XRP: 1,5 Milliarden Dollar ETF-Zuflüsse

XRP notiert nahe des Jahrestiefs, während die US-Regulierung erneut verschoben wird. Institutionelle Anleger investieren dennoch massiv in XRP-ETFs.

Auf einen Blick:
  • Kurs nahe 52-Wochen-Tief
  • Senat verschiebt CLARITY Act
  • Rekordzuflüsse bei XRP-ETFs
  • Ripple erhält MiCA-Lizenz

XRP kämpft weiter um die psychologisch wichtige Marke von einem US-Dollar. Am heutigen Sonntag notiert die Kryptowährung bei 1,03 US-Dollar und verliert im Tagesvergleich 0,77 Prozent. Damit liegt der Kurs nur noch 2,58 Prozent über dem 52-Wochen-Tief, das Ende Juni erreicht wurde. Anleger blicken derzeit auf zwei gegenläufige Entwicklungen: eine erneute Verzögerung der US-Kryptoregulierung und gleichzeitig kräftige Mittelzuflüsse in Spot-ETFs auf XRP.

CLARITY Act erneut verschoben

Der US-Senat hat die Verfahrensabstimmung über den Clarity Act (H.R. 3633) auf den 15. September verlegt. Mehrheitsführer Thune reichte am Samstag einen Cloture-Antrag ein, die Abstimmung ist für 14:15 Uhr Ostküstenzeit terminiert. Für die Überwindung der Hürde sind 60 Stimmen nötig – die Republikaner benötigen dafür mehrere Demokraten. Das Gesetz soll die Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC für digitale Vermögenswerte klären. Es hatte das Repräsentantenhaus im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen passiert, der Bankenausschuss des Senats stimmte im Mai 2026 mit 15 zu 9 zu.

Ungelöst bleiben mehrere Streitpunkte: die Behandlung von Stablecoin-Renditen, Ethik-Regeln für die Trump-Regierung sowie die Forderung mehrerer Demokraten nach einer Desinvestition von Trumps Krypto-Beteiligungen – der Präsident soll laut Berichten 636 Millionen Dollar mit Memecoins verdient haben. Die Branche wiederum gab rund 225 Millionen Dollar für Lobbyarbeit aus. Die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung noch in diesem Jahr sank an Prognosemärkten zuletzt auf 22 Prozent. Für XRP bedeutet die Vertagung, dass ein möglicher regulatorischer Kurstreiber vorerst ausbleibt.

ETF-Zuflüsse laut JPMorgan-Daten stärker als bei Bitcoin

Trotz der schwachen Kursentwicklung zeigen die Analysten von JPMorgan ein anderes Bild bei den Kapitalflüssen. Nach ihren Daten verzeichnete XRP gemessen am verwalteten Vermögen die größten ETF-Zuflüsse seit Juli 2025 – und übertrifft damit Bitcoin, Ethereum und Solana. Die Spot-XRP-ETFs summierten sich demnach bereits auf 1,5 Milliarden Dollar an kumulierten Zuflüssen, für das erste vollständige Jahr rechnet JPMorgan mit vier bis acht Milliarden Dollar. Auch Morgan Stanley hält laut den Angaben Positionen in XRP-ETFs von Volatility Shares und Grayscale.

Die Diskrepanz zwischen institutioneller Nachfrage und Kursschwäche wirft ein Schlaglicht auf die aktuelle Marktlage: Während längerfristig orientiertes Kapital offenbar Positionen aufbaut, drückt kurzfristiger Verkaufsdruck den Preis. Das Nettoangebot am Markt bleibt zudem begrenzt – Ripple sperrte am 1. August 700 Millionen XRP erneut in ein Escrow-Konto, sodass effektiv nur 300 Millionen Token neu in den Umlauf gelangten.

Ripple treibt Regulierung und Infrastruktur voran

Auf Unternehmensseite meldete Ripple in dieser Woche einen regulatorischen Fortschritt in Europa: Die luxemburgische Finanzaufsicht CSSF erteilte dem Unternehmen eine MiCA-Autorisierung. Parallel dazu ging am Samstag die XRP-Ledger-Version 3.3.0 live. Das Upgrade führt sogenannte Confidential Transfers ein, die Transaktionsbeträge für Multi-Purpose Tokens verschleiern. Weitere Vorschläge betreffen Batch-Transaktionen mit bis zu acht Vorgängen, eine Gebührenübernahme durch Dritte sowie eine Delegation von Berechtigungen. Für die Aktivierung der Änderungen ist eine zweiwöchige Zustimmung von 80 Prozent der Validatoren erforderlich.

Der Markt für tokenisierte Real-World-Assets auf der XRP Ledger wird mittlerweile mit 1,38 Milliarden Dollar bewertet, davon entfallen 850 Millionen Dollar auf den Stablecoin RLUSD. Für Anleger bleibt die Gemengelage damit zweigeteilt: Kurzfristig fehlt der politische Rückenwind aus Washington, während Infrastruktur-Fortschritte und institutionelle Zuflüsse ein längerfristiges Fundament andeuten. Die kommenden Wochen bis zur Senatsabstimmung im September dürften zeigen, welcher der beiden Trends sich durchsetzt.

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