Der chinesische Elektroautobauer XPeng hat beim weltweit größten unabhängigen EV-Test einen Doppelsieg geholt. Ausgerechnet jetzt — während die Aktie knapp über ihrem 52-Wochen-Tief notiert.
X9 dominiert El Prix Summer 2026
Der norwegische Automobilclub NAF und das Magazin Motor veranstalten jährlich den El Prix-Test. In der Sommerausgabe 2026 setzte sich der XPeng X9 unter 24 getesteten Fahrzeugen in zwei Kategorien durch.
In der Reichweitenprüfung legte der siebensitzige SUV 646 Kilometer zurück. Das entspricht einer positiven Abweichung von 11,4 Prozent gegenüber dem offiziellen WLTP-Wert — der höchste Wert im gesamten Testfeld. NAF bescheinigte dem X9, sich „deutlich abzuheben“.
Beim Laden war das Ergebnis ähnlich eindrücklich. Von zehn auf 80 Prozent Ladezustand benötigte der X9 zwölf Minuten und 55 Sekunden — schneller als alle anderen Teilnehmer. Bereits beim El Prix Winter 2026 im Februar hatte das Modell die Ladeperformance bei minus zehn Grad Celsius angeführt.
Europastrategie braucht Schwung
Der Testsieg kommt für XPeng zur richtigen Zeit. Das Unternehmen plant 2026 vier neue Modelle in Europa einzuführen und will seinen Auslandsumsatz in diesem Jahr verdoppeln. Norwegen ist der erste Markt für den X9.
Die Basis dafür wächst. In Europa lieferte XPeng 2025 insgesamt 22.787 Fahrzeuge aus — ein Plus von 126 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Den Großteil produziert das Werk von Magna Steyr im österreichischen Graz, das seit September 2025 in Betrieb ist. Hinzu kommt eine neue Montagelinie in Malaysia, die dritte lokale Produktionsstätte weltweit nach Indonesien und Österreich.
Lieferziele und Kursdruck
Operativ steht XPeng vor einer Bewährungsprobe. Im Mai lieferte das Unternehmen 32.158 Fahrzeuge aus — vier Prozent mehr als im April. Für das zweite Quartal peilt das Management 100.000 bis 106.000 Einheiten an.
Das wäre ein scharfer Anstieg. Im ersten Quartal 2026 kamen nur 62.682 Fahrzeuge zusammen, ein Rückgang von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Um die Quartalsmitte von 103.000 Einheiten zu erreichen, muss der Juni außergewöhnlich stark werden. Die Bruttomarge lag im ersten Quartal bei 20,6 Prozent — ein Niveau, das das Management halten will. Bank of America bestätigte im Mai eine Kaufempfehlung und hob das Kursziel an. Die Bank verwies auf das rasch wachsende Auslandsgeschäft, das im ersten Quartal bereits 20 Prozent des Umsatzes ausmachte.
An der Börse spiegelt sich der operative Aufwärtstrend bislang nicht wider. Die XPeng-Aktie notiert bei 12,58 Euro und liegt damit nur 3,5 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom 11. Juni. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 28 Prozent verloren — und notiert fast 49 Prozent unter dem November-Hoch von 24,40 Euro.
Investoren wägen ab: Auf der einen Seite steht eine kapitalintensive Expansion mit neuen Modellen, Robotaxis, dem humanoiden Roboter IRON und dem selbst entwickelten Turing-KI-Chip, von dem XPeng 2026 eine Million Einheiten ausliefern will. Auf der anderen Seite stehen rückläufige Quartalszahlen und ein Kurs, der technisch unter Druck bleibt. Ob die starken Produktergebnisse aus Norwegen bis zum Jahresende in höhere Lieferzahlen münden, entscheidet maßgeblich darüber, ob die Aktie ihren Abwärtstrend brechen kann.
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