Wer sich die vergangenen Wochen bei XPeng ansieht, erlebt einen bemerkenswerten Kontrast: Auf der operativen Seite reiht sich Nachricht an Nachricht – neue Modelle, eine hochkarätige Finanzierungsrunde für die Robotik-Sparte, Fortschritte beim autonomen Fahren.
An der Börse aber will davon wenig ankommen. Der Kurs notiert bei 9,30 Euro und damit nur rund ein Prozent über dem 52-Wochen-Tief. Für mich ist genau diese Diskrepanz die eigentliche Geschichte dieser Aktie im September.
Die Zahlen sprechen eine gemischte Sprache
Im August lieferte XPeng nach eigenen Angaben 39.107 Fahrzeuge aus, ein Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das zweite Quartal 2026 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 19,74 Milliarden Yuan bei einer Bruttomarge von 20,7 Prozent. Das klingt solide, ist aber offenkundig nicht das, was der Markt hören wollte.
Die Prognose für das dritte Quartal 2026 – 115.000 bis 121.000 ausgelieferte Fahrzeuge, was einer Veränderung von minus 0,87 bis plus 4,30 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht – wirkt für ein Unternehmen, das sich selbst als Wachstumsstory verkauft, erstaunlich zurückhaltend.
Genau hier liegt für mich der Kern des Problems: XPeng verspricht monatliche Verkäufe von über 60.000 Einheiten im vierten Quartal, kann aber für das laufende Quartal nur ein Wachstum im niedrigen einstelligen Bereich in Aussicht stellen.
Barclays hat diese Lücke zwischen Anspruch und kurzfristiger Realität am 25. August offenbar ähnlich bewertet und das Kursziel auf 14,00 US-Dollar gesenkt, bei einer Underweight-Einstufung. Als Begründung nannte das Haus explizit die flache bis niedrig-einstellige Wachstumsguidance für das dritte Quartal.
Freedom Broker sah es zum gleichen Datum differenzierter: Trotz gesenktem Kursziel auf 22,00 US-Dollar hielt das Haus an seiner Kaufempfehlung fest, verwies aber auf enttäuschende Quartalszahlen und den intensiven Preiswettbewerb in China.
Diese Spannbreite zeigt für mich, wie unterschiedlich sich dieselben Fakten deuten lassen – ein Hinweis darauf, dass die Story komplizierter ist als ein einfaches Kaufen-oder-Verkaufen.
Robotik als Hoffnungsträger, aber kein Kurstreiber
Bemerkenswert ist die Finanzierungsrunde der Robotik-Sparte: Über 900 Millionen US-Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von mehr als 6,3 Milliarden US-Dollar, laut Unternehmensangaben die größte private Einzelfinanzierung in Chinas Industrie für verkörperte KI. BofA Securities reagierte darauf am 25. August mit einer bekräftigten Kaufempfehlung und einem Kursziel von 19 US-Dollar.
Macquarie senkte sein Kursziel zwar auf 18 US-Dollar, verwies dabei aber auf niedrigere Vergleichsbewertungen der Konkurrenz und beließ die Einstufung bei Outperform. Für mich zeigt das: Die Analystengemeinde traut XPeng technologisch durchaus etwas zu, der Automobilmarkt selbst bereitet aber Kopfzerbrechen.
Parallel dazu treibt XPeng die internationale Expansion voran. Der Marktstart auf den Philippinen ist für September angekündigt, in München wurde bereits im Juli das Global-Launch-Event für den L03 abgehalten, der laut Unternehmen in 65 Ländern und Regionen eingeführt werden soll.
Auch bei der Robotaxi-Technologie gibt es Fortschritt: Guangzhou hat eine Genehmigung für Testfahrten ohne Sicherheitsfahrer erteilt, und das VLA-2.0-Modell soll Ende August erste L4-Fähigkeiten in Serienfahrzeuge bringen.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich bei XPeng ein Unternehmen, das operativ auf vielen Feldern liefert – neue Modelle, internationale Präsenz, technologische Fortschritte bei Robotik und autonomem Fahren – aber an der kurzfristigen Wachstumsbremse im Kerngeschäft krankt.
Der Kurs, der binnen zwölf Monaten rund 47 Prozent verloren hat, spiegelt für mich genau diese Ernüchterung wider: Anleger honorieren Zukunftsversprechen erst, wenn sie sich in Auslieferungszahlen niederschlagen.
Die divergierenden Analystenmeinungen vom 25. August – von Underweight bei Barclays bis Buy bei BofA und Freedom Broker – zeigen, dass die Wette auf XPeng derzeit vor allem eine Frage des Zeithorizonts ist. Wer an die langfristige Story aus Robotik und internationaler Expansion glaubt, muss den kurzfristigen Gegenwind beim Kerngeschäft mit aushalten.
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