerstand bei 1,18 Dollar würde die kurzfristige Struktur von bärisch auf neutral drehen. Die Kursziele der Analysten für das Jahresende liegen zwischen 1,10 und 1,67 Dollar – eine Spanne, die sowohl vorsichtige als auch optimistische Szenarien abdeckt.
Bis zur Entscheidung über den CLARITY Act Ende Juli dürfte die Marke von 1,00 Dollar der entscheidende Prüfstein bleiben. Hält sie, bekommt die Story der stillen institutionellen Akkumulation neues Gewicht.
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