Ripple bringt seinen Dollar-Stablecoin RLUSD nach Japan — und erhält dafür grünes Licht von der obersten Finanzaufsicht des Landes. Der Kurs von XRP reagiert darauf nicht mit Begeisterung. Er notiert bei rund 1,04 US-Dollar und hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als die Hälfte seines Wertes verloren.
Regulatorischer Meilenstein in Tokio
Die japanische Finanzaufsichtsbehörde JFSA stufte RLUSD am 25. Juni 2026 als „elektronisches Zahlungsinstrument Typ 4″ ein. Damit ist der Weg frei für den Vertrieb im japanischen Markt. Ripple startete die Ausgabe bereits zwei Tage später — in Partnerschaft mit SBI VC Trade, einem der größten regulierten Kryptoanbieter des Landes.
Das Transaktionslimit liegt zunächst bei einer Million Yen. RLUSD ist 1:1 durch US-Dollar-Einlagen und kurzfristige Staatsanleihen gedeckt. Monatliche Attestierungen sollen die Deckung transparent halten.
Parallel dazu sicherte sich Ripple in Europa eine vorläufige CASP-Lizenz von Luxemburgs Finanzaufsicht CSSF — ein Schritt, der den Betrieb im gesamten Euroraum ermöglichen soll. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Für Stablecoin-Emittenten gilt ab dem 1. Juli 2026 die MiCA-Compliance-Pflicht.
Marktlage trübt den Expansionserfolg
RLUSD kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,7 Milliarden US-Dollar. Das Angebot verteilt sich nahezu gleichmäßig auf den XRP Ledger und Ethereum — jeweils knapp 793 Millionen Dollar.
XRP-Spot-ETFs in den USA verzeichneten kumulierte Nettozuflüsse von etwa 1,4 Milliarden Dollar. Das verwaltete Vermögen liegt bei rund 928 Millionen Dollar.
Der Kurs selbst erzählt eine andere Geschichte. XRP notiert knapp 72 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 3,65 Dollar vom Juli 2025. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus fast 45 Prozent. Der RSI liegt bei rund 31 — nahe an der klassischen Überverkauft-Schwelle. Der Fear-&-Greed-Index für den Kryptomarkt insgesamt bewegt sich zwischen 12 und 18 und signalisiert damit extreme Angst unter Marktteilnehmern.
Garlinghouse kritisiert Leverage-Modelle
Ripple-CEO Brad Garlinghouse nutzte einen CNBC-Auftritt am 27. Juni, um Stellung zu beziehen. Er kritisierte den Einsatz hoher Hebelwirkung im Kryptomarkt — namentlich das Finanzierungsmodell von MicroStrategy über Vorzugsaktien. Das bezeichnete er als „Financial Engineering“, das die Marktstabilität gefährde.
Ripples eigene Strategie setzt Garlinghouse davon ab: RLUSD soll als Werkzeug für sofortige Abwicklung und geringere Kapitalbindung dienen — Nutzen statt Spekulation als Leitmotiv.
Ob das Narrativ den Kurs stützt, hängt nun davon ab, wie schnell RLUSD in Japan tatsächlich Volumen aufbaut. Der nächste Gradmesser: die Transaktionsdaten der ersten vollständigen Handelswoche ab dem 30. Juni.
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