XRP: 1,5 Milliarden ETF-Zuflüsse trotz 62% Minus

Trotz eines Preisverfalls von über 60 Prozent verzeichnen XRP-ETFs seit Wochen Nettozuflüsse. Institutionelle Anleger scheinen die Schwächephase zum Einstieg zu nutzen.

Auf einen Blick:
  • Acht Wochen Zuflüsse in XRP-ETFs
  • Goldman Sachs löst XRP-Position auf
  • ETF-Vermögen nahe Milliardengrenze
  • Saisonale Faktoren sprechen für Erholung

XRP notiert nahe dem tiefsten Stand seit rund 19 Monaten. Trotzdem fließt weiter Geld in die börsengehandelten Fonds auf den Token. Diese Kluft zwischen Kursverlauf und institutionellem Kapital wirft eine Frage auf: Wer hat recht — der Markt oder die Fondskäufer?

Aktuell kostet ein XRP rund 1,11 US-Dollar, nach einem Plus von 4,23 Prozent am heutigen Handelstag. Der Blick auf die längere Frist zeigt trotzdem eine deutliche Schwäche. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 40,85 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von 62,43 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 trennen den Token fast 70 Prozent.

Acht Wochen Zuflüsse trotz Kursrutsch

Ein Marktbeobachter bezeichnete das Muster als „geduldige Akkumulation“, nicht als Kollaps. Acht Wochen in Folge verzeichneten die XRP-ETFs Nettozuflüsse — parallel dazu fiel der Kurs auf sein Mehrmonatstief. Seit dem Start im November summieren sich die Zuflüsse in XRP-ETFs auf etwa 1,5 Milliarden US-Dollar.

Der tatsächliche Dollarwert der gehaltenen Bestände sank zuletzt aber auf rund 930 Millionen US-Dollar. Der Grund ist simpel: XRP fiel schneller im Preis, als frisches Kapital nachkam. Die Fonds kauften also mehr Coins, während deren Gesamtwert schrumpfte.

Kurze Unterbrechung Mitte Juli

Ganz ohne Bruch verlief die Serie allerdings nicht. In der Handelswoche vom 6. bis 10. Juli erholte sich der breite US-Krypto-ETF-Markt, während der XRP-Sektor überraschend außen vor blieb. Die Spot-ETFs verzeichneten Nettoabflüsse von 7,18 Millionen US-Dollar — das Ende einer zweimonatigen Zuflussserie.

Der gesamte Rückgang geht auf einen einzigen Fonds zurück. Anleger zogen 7,29 Millionen US-Dollar aus dem Bitwise-XRP-ETF ab, der Großteil davon am 8. Juli. Die Fonds von Canary, Franklin und Grayscale verzeichneten in derselben Woche keinerlei Kapitalbewegung.

Von einer systemischen Krise lässt sich bei diesen Zahlen nicht sprechen. Die Daten deuten eher auf eine vorübergehende Pause hin. Die gesamten Nettovermögen aller sieben zugelassenen US-XRP-Fonds liegen bei 996,65 Millionen US-Dollar — knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von einer Milliarde. Die kumulierten Nettozuflüsse seit Start bleiben bei 1,48 Milliarden US-Dollar stabil.

Goldmans Ausstieg als Randnotiz

Institutionelles Engagement bei XRP-ETFs verlief nicht geradlinig. Ende 2025 baute Goldman Sachs eine der größten offengelegten Wall-Street-Positionen in XRP-ETFs auf. Bis zum ersten Quartal 2026 löste die Bank die gesamte Position im Wert von 154 Millionen US-Dollar wieder auf.

Eine 13F-Meldung zeigte den vollständigen Rückzug aus Fonds von Bitwise, Franklin Templeton, Grayscale und 21Shares. Parallel gab die Bank ihr gesamtes Solana-ETF-Engagement auf und kürzte ihre Ethereum-Bestände um 70 Prozent. Die Offenlegung erfolgte Mitte Mai über eine SEC-Meldung, die den Abbau der XRP-Position auf null bis Ende März bestätigte.

Bloomberg-Analysten hatten den Aufbau der Position im vierten Quartal 2025 bereits als Trading-Desk-Aktivität eingeordnet, nicht als direktionale Wette. Der Ausstieg im ersten Quartal bestätigt diese Einschätzung im Nachhinein. Bemerkenswert: In der Woche, in der die Offenlegung bekannt wurde, verzeichnete der Sektor Nettozuflüsse von 60,5 Millionen US-Dollar, die kumulierten Zuflüsse kletterten auf 1,39 Milliarden US-Dollar. Der Abgang eines einzelnen Großanlegers bremste die breitere Nachfrage nach dem ETF-Wrapper offenbar nicht.

Saisonalität gegen Makro-Gegenwind

Die Goldman-Position existiert längst nicht mehr in den Büchern der Bank, während die übrigen ETF-Käufer den gesamten Kursrückgang hindurch weiter zukauften. Historisch war der Juli für XRP der stärkste Monat des Jahres, mit einer durchschnittlichen Rendite von knapp 10 Prozent und einem Median um 11 Prozent.

Die aktuellen Rahmenbedingungen sprechen dagegen eine andere Sprache. Ein risikoscheues Makroumfeld hält bei einer Bitcoin-Dominanz von 55,4 Prozent die Altcoins insgesamt unter Druck. Der RSI von XRP liegt mit 49,1 nahe der neutralen Zone, der Kurs notiert 3,37 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 23,10 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt.

Die saisonale Statistik spricht für eine Erholung — allerdings nur, wenn Bitcoin seinen Abwärtstrend stoppt. Mit ETF-Vermögen nahe der Milliarden-Dollar-Marke und kumulierten Zuflüssen über 1,48 Milliarden US-Dollar bleibt die entscheidende Größe, ob institutionelle Nachfrage den Druck aus dem Kursrutsch auf Mehrmonatstiefs ausgleichen kann.

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