Die Börsenbestände von XRP sind auf ihr niedrigstes Niveau seit sieben Jahren gefallen. Der Kurs bewegt sich trotzdem kaum von der Stelle. Ausgerechnet an dem Tag, an dem der US-Senat aus der Sommerpause zurückkehrt und über den CLARITY Act berät, zeigt sich: weniger Angebot bedeutet nicht automatisch mehr Nachfrage.
Warum das Angebot schrumpft, der Kurs aber nicht steigt
Innerhalb von neun Monaten ist die Hälfte des auf Börsen gehaltenen XRP-Bestands verschwunden. Der Kurs notiert aktuell bei 1,07 US-Dollar und damit 70 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 3,65 Dollar aus dem Juli 2025.
Zwei Quellen treiben den Rückgang des verfügbaren Angebots. Die neuen Spot-ETFs auf XRP haben rund 970 Millionen Token eingesammelt und für ihre Investoren in Verwahrung genommen. Diese Bestände fließen nicht mehr in den täglichen Handel.
Parallel dazu verschieben langfristige Halter größere Mengen von Börsen in private Wallets. Auf dem Papier ist das genau das Rezept für steigende Preise: weniger verfügbare Coins, höhere Kaufbereitschaft. Ein schrumpfendes Angebot allein kann aber niemanden zum Kaufen zwingen.
Preis entsteht aus dem Tauziehen zwischen Käufern und Verkäufern. Wer Coins vom Markt nimmt, schwächt nur die Verkäuferseite. Steigen kann der Kurs nur, wenn Käufer um die verbleibenden Stücke kämpfen — und genau das blieb 2026 bislang aus.
Hohe Inflation, hohe Zinsen und ein fallender Bitcoin-Kurs hielten Investoren fern. Der XRP-Kurs verlor seit Jahresbeginn fast 43 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar knapp 61 Prozent. Selbst die großen Halter sind sich uneins: Manche haben in den vergangenen Monaten über eine Milliarde XRP zugekauft, andere verkauften in die Schwäche hinein.
CLARITY Act: Verschobener Termin, offener Ausgang
Der Senat nimmt den CLARITY Act heute wieder auf die Agenda. Ursprünglich wollte das Weiße Haus das Gesetz bis zum 4. Juli unterschreiben lassen. Daraus wurde nichts.
Der Senat ging am 29. Juni in die Sommerpause und kehrt erst heute zurück. Die Fraktionsführung will die erste Woche zunächst für das Verteidigungsbudget nutzen. Eine Abstimmung im Plenum verschiebt sich damit frühestens auf Ende Juli oder die erste Augustwoche.
Die Hürde bleibt hoch. Das Gesetz braucht 60 Stimmen, also müssen rund sieben demokratische Senatoren mitstimmen. Verhandlungen scheiterten vergangene Woche an einer Ethikklausel, die sich gegen die eigenen Krypto-Beteiligungen von Präsident Trump richtet.
Der Ausgang ist deshalb offen. Sollte das Gesetz durchkommen, rechnen Marktbeobachter mit Zuflüssen von 4 bis 8 Milliarden Dollar in XRP-ETFs — ein Vielfaches der bisherigen Summen.
ETF-Serie am Wendepunkt
Die ETF-Zuflüsse, die einen Großteil des Angebotsschwunds erklären, zeigen erste Ermüdungserscheinungen. Über neun aufeinanderfolgende Wochen sammelten die XRP-Spot-ETFs kumuliert 1,48 Milliarden Dollar ein, selbst während der stärksten Kursschwäche des Jahres.
Die Wochendaten bis zum 9. Juli zeigen jedoch bereits Netto-Abflüsse von 7,29 Millionen Dollar. Die noch unveröffentlichten Zahlen vom Freitag entscheiden, ob die Serie zum ersten Mal in zehn Wochen reißt.
Selbst ein Ende der Serie würde die bisherige Kaufwelle nicht ungeschehen machen — die kumulierten 1,48 Milliarden Dollar blieben bestehen. Ein erster negativer Wochenabschluss wäre dennoch ein deutliches Stimmungssignal. Er träfe XRP genau in dem Moment, in dem der Kurs seinen technisch wichtigsten Ausbruchsversuch des Jahres unternimmt.
Charttechnik: Dritter Versuch am Abwärtstrend
XRP drückt derzeit zum dritten Mal gegen die seit über einem Jahr bestehende fallende Trendlinie. Der erste Versuch scheiterte bei 1,30 Dollar, der zweite brach komplett ein.
Es gibt allerdings ein Signal für aufkeimende Stärke: Während der Kurs neue tiefere Tiefs bildete, hielt der RSI höhere Tiefs — eine bullische Divergenz. Der RSI liegt aktuell bei 40,9 und damit im neutralen Bereich, nachdem er sich vom überverkauften Niveau im Juni bereits erholt hatte.
Oben türmt sich dichter Widerstand. Der gesamte gleitende Durchschnitt-Stack verläuft bärisch: Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1,16 Dollar, der 100-Tage-Durchschnitt bei 1,28 Dollar, der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,45 Dollar. Ein Tagesschlusskurs oberhalb der kurzfristigen Durchschnittslinie wäre die erste Bestätigung, dass dieser dritte Versuch anders verläuft als die vorigen beiden.
Bis dahin bleibt die Zone zwischen 1,00 und 1,05 Dollar die entscheidende Nachfragezone nach unten. Das 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar liegt nur wenige Prozent unter dem aktuellen Kurs. Die heutige Senatssitzung ist der erste konkrete politische Test, seit die Juli-Deadline verstrichen ist — und damit der erste Anhaltspunkt, ob aus dem Angebotsschwund tatsächlich Kaufdruck wird.
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