Es gibt Unternehmen, die ihre Expansionsgeschichte im Konjunktiv erzählen. XPeng erzählt sie im Präsens – und genau das macht den chinesischen Elektroautobauer heute zu einem Lehrstück dafür, wie schwer sich globale Wachstumsstrategien in Aktienkurse übersetzen lassen.
Während der Konzern in Guangzhou heute den G9L vorstellt, sein neues „globales Fünfsitzer-Technologie-Flaggschiff“ auf 800-Volt-Basis, notiert das Papier an der Börse bei 10,18 Euro und verliert allein am heutigen Handelstag 2,12 Prozent. Der Abstand zum Jahrestief von 10,04 Euro beträgt gerade einmal 1,39 Prozent. Wachstumsgeschichte und Kursverlauf laufen derzeit in entgegengesetzte Richtungen.
Ein Modell für die Welt, ein Chip-Engpass für die Fabrik
Der G9L soll keine reine China-Story sein. Vor dem heutigen Marktstart hat das Fahrzeug laut Unternehmensangaben mehr als 6,74 Millionen Testkilometer in 26 Ländern und Regionen zurückgelegt – ein Detail, das die Ambition unterstreicht, mit einem einzigen Modell gleichzeitig auf mehreren Kontinenten zu bestehen. Das passt zum Muster der vergangenen Wochen: In Südkorea hat XPeng zehn heimische Händler an seinen Hauptsitz eingeladen, um Fertigung und Zukunftsprojekte zu zeigen und den formellen Markteintritt vorzubereiten.
Auf den Philippinen soll der Betrieb im dritten Quartal starten, zunächst mit zwei Modellen, vermutlich dem L03 und dem X9. In Australien plant der Konzern für die zweite Jahreshälfte gleich fünf neue Modelle samt Ausbau des lokalen Servicenetzes.
Doch parallel zu dieser Expansionswucht kämpft XPeng an der Werkbank mit einem sehr irdischen Problem: dem globalen Mangel an Hightech-Chips. Die Produktion des MONA L03 läuft inzwischen im Doppelschichtbetrieb, um Lieferverzögerungen aufzuholen – die volle Kapazität soll erst im September erreicht sein. Es ist die Kehrseite jeder Globalisierungsstrategie in der Elektromobilität: Wer weltweit ausliefern will, braucht Halbleiter, die weltweit knapp sind. Genau an dieser Reibungsfläche zwischen Ambition und Lieferkette entscheidet sich derzeit, wie glaubwürdig die Wachstumszahlen am Ende wirklich sind.
Auslieferungen wachsen, das Momentum bremst
Im Juli hat XPeng 38.027 Fahrzeuge ausgeliefert, ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber ein Minus von 5,23 Prozent gegenüber dem Juni. Die Jahresrate zeigt also weiter nach oben, das Monatstempo hat sich abgeschwächt.
Für Anleger, die auf den 24. August blicken – dann veröffentlicht XPeng die untestierten Zahlen zum zweiten Quartal, ebenfalls an diesem Tag soll der Vorstand die Zwischenergebnisse formell billigen –, ist das eine wichtige Randnotiz.
Wächst das Unternehmen tatsächlich in dem Tempo, das nötig wäre, um die Bewertungslücke zum Kurs zu schließen? Ein Analysehaus rechnet mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 17,2 Prozent, schneller als der breite US-Marktdurchschnitt – eine Prognose, die als Randgröße einzuordnen ist, nicht als Beleg.
Institutionelle Anleger uneins, Analysten vorsichtig
Auch bei den großen Investoren zeichnet sich kein einheitliches Bild. BlackRock hat seine Position im zweiten Quartal um 23,5 Prozent auf 2,2 Millionen Aktien reduziert, zuletzt noch rund 29,5 Millionen Dollar wert.
Andere sind gegenläufig unterwegs: Ameriprise Financial stockte seinen Bestand um 29,4 Prozent auf 127.533 Aktien auf, Valeo Financial Advisors erhöhte moderat um 0,3 Prozent auf 387.230 Stück. Es ist das Bild eines Marktes, der sich nicht einig ist, ob die Wachstumsstory die Kursdelle rechtfertigt oder kaschiert.
Auf der Analystenseite kam vor rund einer Woche Bewegung: Goldman-Sachs-Analystin Tina Hou senkte ihr Kursziel für XPeng auf 20 US-Dollar von zuvor 23 US-Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Mitte Juli hatte Barclays sein Kursziel auf 15 US-Dollar reduziert und die Einstufung „Underweight“ vergeben – ein Blick zurück, der zeigt, dass die Skepsis schon länger im Raum steht.
XPeng jagt mit dem G9L, mit Südkorea, den Philippinen und Australien gleich mehrere Weltmärkte auf einmal. Ob diese Geschwindigkeit reicht, um den Kurs von seinem Jahrestief wegzuziehen, hängt letztlich davon ab, ob die Chip-Engpässe in der eigenen Fertigung schneller verschwinden als das Vertrauen der Anleger.
XPeng (ADR)-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue XPeng (ADR)-Analyse vom 11. August liefert die Antwort:
Die neusten XPeng (ADR)-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für XPeng (ADR)-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
