XRP: 700 Millionen Token zurück im Escrow

XRP hält sich über der Ein-Dollar-Marke, während Ripple die Token-Freigabe reduziert. Die US-Regulierung verzögert sich, Europa bietet mit der MiCA-Lizenz Stabilität.

Auf einen Blick:
  • XRP seit 627 Tagen über einem Dollar
  • Ripple sperrt 700 Millionen Token wieder ein
  • XRP Ledger führt Confidential Transfers ein
  • US-Senat verschiebt CLARITY Act Abstimmung

XRP hält sich hartnäckig über der Ein-Dollar-Marke. Mit rund 1,05 Dollar notiert der Token aktuell knapp über diesem psychologischen Niveau — und das bereits seit 627 aufeinanderfolgenden Handelstagen. Ein historischer Rekord für die Kryptowährung.

Parallel dazu bewegt sich der Preis nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar. Der Abstand beträgt gerade einmal 3,77 Prozent. Wer die Kursentwicklung der vergangenen zwölf Monate betrachtet, sieht ein anderes Bild: Von seinem Hoch bei 3,38 Dollar im August 2025 hat XRP fast 69 Prozent eingebüßt.

Ripple sperrt Token zurück in Escrow

Interessant wird es beim Blick auf das Angebot. Anfang August gab Ripple planmäßig eine Milliarde XRP aus seinen Escrow-Konten frei. Ungewöhnlich: Das Unternehmen sperrte davon 700 Millionen Token direkt wieder ein.

Netto blieben damit nur 300 Millionen neue XRP im Umlauf. Das ist eine der knappsten monatlichen Freigaben in der Geschichte des Protokolls.

Diese Zurückhaltung trifft auf ein Marktumfeld, in dem Anleger ohnehin verstärkt selbst verwahren. Die auf Handelsplätzen gehaltenen XRP-Bestände sind auf ein Mehrjahrestief von etwa 2,75 Milliarden Token gefallen. Viele Halter ziehen ihre Bestände offenbar von Börsen ab und setzen auf langfristiges Halten statt kurzfristigen Handel.

Das Open Interest bei XRP-Derivaten stieg binnen 24 Stunden um 7 Prozent auf 2,52 Milliarden Dollar. Trader positionieren sich also trotz der schwachen Kursentwicklung der vergangenen Wochen neu.

Neue Software bringt Privatsphäre-Funktion

Auf der technischen Seite hat das Netzwerk einen Sprung gemacht. Am 6. August veröffentlichte das Entwicklerteam Version 3.3.0 der XRP Ledger. Kernstück ist die Funktion „Confidential Transfers“, die mittels Zero-Knowledge-Proofs Transaktionsbeträge und Kontostände für sogenannte Multi-Purpose Tokens verschlüsselt.

Aktiv ist die Funktion noch nicht. Sie muss erst den dezentralen Abstimmungsprozess durchlaufen — dafür braucht es 80 Prozent Validator-Zustimmung über 14 aufeinanderfolgende Tage.

Das Update bringt drei weitere Neuerungen:

  • Gesponserte Gebühren: Dritte können künftig Transaktionskosten und Kontoreserven für neue Nutzer übernehmen.
  • Batch-Transaktionen: Bis zu acht Transaktionen lassen sich gebündelt gleichzeitig abwickeln.
  • Effizienzgewinn: Der Speicherverbrauch der Validatoren sinkt schätzungsweise um 10 bis 15 Prozent.

US-Regulierung verzögert sich, Europa liefert Stabilität

Der wichtigste politische Katalysator für XRP lässt vorerst auf sich warten. Der US-Senat hat die Abstimmung über den CLARITY Act verschoben — erst nach der parlamentarischen Sommerpause im September soll darüber entschieden werden. Das Gesetz soll einen klaren Regulierungsrahmen für digitale Vermögenswerte schaffen.

Viele Investoren hatten auf diesen Fahrplan als Treiber für institutionelles Engagement im dritten Quartal gesetzt. Diese Erwartung ist nun erst einmal vertagt.

In Europa läuft es dagegen reibungsloser. Ripple sicherte sich am 6. Juli 2026 in Luxemburg eine vollständige MiCA-Lizenz. Sie bildet die rechtliche Basis für Zahlungsdienste in 30 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums.

Diese regulierte Infrastruktur zeigt Wirkung im Netzwerk selbst. Die XRP Ledger verarbeitete zuletzt rund 1,98 Millionen Transaktionen binnen 24 Stunden. Der auf ihr laufende Dollar-Stablecoin RLUSD wuchs auf etwa 853 Millionen Dollar — fast 90 Prozent der gesamten Stablecoin-Liquidität im Netzwerk entfallen inzwischen auf ihn.

Die Gemengelage bleibt zweigeteilt: Ein knappes Angebot und wachsende On-Chain-Aktivität stehen einer verzögerten US-Regulierung gegenüber. Ob die verschobene Senatsabstimmung im September nachgeholt wird, dürfte mitentscheiden, ob institutionelles Kapital in größerem Stil zurückkehrt.

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