XPeng baut Flugautos. XPeng baut humanoide Roboter. Und XPeng verkauft ein SUV, das in neun Minuten Ladezeit für 450 Kilometer Reichweite tankt. Die Aktie? Dümpelt bei 10,48 Euro, nur wenige Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Zwischen technologischem Ehrgeiz und Marktmisstrauen liegt bei diesem chinesischen E-Auto-Bauer eine Kluft, wie sie größer kaum sein könnte.
Diese Woche liefert den nächsten Test für die These, dass XPeng mehr ist als ein weiterer strauchelnder EV-Hersteller.
Der G9L soll die 800-Volt-Angst beerdigen
Am 11. August feiert XPeng in Guangzhou die Weltpremiere des G9L, inklusive Vorverkaufsstart. Das SUV soll das 300.000-Yuan-Segment in China aufmischen und gleichzeitig als Visitenkarte für den internationalen Markt dienen.
Die Technik zielt direkt auf die größte Sorge von E-Auto-Käufern: die Ladezeit. Auf der 800-Volt-Plattform lädt der G9L in neun Minuten genug Strom für 450 Kilometer. Mit 2.250 TOPS Rechenleistung und einer zusätzlichen Extended-Range-Variante (EREV) deckt XPeng gleich mehrere Antriebsvorlieben ab. Beim erwarteten Preis von rund 250.000 Yuan, umgerechnet etwa 37.000 Dollar, zielt der Wagen direkt auf den Tesla Model Y.
Die Auslandsoffensive als Wachstumshebel
Der eigentliche Umbau bei XPeng spielt sich aber jenseits der Modellpalette ab. Das Unternehmen will binnen fünf bis zehn Jahren mehr als die Hälfte seines Umsatzes im Ausland erzielen. Für 2025 lag dieser Anteil schätzungsweise bei nur 15 Prozent — ein gewaltiger Sprung wäre also nötig.
Südkorea ist dabei die nächste Zielscheibe. Im August empfing XPeng zehn südkoreanische Händler in der Konzernzentrale in Guangzhou, der erste sichtbare Schritt für eine physische Präsenz im Land. Die Händlerauswahl soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen sein, mit den Modellen G6, X9 und P7+ im Gepäck. Damit folgt XPeng einem Pfad, den BYD und Zeekr in einem der anspruchsvollsten Automärkte Asiens bereits vorgezeichnet haben.
Roboter, Flugautos und die Frage nach dem fairen Preis
Bei einer Marktkapitalisierung von rund 10 Milliarden Euro scheint der Markt einen Großteil der Nicht-Auto-Sparten von XPeng schlicht zu ignorieren. Neben dem Mona L03, ausgestattet mit dem hauseigenen Turing-KI-Chip und Design-Input von ehemaligen Ferrari-Designern, treibt der Konzern das Konzept der „embodied AI“ voran. Die Produktion humanoider Roboter soll im vierten Quartal 2026 starten, die ersten Flugautos sollen 2027 ausgeliefert werden.
Ein Stabilitätsanker bleibt die Partnerschaft mit Volkswagen. Der gemeinsam entwickelte ID. Unyx 09 soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 debütieren und zeigen, wie skalierbar die Hardware- und Software-Architektur von XPeng innerhalb des VW-Ökosystems tatsächlich ist.
Zwischen Kursverfall und Analysten-Optimismus
Die Kursentwicklung erzählt bislang eine andere Geschichte als die Produktpipeline. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 42 Prozent verloren, gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 24,40 Euro sogar rund 57 Prozent. Der Wert notiert damit tief unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 15,20 Euro — ein Zeichen, dass der Abwärtstrend noch nicht gebrochen ist.
Analysten sehen die Lage offenbar anders als der Markt gerade preist. Das Kursziel im Konsens liegt bei 19,08 Euro — ein mögliches Potenzial von 82 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Mit einem RSI von 38,5 ist die Aktie zwar angeschlagen, aber noch nicht in klassisch überverkauftem Terrain.
Damit bleibt die Kernfrage offen: Reicht ein einzelnes SUV-Modell, um eine Neubewertung von der EV-Bude zum KI- und Robotik-Konzern einzuleiten? Der G9L-Launch am 11. August ist dafür kein Beweis, aber ein erster Prüfstein. Die eigentliche Antwort dürfte erst kommen, wenn sich zeigt, ob die Auslandsexpansion in Südkorea und darüber hinaus tatsächlich Umsatz bringt — und nicht nur Ankündigungen.
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