XPeng steht am Sonntag vor seinem nächsten Härtetest: Am 24. August legt der chinesische Elektroautobauer Zahlen zum zweiten Quartal vor. Für mich ist der Blick auf die Ausgangslage ernüchternd – und ich sehe wenig Grund, vor dem Termin optimistisch zu werden.
Die Aktie notiert nur noch bei 10,26 Euro, knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 9,99 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier 43 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar 48 Prozent.
Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 30 Prozent zeigt: Hier handelt es sich nicht um eine kurzfristige Delle, sondern um einen anhaltenden Abwärtstrend. Ein RSI von 40,7 signalisiert zumindest keine akute Überverkauftheit mehr, aber von einer Trendwende würde ich noch nicht sprechen.
Wachstum ja, Profitabilität nein
Was mich an der Analystenlage stutzig macht: Die Konsensschätzungen für das zweite Quartal sehen einen Umsatz von 2,83 Milliarden Dollar vor, ein Plus von 12,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Gleichzeitig soll der Verlust je Aktie bei minus 6 Cent liegen – ein Rückgang von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Das Wachstum ist also da, aber es kostet weiterhin Geld. Für mich ist das die zentrale Spannung dieser Aktie: XPeng liefert operativ mehr Fahrzeuge aus, verbrennt aber weiterhin Kapital.
Bemerkenswert finde ich den Vergleich mit der Konkurrenz. Bei den Auslieferungen im zweiten Quartal soll XPeng um 65 Prozent zum Vorquartal zugelegt haben, während NIO nur 29 Prozent und Li Auto gerade einmal 3,3 Prozent schafften. Operativ scheint XPeng also besser zu performen als seine unmittelbaren Wettbewerber.
Trotzdem bewertet der Markt das Unternehmen mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,02 – höher als bei NIO und Li Auto, die jeweils unter 1 liegen. Das passt für mich nicht ganz zusammen: Wachstumsvorsprung bei gleichzeitig höherer Bewertung, während der Aktienkurs seit Monaten fällt.
Insgesamt sollen die Gesamtverkäufe von XPeng laut China-EV-Datentracking im Jahresvergleich aber um 16 Prozent gesunken sein – ein Hinweis darauf, dass die Auslieferungsdynamik im Quartalsvergleich nicht die ganze Geschichte erzählt.
Analystenlager gespalten
Auch bei den Einschätzungen gehen die Meinungen auseinander. Barchart stuft die Aktie aktuell mit einem klaren Verkaufssignal ein und nennt ein Kursziel von 12,89 Dollar, was gegenüber dem damaligen Kurs von etwa 12 Dollar nur ein moderates Aufwärtspotenzial von rund 8 Prozent bedeutet hätte.
Die breitere Wall-Street-Einschätzung fällt deutlich positiver aus: Der Konsens lautet „Moderate Buy“ mit einem Kursziel von 21,59 Dollar. Diese Diskrepanz zeigt mir, wie unklar das Bild derzeit ist – kurzfristige Handelsmodelle und fundamentale Analysten kommen zu fast entgegengesetzten Schlüssen.
Operatives Geschäft läuft, aber juristisch gab es Ärger
Abseits der Bilanzzahlen gab es diese Woche auch eine juristische Randnotiz: Ein australisches Bundesgericht wies am Donnerstag die Klage des früheren Vertriebspartners TrueEV gegen XPeng ab, der geplante Oktober-Prozess entfällt.
TrueEV hatte die Marke 2024 in Australien eingeführt und nach eigenen Angaben mehr als 60 Millionen Dollar investiert, scheiterte aber daran, eine geforderte Sicherheitsleistung von 1,26 Millionen Dollar zu hinterlegen.
XPeng hatte die Exklusivität bereits zum Jahresanfang beendet und den australischen Markt mit der werkseigenen Tochter XPeng ANZ neu aufgestellt, die inzwischen sechs Modelle anbietet. Für mich ist das ein kleines, aber positives Signal: XPeng sichert sich die Kontrolle über wichtige Auslandsmärkte, statt sie unabhängigen Partnern zu überlassen.
Parallel dazu treibt das Unternehmen sein Modellportfolio weiter voran, etwa mit der Vorstellung des neuen G9L-SUV an 119 Standorten in China zu einem Einstiegspreis von umgerechnet rund 38.530 US-Dollar.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich bei XPeng ein Unternehmen, das operativ Fortschritte macht, aber finanziell noch nicht dort ist, wo es sein müsste. Die Auslieferungsdynamik spricht für das Geschäftsmodell, die anhaltenden Verluste und der fallende Kurs sprechen dagegen. Die Zahlen am 24. August dürften zeigen, ob sich das Blatt wendet – bis dahin überwiegt für mich die Vorsicht.
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