Der Kryptomarkt blickt in dieser Woche auf den US-Senat: Der sogenannte CLARITY Act, das zentrale Marktstruktur-Gesetz für digitale Assets, steht vor einer entscheidenden Hürde. Für XRP, das im überarbeiteten Entwurf als digitaler Rohstoff eingestuft würde, hängt viel an der Abstimmung – und die Zeit wird knapp.
Enges Zeitfenster bis zur Sommerpause
Damit noch vor der Senatspause im August über das Gesetz abgestimmt werden kann, muss ein entsprechender Antrag bis zum 29. Juli gestellt werden. Eine zusätzliche Ethik-Vereinbarung soll bis zum 30. Juli stehen. Nach aktuellem Stand kommen die Befürworter im Senat auf rund 51 von benötigten 60 Stimmen. Die republikanische Seite gilt als geschlossen, entscheidend sind demokratische Stimmen – und dort bröckelt die Unterstützung: Zwei demokratische Ausschussmitglieder, die den Entwurf zuvor mitgetragen hatten, zeigen sich inzwischen zurückhaltend.
Der überarbeitete Entwurf enthält eine Ethikklausel, die hochrangigen Regierungsvertretern die Ausgabe eigener Kryptowerte untersagen würde. Sieben demokratische Senatoren, darunter Cory Booker, Angela Alsobrooks und Mark Warner, erklärten, der Entwurf greife zu kurz. Senatorin Elizabeth Warren bezeichnete das Gesetz als „tot bei Ankunft“. Auf der Gegenseite unterstützt Goldman-Sachs-Chef David Solomon den Vorstoß ausdrücklich, und Ripple-CEO Brad Garlinghouse forderte in scharfem Ton, das Gesetz nun endlich zu verabschieden. Auch Senatorin Cynthia Lummis stellte sich hinter den Entwurf. Widerstand kommt zudem von der Bankenlobby, die vor allem die Stablecoin-Regelungen und mögliche Einlagenabflüsse fürchtet – ein Streitpunkt, an dem die Verhandlungen im Bankenausschuss zuletzt ins Stocken gerieten.
Institutionen bauen weiter aus, während der Kurs schwankt
Trotz der politischen Unsicherheit setzt sich der institutionelle Trend bei XRP fort. Die Zahl der Wallets mit mindestens 10.000 XRP erreichte mit rund 332.230 einen neuen Höchststand, ein Wachstum, das seit Juni 2024 anhält. Parallel meldeten Marktbeobachter, dass Großanleger zuletzt für rund 678 Millionen Dollar zukauften, während kleinere Halter eher Bestände abbauten. Die kumulierten Nettozuflüsse in Spot-XRP-ETFs kletterten auf etwa 1,49 Milliarden Dollar, wenngleich die Zuflüsse an mehreren Handelstagen zuletzt bei null lagen. Standard Chartered rechnet bei einer klaren Regulierung mit Zuflüssen von vier bis acht Milliarden Dollar bis Ende des Jahres.
Auch im Bereich tokenisierter Vermögenswerte gewinnt das XRP-Ledger-Netzwerk an Bedeutung: Über sechs Monate flossen dort 2,6 Milliarden Dollar in Real-World-Assets, womit das Netzwerk hinter der BNB Chain den zweiten Platz belegt. Ripple Prime, entstanden aus der Übernahme von Hidden Road, trat zudem der Tokenisierungsinitiative der DTCC bei – einem Konsortium mit mehr als 50 Teilnehmern, darunter BlackRock und JPMorgan, das ein Volumen von 114 Billionen Dollar adressiert. Garlinghouse verwies zudem auf CNBC darauf, dass Ripple im vergangenen Jahr Zahlungen im Volumen von rund 16 Billionen Dollar abgewickelt habe, bislang jedoch kaum mit digitalen Assets – ein Potenzial, das er für XRP sieht.
Kursbild bleibt angespannt
Von der politischen und institutionellen Dynamik hat sich der Kurs zuletzt nur bedingt lösen können. XRP notiert aktuell bei 1,11 US-Dollar und liegt damit binnen 30 Tagen um 6,04 Prozent im Plus. Der Blick auf das laufende Jahr relativiert die kurzfristige Erholung jedoch deutlich: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 40,80 Prozent zu Buche, und zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand weiterhin rund 20,10 Prozent nach unten. Der Kurs bewegt sich damit in einer Zone, in der kurzfristige Stabilisierung und mittelfristige Schwäche gleichzeitig sichtbar sind.
Für Anleger bleibt die Gemengelage aus politischem Tauziehen in Washington, robustem institutionellem Interesse und einem noch angeschlagenen Kurstrend die entscheidende Beobachtungsgröße der kommenden Tage. Ob der Senat den Zeitplan tatsächlich einhält, dürfte sich noch in dieser Woche entscheiden.
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