XRP steckt in einer widersprüchlichen Phase. Während der Kurs zuletzt unter Druck geriet, strömt institutionelles Kapital in Rekordtempo in die börsengehandelten Fonds auf die Kryptowährung. Am Mittwoch verzeichneten die Spot-XRP-ETFs Nettozuflüsse von 28,14 Millionen Dollar – der stärkste Einzeltag seit mehr als sieben Monaten.
Gleichzeitig stand der Kurs unter Verkaufsdruck durch gehebelte Liquidationen, wie US-Finanzmedien berichteten. Aktuell notiert XRP bei 1,38 Dollar, nachdem das Papier binnen 30 Tagen um 29 Prozent zugelegt hat, auf Wochensicht aber 5,1 Prozent verloren hat.
Institutionelles Geld fließt trotz Volatilität
Der Widerspruch zwischen ETF-Nachfrage und kurzfristigem Kursdruck zieht sich durch die vergangenen Wochen. Für die Woche bis zum 22. August meldeten die Spot-XRP-ETFs Nettozuflüsse von 39,78 Millionen Dollar, wodurch sich die kumulierten Zuflüsse seit dem Marktstart im November 2025 auf rund 1,55 Milliarden Dollar summierten.
In der Woche zuvor waren es sogar 214 Millionen Dollar gewesen – die beste Woche seit Ende Juli. Parallel dazu akkumulierten Großinvestoren binnen einer Woche rund 380 Millionen XRP-Token, begleitet von einem Anstieg großvolumiger Transfers um 280 Prozent innerhalb von 24 Stunden.
Diese Zuflüsse fallen in eine Phase erhöhter struktureller Aktivität. Die XRP Ledger verzeichnete ihre stärkste Nutzungswoche seit zwei Monaten mit im Schnitt 2,64 Millionen täglichen Transaktionen und 285.000 aktiven Konten. Auch der von Ripple ausgegebene Stablecoin Ripple USD (RLUSD) wuchs weiter: Das Angebot überschritt die Marke von 1,28 Milliarden Dollar, wovon rund 78 Prozent auf der XRP Ledger und 22 Prozent auf Ethereum geprägt wurden.
Makroumfeld und Regulierung als Kurstreiber
Der jüngste Kursschub bis Ende vergangener Woche – XRP legte zwischen dem 18. und 22. August um rund 56 Prozent zu und erreichte ein Zwischenhoch nahe 1,6963 Dollar – wurde mit mehreren Faktoren in Verbindung gebracht.
Dazu zählte die Entscheidung des US-Finanzministeriums, die Rückkaufoperationen für langlaufende Anleihen von 2 Milliarden auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Sitzung zu verdoppeln, was laut Marktbeobachtern die Risikobereitschaft in Kryptowerten befeuerte.
Zusätzlich nahm Ripple-Chef Brad Garlinghouse am 19. August an einem Krypto-Politikgipfel im Weißen Haus teil, gemeinsam mit SEC-Vorsitzendem Paul Atkins – ein Treffen, dem Beobachter neuen Schwung für den sogenannten CLARITY Act zuschrieben.
Auf regulatorischer Ebene bewegt sich zudem einiges: Die US-Börsenaufsicht SEC bestätigte formal den Antrag der Cboe, Optionen auf mehrere Spot-XRP-ETFs zu listen, womit eine 45-tägige Prüfphase begann. Parallel führte ein vierter US-Bundesstaat einen Gesetzentwurf ein, der XRP explizit als zulässiges Asset für staatliche Digital-Reserven benennt – nach ähnlichen Vorstößen in Texas, Utah und Arizona.
Expansion des Geschäfts
Ripple treibt sein institutionelles Geschäft weiter voran. Über die Handelsplattform Ripple Prime startete das Unternehmen ein neues Delta-One-Geschäft und erweitert damit sein institutionelles Derivate-Angebot.
Zudem kamen Brasilien und Kolumbien als Abwicklungskorridore hinzu, womit das lateinamerikanische Netzwerk nun sechs Länder umfasst, in denen lokale Partner die Fiat-Anbindung übernehmen. Der Anbieter 21Shares änderte unterdessen die Methodik zur Nettoinventarwert-Berechnung seines XRP-ETFs TOXR auf FTSE-Preisbildung um.
Nicht restlos geklärt blieb eine Transaktion vom 13. August: Ripple überwies an diesem Tag 50 Millionen XRP an eine unbekannte Wallet, ohne dass eine Erklärung des Unternehmens dazu bekannt wurde.
Mit einem Abstand von 22 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,13 Dollar zeigt sich der jüngste Kursanstieg auch technisch in einer robusten Aufwärtsbewegung, auch wenn XRP von seinem 52-Wochen-Hoch bei 3,18 Dollar aus dem vergangenen September weiterhin deutlich entfernt bleibt.
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