XPeng kämpft mit einem Zulieferproblem, das die Auslandsstrategie des chinesischen Elektroautoherstellers ausbremst. Nach Einschätzung von Citi liegt die schwache Lieferprognose für das dritte Quartal an Störungen in der Lieferkette, die den Hochlauf des Modells Mona L03 beeinträchtigen. Das Analysehaus ordnete die enttäuschende Guidance damit einem konkreten operativen Engpass zu, nicht allein der Nachfrageseite.
Die Aktie notiert aktuell bei 9,94 Euro und liegt damit rund 9,1 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen, dass der jüngste Kursdruck noch nicht überwunden ist. Zum Wochenschluss zeigt sich zwar eine leichte Erholung, das grundsätzliche Bild bleibt jedoch angespannt.
Auslandsgeschäft als Wachstumshoffnung
Gerade das Auslandsgeschäft sollte für XPeng eigentlich ein Lichtblick sein. Nach Unternehmensangaben lagen die Auslandsauslieferungen im zweiten Quartal bei über 20.000 Fahrzeugen, im gesamten Quartal wurden nach jüngeren Konzernangaben über 40.000 Einheiten im Ausland ausgeliefert, und Überseemärkte trugen im ersten Halbjahr ein Viertel des Konzernumsatzes bei.
Der für das vierte Quartal geplante Start der Auslandsauslieferungen des Mona L03 ist ein wichtiger Baustein dieser Strategie – umso schwerer wiegt, dass genau dieses Modell nun von Lieferkettenproblemen betroffen ist.
Der Zulieferengpass träfe XPeng zu einem heiklen Zeitpunkt. Die Drittquartalsprognose des Unternehmens von 115.000 bis 121.000 ausgelieferten Fahrzeugen blieb bereits deutlich unter den Erwartungen der Investoren zurück, ebenso die Umsatzguidance von 21,7 bis 23,4 Milliarden Yuan gegenüber einem Analystenkonsens von 26,61 Milliarden Yuan. Reuters führte die schwache Prognose zusätzlich auf den sich verschärfenden Wettbewerb im chinesischen Elektroautomarkt zurück.
Verlust weitet sich trotz stabiler Margen aus
Im zweiten Quartal erzielte XPeng einen Umsatz von 19,74 Milliarden Yuan bei einer Bruttomarge von 20,7 Prozent. Der Nettoverlust weitete sich auf 1,34 Milliarden Yuan aus. Das Wall Street Journal ordnete den wachsenden Verlust hohen Ausgaben für neue Modelle und KI-Technologien zu – trotz einer nach eigenen Angaben widerstandsfähigen Margenentwicklung.
Für zusätzliche Unsicherheit sorgt damit ein doppeltes Risiko: Auf der einen Seite belastet der intensivierte Preiswettbewerb im Heimatmarkt die Volumina, auf der anderen Seite drohen nun auch operative Engpässe das margenstärkere Auslandsgeschäft zu bremsen, bevor es richtig skalieren kann.
Rechtsstreit in Australien beigelegt
Immerhin gibt es auf der juristischen Seite Entlastung. Ein australisches Bundesgericht wies die Klage des früheren Vertriebspartners TrueEV gegen XPeng ab, nachdem dieser eine erforderliche Sicherheitsleistung nicht erbracht hatte. Damit liegt die lokale Distribution in Australien nun vollständig bei der werksseitig unterstützten Vertriebsstruktur von XPeng – ein kleiner, aber greifbarer Erfolg in einer sonst von operativen Sorgen geprägten Woche.
Für Anleger bleibt die Kernfrage, wie schnell sich der Lieferengpass beim Mona L03 lösen lässt. Solange die Auslandsexpansion durch Produktionsprobleme ausgebremst wird, dürfte der Markt der Aktie kaum Vertrauen für eine nachhaltige Erholung schenken.
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