XPeng steckt in einem eigenartigen Widerspruch: Während die Kernaufgabe – Autos verkaufen – stockt, greifen Kapitalgeber nach der Zukunftswette des Unternehmens zu. Für mich ist genau das der Punkt, an dem sich die Anlegerfrage entscheidet: Zählt der Autobauer von heute, oder zählt der Robotik- und Robotaxi-Konzern von morgen?
Die Zahlen aus dem operativen Geschäft sind ambivalent. Im August lieferte XPeng 39.107 Fahrzeuge aus, ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Auf die ersten acht Monate 2026 gerechnet liegt das Unternehmen aber weiterhin 10,49 Prozent unter dem Vorjahreswert. Ein einzelner guter Monat macht aus einem schwachen Jahr noch keinen Erfolg – das sollten sich Anleger vor Augen halten, die sich an der August-Erholung festhalten wollen.
Frisches Kapital für die Roboter-Sparte
Bereits Ende August, am 24., hatte XPeng offiziell verkündet, dass die eigene Robotik-Sparte eine Series-A-Finanzierung von mehr als 900 Millionen US-Dollar eingesammelt hat. Angeführt wurde die Runde von IDG Capital, mit Beteiligung von Gaorong Ventures sowie Rückendeckung von Tencent und Alibaba.
Die Bewertung der Robotik-Einheit liegt damit bei über 6,3 Milliarden US-Dollar – ein Betrag, der zeigt, wie ernst Investoren die humanoide Wette nehmen, obwohl das IRON-Robotermodell in Guangzhou erst kürzlich vom Band gelaufen ist und die Massenproduktion offiziell erst zum Jahresende 2026 anlaufen soll. Der formelle Marktstart mit Auslieferungen ist für 2027 angesetzt.
Unterm Strich lese ich diese Finanzierungsrunde als Vertrauensbeweis prominenter Investoren in ein Geschäftsfeld, das noch keinen einzigen kommerziellen Umsatz generiert. Das ist Chance und Risiko zugleich: Wer früh einsteigt, kann überproportional profitieren, wenn die Technologie skaliert. Wer zu früh euphorisch wird, riskiert, eine Bewertung zu bezahlen, die weit vor der operativen Realität liegt.
Robotaxi-Tests ohne Sicherheitsfahrer
Parallel dazu hat XPeng bereits im August eine Genehmigung für Guangzhou erhalten, die zweite Generation seines VLA-Robotaxis auf ausgewählten Straßen ohne Sicherheitsfahrer an Bord zu testen. Mehr als 2.000 interne Testfahrten sind nach Unternehmensangaben bereits absolviert, ein vollständig fahrerloser Passagierstart wird für 2027 angepeilt.
Auch hier gilt: Der Zeithorizont ist ambitioniert, aber noch nicht erreicht. Für mich spricht die Kombination aus Robotaxi-Fortschritt und Robotik-Finanzierung dafür, dass XPeng seine Innovationskraft technologisch durchaus unter Beweis stellt – die kommerzielle Reife bleibt jedoch Zukunftsmusik.
Auf der operativen Seite baut das Unternehmen zudem seine internationale Präsenz aus. In Großbritannien übernimmt XPeng die Kontrolle über die eigenen Vertriebsaktivitäten von International Motors, indem es eine National Sales Company gründet; International Motors bleibt bei operativen Dienstleistungen und lokalem Vertrieb eingebunden.
Auf den Philippinen wiederum eröffnete XPeng den Vorverkauf für die Luxus-Großraumlimousine X9, mit einer Reservierungsgebühr von 25.000 Peso und limitierter erster Charge.
Fazit: Zwei Geschichten, ein Kurs
Der Aktienkurs spiegelt diese Zerrissenheit deutlich wider. Mit 9,10 Euro zum Freitagsschluss notiert das Papier rund 63 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 24,40 Euro und liegt seit Jahresbeginn rund die Hälfte im Minus. Zugleich bewegt sich der Kurs nur wenige Prozent über dem jüngsten 52-Wochen-Tief. Der Markt preist damit die operative Schwäche der letzten Monate deutlich stärker ein als die milliardenschwere Robotik-Story.
Für mich überwiegt derzeit die Skepsis: Die Finanzierungsrunde und die Robotaxi-Genehmigung sind starke technologische Signale, aber sie verändern die fundamentale Lage im Kerngeschäft – schwächere Jahresauslieferungen, Margendruck – nicht über Nacht. Wer an XPeng glaubt, kauft im Grunde eine Option auf 2027. Wer nüchtern bleibt, sieht 2026 zunächst als Jahr der Bewährung.
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