XPeng Aktie: 900-Millionen-Dollar-Runde für Robotik

XPeng meldet solide Quartalszahlen, senkt aber die Ausblick-Prognose. Die Robotik-Tochter sammelt derweil 900 Millionen Dollar ein.

Auf einen Blick:
  • Umsatzprognose verfehlt Analystenerwartungen
  • Robotik-Sparte erhält 900 Millionen Dollar
  • Auslandsgeschäft trägt ein Viertel zum Umsatz bei
  • Gerichtsverfahren gegen XPeng eingestellt

Manche Bilanzen erzählen zwei Geschichten gleichzeitig, und bei XPeng widersprechen sich diese Geschichten fast schon spektakulär. Am Montag präsentierte das Unternehmen Quartalszahlen mit einem Umsatz von 19,74 Milliarden Yuan und einer Bruttomarge von 20,7 Prozent – solide Werte für einen chinesischen Autobauer.

Und doch reagierte der Markt mit Verkäufen. Der Grund liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft: XPeng stellte für das dritte Quartal nur noch 115.000 bis 121.000 ausgelieferte Fahrzeuge in Aussicht. Reuters berichtete, diese Prognose habe die Erwartungen der Wall Street verfehlt und die Kursreaktion mit ausgelöst.

Wer die Zahlen genauer betrachtet, erkennt das Ausmaß der Enttäuschung. Reuters meldete, XPeng rechne für das dritte Quartal mit einem Umsatz zwischen 21,7 und 23,4 Milliarden Yuan – deutlich unter dem von Analysten im Schnitt erwarteten Wert von 26,61 Milliarden Yuan.

Die Nachrichtenagentur ordnete das auch dem sich verschärfenden Wettbewerb im chinesischen Heimatmarkt zu. Das ist die eine Geschichte: ein Autobauer, der im härtesten Automarkt der Welt an Tempo verliert.

Die zweite Geschichte: Roboter statt Blechkarosserien

Am selben Tag verkündete XPeng, seine Robotik-Sparte habe mehr als 900 Millionen US-Dollar eingesammelt, bei einer Bewertung nach der Finanzierung von über 6,3 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen selbst bezeichnete es als die größte Einzelrunde privater Finanzierung in Chinas Industrie für verkörperte KI.

Laut Reuters führte IDG Capital die Runde an, Gaorong Ventures beteiligte sich, und mit Tencent und Alibaba stiegen zwei der bekanntesten Namen der chinesischen Techlandschaft strategisch ein. Die konkrete Transaktion lief über eine Tochtergesellschaft namens Dogotix, die einen Aktienkaufvertrag mit mehreren Zeichnern über insgesamt 900 Millionen US-Dollar abschloss.

Das ist bemerkenswert, weil es zeigt, wohin XPeng seinen strategischen Blick richtet, während das Autogeschäft ruckelt. Die Robotik-Sparte peilt laut Angaben aus dem Earnings-Call eine Serienfertigung des humanoiden Roboters Iron bis Ende 2026 an, mit einer kommerziellen Markteinführung 2027. Wer an die großen Zukunftswetten der Tech-Industrie glaubt, sieht hier einen Vorboten.

Wer nüchtern rechnet, fragt sich, ob ein Autobauer mit schrumpfenden Margen im Kerngeschäft die Geduld und das Kapital hat, zwei kapitalintensive Zukunftsfelder gleichzeitig zu bespielen.

Was das operative Geschäft trägt – und was nicht

Ganz so trostlos, wie es die Prognose suggeriert, ist das laufende Geschäft nicht. XPeng meldete, die Auslieferungen außerhalb Chinas hätten im zweiten Quartal die Marke von 20.000 Einheiten überschritten, und Auslandsmärkte hätten im ersten Halbjahr ein Viertel des Umsatzes beigetragen.

Das Modell L03 habe laut Unternehmensangaben bei der Markteinführung ein historisches Bestellvolumen erzielt; Auslandsauslieferungen sollen im vierten Quartal 2026 beginnen.

Auch technologisch bleibt XPeng in Bewegung: Ende August 2026 soll das erste große Upgrade des zweiten Vision-Language-Action-Modells ausgerollt werden – jene Software-Architektur, die sowohl Fahrzeuge als auch die humanoiden Roboter steuern soll.

Nebenbei erledigte sich ein juristisches Ärgernis: Das australische Bundesgericht wies die Klage des früheren Vertriebspartners TrueEV gegen XPeng ab, nachdem TrueEV eine gerichtlich angeordnete Sicherheitsleistung nicht gezahlt hatte. Der für Oktober 2026 angesetzte Prozess entfällt damit.

An der Börse hat der Markt seine Antwort auf die widersprüchliche Gemengelage längst gegeben: Der Kurs notiert nach dem jüngsten Rutsch nur noch wenige Prozentpunkte über seinem 52-Wochen-Tief von 9,42 Euro, während er vom im November markierten Jahreshoch von 24,40 Euro weit entfernt ist.

Diese Kluft zwischen Höchststand und aktuellem Niveau ist die nüchternste Zusammenfassung der beiden Geschichten, die XPeng gerade gleichzeitig schreibt: eine über ein Autogeschäft, das an Fahrt verliert, und eine über eine Robotik-Wette, die gerade erst beginnt.

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