XPeng liefert dieser Tage ein Feuerwerk an Nachrichten: eine Megawatt-Ladestation in Hongkong, der Marktstart auf den Philippinen, Rechtslenker-Produktion für Australien und der Start der Fertigung des Humanoid-Roboters IRON. Und trotzdem verliert die Aktie an der Börse. Für mich ist genau das die eigentliche Geschichte – nicht die einzelnen Meldungen, sondern die Kluft zwischen operativer Dynamik und Marktvertrauen.
Viel Innovation, wenig Kursreaktion
Am Dienstag ging XPeng an der Nasdaq mit einem Minus von 4,4 Prozent aus dem Handel, gemeinsam mit Li Auto einer der größten Verlierer im Nasdaq Golden Dragon China Index, der insgesamt 1,1 Prozent nachgab.
Aktuell notiert das Papier bei 8,98 Euro, nur 1,9 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 8,81 Euro – ein Bild, das die Wachstumsstory kaum widerspiegelt. Wer sich die operative Nachrichtenlage anschaut, würde eher eine Aufwärtsbewegung erwarten.
Denn was XPeng in diesen Tagen zeigt, ist beeindruckend in seiner Breite. Die neue X-Energy-Ladestation in Hongkong liefert mit Speicherunterstützung bis zu 1.000 Kilowatt Ladeleistung, offen für alle Marken – ein Signal, dass XPeng seine Infrastruktur nicht nur für die eigene Flotte, sondern als Ökosystem denkt.
Der G9L geht mit Rechtslenkung in Serie, die Auslieferung nach Australien beginnt, der breitere Marktstart folgt im vierten Quartal. Auf den Philippinen startet man Ende September mit X9 und L03, beides Modelle mit beachtlichen Reichweiten und schneller Ladetechnik.
Und die Robotik-Sparte, erst im August mit 900 Millionen US-Dollar frisch finanziert und mit über 6 Milliarden US-Dollar bewertet, nimmt mit IRON die Produktionslinie in Betrieb.
Warum der Markt trotzdem skeptisch bleibt
Diese Innovationsdichte trifft aber auf ein Analystenurteil, das ich nicht ignorieren würde: GuruFocus vergibt der Aktie einen GF Score von nur 58 von 100 Punkten, mit besonders schwachen Werten bei Profitabilität, Bewertung und Momentum.
Das Forward-KGV von über 682 spricht für sich – der Markt preist hier vor allem Zukunftsfantasie ein, nicht laufende Erträge. Gleichzeitig wird XPeng als möglicher „Value Trap“ eingestuft, trotz eines rechnerischen Upside-Potenzials zum GF Value von über 60 Prozent.
Für mich erklärt das die Diskrepanz zwischen Nachrichtenlage und Kursverlauf: Analysten aus Südkorea bringen es auf den Punkt, wenn sie festhalten, dass Robotik-Ambitionen langfristig wirken mögen, kurzfristig aber der EV-Absatz und die Marge zählen. Und genau hier hakt es in der gesamten Branche gerade.
Der Wettbewerber Nio markierte am Dienstag mit 3,57 US-Dollar ein neues 52-Wochen-Tief, nach einem Kursverlust von 25 Prozent binnen eines Monats. Die China-EV-Schwäche trifft also nicht nur XPeng, sondern den gesamten Sektor – das relativiert die Kursschwäche, ohne sie zu entschuldigen.
Mein Fazit
XPeng beweist mit der Ladeinfrastruktur, der internationalen Expansion und der Robotik-Sparte, dass das Unternehmen technologisch und strategisch breiter aufgestellt ist als viele Wettbewerber.
Doch operative Vielfalt allein trägt einen Aktienkurs nicht, solange Profitabilität und Bewertungsmultiplikatoren aus dem Ruder laufen. Die Robotik-Story mag 2027 zünden, wenn die internationale Markteinführung ansteht – bis dahin dürfte der Markt vor allem auf Absatzzahlen und Margen schauen.
Unterm Strich sehe ich XPeng als Unternehmen, dessen Ambition der aktuellen Kursbewertung um Jahre voraus ist. Ob sich das als Chance oder als Warnsignal entpuppt, hängt davon ab, wie schnell aus Technologie-Schlagzeilen tatsächlich profitables Wachstum wird.
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