XRP hat sich am Montag aus einem wochenlangen Konsolidierungsmuster befreit. Der Token kletterte um rund 4,6 Prozent und markierte damit einen der stärksten technischen Tagesgewinne des Jahres. Ausgangspunkt war eine symmetrische Dreiecksformation, die sich seit Mitte Juni immer enger zusammenzog.
Aktuell notiert XRP bei 1,14 US-Dollar. Der Token liegt damit knapp über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1,12 Dollar, aber weiterhin fast 20 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,42 Dollar. Diese Diskrepanz zeigt: Kurzfristig hat sich die Stimmung gedreht, das übergeordnete Bild bleibt aber angeschlagen.
Die Dreiecksformation und ihr Ausbruch
Die Formation entstand am 15. Juni, als XRP ein tieferes Hoch bei 1,29 Dollar markierte. Danach folgten immer engere Schwankungen zwischen fallenden Hochs und steigenden Tiefs. Am 15. Juli erreichte der Token ein letztes tieferes Hoch bei 1,12 Dollar, bevor die Volatilität weiter abnahm.
Analyst Ali Martinez wies auf X auf ein TD-Sequential-Kaufsignal im Monatschart hin. Der Stundenchart zeige parallel dazu die klassische Konsolidierung innerhalb des Dreiecks. Nach Martinez‘ Einschätzung könnte ein Ausbruch über 1,13 Dollar den Weg zu einem Kursziel von 1,35 Dollar öffnen — ein Plus von etwa 20 Prozent.
Trotz des Ausbruchs bleiben Analysten vorsichtig. XRP handelt weiterhin innerhalb eines fallenden Kanals. Sowohl der 100-Tage- als auch der 200-Tage-Durchschnitt liegen über dem aktuellen Kurs und zeigen nach unten.
Wichtige Marken für die kommenden Wochen
Die Zone zwischen 1,24 und 1,28 Dollar gilt als nächster großer Widerstand. Dort trifft die obere Kanalgrenze auf die wichtigen gleitenden Durchschnitte. Nach unten hin haben Käufer in den vergangenen Wochen wiederholt im Bereich zwischen 1,02 und 1,06 Dollar eingegriffen.
Sollte diese Unterstützung brechen, rückt die Zone zwischen 0,88 und 0,92 Dollar in den Blick. Nach oben müssen Bullen zunächst die Marke von 1,18 Dollar überwinden — dort war die Rally Anfang Juli ins Stocken geraten. Das eigentliche Fernziel liegt bei 1,29 Dollar, dem Startpunkt der Dreiecksformation. Das entspricht einem weiteren Anstieg von rund 14 Prozent.
Ruhe vor dem Sturm bei Derivaten
Auf dem Derivatemarkt zeichnet sich laut Daten von CryptoQuant ein Zustand ein, den Analysten als „Liquiditätsgleichgewicht“ bezeichnen. Long- und Short-Liquidationen sind auf ähnlich niedrige Niveaus gefallen. Die Funding Rates bei Binance notieren nahezu neutral — weder Käufer noch Verkäufer haben derzeit die Oberhand.
Diese Art von Balance geht historisch häufig größeren Kursbewegungen voraus. Die Richtung bleibt dabei offen. Auffällig ist die Entwicklung am Spotmarkt: Bei Binance sind Zu- und Abflüsse auf den Börsen um jeweils rund 99 Prozent eingebrochen. Das Handelsvolumen im Spotmarkt fiel binnen einer Woche um mehr als die Hälfte und liegt inzwischen über 67 Prozent unter dem Monats- und Quartalsdurchschnitt.
Diese ausgedünnte Liquidität im Orderbuch hat eine wichtige Konsequenz. Jeder größere Impuls — ob aus der Makroökonomie, der Regulierung oder von institutioneller Seite — könnte eine überproportionale Kursbewegung auslösen, weil kaum noch Gegenpositionen im Markt vorhanden sind.
XRP steht damit an einem Punkt, an dem technisches Bild und Derivatepositionierung selten deutlicher auseinanderlaufen: ein bestätigter kurzfristiger Ausbruch trifft auf einen mittelfristig fallenden Trendkanal. Ob sich der Token aus diesem Kanal befreien kann, entscheidet sich an der Widerstandszone zwischen 1,24 und 1,28 Dollar.
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