XRP notiert bei 1,09 US-Dollar. Das klingt nach Stillstand. Unter der Oberfläche passiert allerdings einiges: Wale ziehen Coins von Börsen ab, Ripples Stablecoin RLUSD wächst rasant, und in Washington verzögert sich eine entscheidende Gesetzesabstimmung.
Am Freitag legte der Kurs um 3,25 Prozent zu. Auf Wochensicht steht ein Plus von 4,24 Prozent.
Auf Monatssicht steht dagegen ein Minus von 10,11 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn hat XRP fast die Hälfte seines Werts verloren, konkret 42,11 Prozent.
Im Zwölfmonatsvergleich beträgt der Rückgang sogar 51,38 Prozent. Vom Rekordhoch bei 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 trennen die Kryptowährung aktuell noch 70,24 Prozent.
Erst am 26. Juni markierte XRP mit 1,01 Dollar ein neues Jahrestief. Der aktuelle Kurs liegt nur 7,34 Prozent darüber.
Technisch bleibt das Bild angeschlagen. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1,21 Dollar, der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,49 Dollar.
Der RSI von 42,9 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand. Die Volatilität bleibt mit 42,74 Prozent auf Jahresbasis hoch.
Wale ziehen Coins von Börsen ab
Parallel zur schwachen Kursentwicklung häufen sich Signale institutioneller Akkumulation. Über 123 Millionen XRP verließen zuletzt die Handelsplätze, ein Anstieg der Abflüsse um 200 Prozent. Marktbeobachter werten das als Zeichen, dass langfristige Investoren und große Adressen Bestände aufbauen statt zu verkaufen.
Auch die ETF-Statistik passt ins Bild. XRP-Produkte verzeichnen die achte Woche in Folge Nettozuflüsse. Kumuliert haben Anleger inzwischen rund 1,47 Milliarden Dollar in diese Fonds investiert.
RLUSD überholt Ethereum
Ripples Stablecoin RLUSD treibt einen Großteil der On-Chain-Aktivität. Das monatliche Transaktionsvolumen nähert sich der Marke von einer Million. Seit dem Start hat das Handelsvolumen von RLUSD-Paaren auf dem XRP Ledger die Schwelle von 2,5 Milliarden Dollar überschritten.
Bemerkenswert: 52 Prozent des gesamten RLUSD-Angebots liegen mittlerweile auf dem XRP Ledger. Damit hat das Netzwerk Ethereum als wichtigste Plattform für den Stablecoin abgelöst.
RippleX hat zudem ein neues Kreditprotokoll gestartet, definiert durch die Standards XLS-65 und XLS-66. Banken und Finanzinstitute können darüber Kredite und Sicherheiten direkt auf der Blockchain verwalten. Die eigentliche Kreditprüfung bleibt außerhalb der Kette. Zinsberechnung und Rückzahlungspläne laufen dagegen automatisiert.
Der Testbetrieb startete am 29. Juni. Die Abstimmung der Validatoren über die nötigen Änderungen steht kurz vor dem Abschluss.
Hinzu kommt ein neues Anwendungsfeld: Mikrotransaktionen für künstliche Intelligenz. Der XRP Ledger eignet sich durch niedrige Kosten und hohe Geschwindigkeit für automatisierte Zahlungen zwischen Maschinen. Ripple fungiert dabei als Abwicklungspartner für Mastercards Projekt „Agent Pay for Machines“, das autonome Zahlungsvorgänge zwischen Geräten ermöglichen soll.
CLARITY Act verzögert sich
Die politische Seite bremst die positive Erzählung. Der US-Senat ging am 29. Juni in die Sommerpause, ohne über den CLARITY Act abzustimmen. Das Gesetz soll XRP dauerhaft als digitales Rohstoffgut einstufen und damit ein früheres Gerichtsurteil festschreiben, laut dem XRP im Sekundärmarkt nicht als Wertpapier gilt.
Für die Verabschiedung braucht die Vorlage 60 Stimmen im Senat. Die Kammer kehrt am 13. Juli aus der Pause zurück, widmet die erste Sitzungswoche jedoch Verteidigungsgesetzen. Analysten rechnen deshalb erst Ende Juli oder Anfang August mit einer Abstimmung.
Für XRP-Anleger bedeutet das: Der regulatorische Rückenwind fehlt vorerst. Die Netzwerkdaten – von RLUSD-Wachstum bis zur Wal-Akkumulation – sprechen bereits jetzt eine andere Sprache als der Kurs.
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