XPeng steckt tief in der Kurskorrektur – gestern ging es um 3,8 Prozent nach unten, auf Jahressicht steht ein Minus von 44 Prozent. Wer nur auf den Chart schaut, sieht eine Aktie im freien Fall, nur 1,5 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Wer aber die operative Substanz der vergangenen Wochen betrachtet, bekommt ein anderes Bild – und genau diese Diskrepanz ist für mich der eigentliche Punkt.
Der Porsche-Deal ist mehr als eine Randnotiz
Am 12. August wurde bekannt, dass Porsche aus dem CO2-Emissionspool des Volkswagen-Konzerns ausgestiegen ist und für die Jahre 2026 und 2027 einen offenen Pool mit XPeng bildet – dokumentiert in einer Meldung an die EU-Kommission vom 5. August.
Für mich ist das ein bemerkenswertes Signal: Ein deutscher Premiumhersteller sucht die regulatorische Nähe zu einem chinesischen Elektroauto-Anbieter, weil dessen Flotte offenbar die eigenen Emissionswerte verbessert. Das ist keine PR-Geste, sondern eine handfeste Anerkennung technologischer Reife. Wer XPeng bislang nur als Nischenanbieter im eigenen Heimatmarkt abgetan hat, muss diese Einschätzung überdenken.
Produktoffensive auf mehreren Kontinenten
Parallel dazu treibt XPeng seine internationale Expansion mit einer Geschwindigkeit voran, die mich beeindruckt. Am 15. August erreichten neue G6-Fahrzeuge des Modelljahrs 2026 den Hafen von Brisbane, die ersten Kundenauslieferungen in Australien stehen bevor.
Nur wenige Tage später, am 18. August, wurde in Frankreich das 6.000ste ausgelieferte Fahrzeug gefeiert – ein P7+ Limousine, präsentiert als Beleg für das Auslandswachstum. Solche Meilensteine wirken auf den ersten Blick klein, doch sie zeigen mir, dass XPeng systematisch Fuß fasst, wo europäische und asiatisch-pazifische Käufer bislang skeptisch waren.
Im Heimatmarkt läuft zudem der Vorverkauf des neuen SUV G9L, der am 11. August in Guangzhou startete. Sechs Versionen, batterieelektrisch und mit Range Extender, Einstiegspreise ab 259.800 Yuan – positioniert gegen Konkurrenten wie den Li L7 von Li Auto und den Huawei-gestützten Aito M7. Dass XPeng hier direkt die stärksten Wettbewerber im margenstarken SUV-Segment angreift, spricht für Selbstvertrauen im Produktportfolio.
Produktionsengpässe scheinen sich aufzulösen
Ein Aspekt, der aus meiner Sicht unterschätzt wird: Der Leiter der MONA-Entwicklung, Jiang Wen, erklärte am 7. August, dass sich Lieferkettenprobleme schrittweise auflösten. Die Werke seien auf Doppelschichtbetrieb mit voller Kapazität umgestellt worden, die Produktionseffizienz im August habe sich nahezu verdoppelt.
Für September und Oktober wird die maximale Kapazität erwartet. Wenn diese Aussagen zutreffen, dürfte sich das direkt in den Auslieferungszahlen niederschlagen – und genau hier liegt für mich der Hebel für die zweite Jahreshälfte.
Auch technologisch bleibt XPeng am Ball: Für das zweite Vision-Language-Action-Modell wurde ein größeres Update angekündigt, Version 6.3.0 soll die On-Device-Parameter um das 3,5-Fache steigern und die Wahrnehmungssensitivität um 300 Prozent erhöhen. Solche Fortschritte bei Fahrassistenzsystemen dürften mittelfristig zur Differenzierung gegenüber Wettbewerbern beitragen.
Mein Fazit
Der Kurs spiegelt derzeit Skepsis wider – ein RSI von 38,3 und ein Abstand von 32 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt zeigen, wie sehr die Stimmung gedrückt ist. Doch operativ sehe ich bei XPeng mehr Fortschritt als die Kursentwicklung suggeriert: einen strategisch bedeutsamen Partner in Porsche, eine breite internationale Auslieferungsoffensive und offenbar lösbare Produktionsprobleme.
Die für den 24. August angekündigten Quartalszahlen werden zeigen, ob sich die operativen Fortschritte auch in den Finanzkennzahlen niederschlagen. Für mich überwiegen aktuell die Argumente, die für eine Stabilisierung sprechen – auch wenn die Marktkapitalisierung von derzeit 9,66 Milliarden Euro die jüngste Dynamik noch nicht honoriert.
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