Der chinesische Elektroautobauer XPeng steht heute im Zeichen eines großen Rückrufs. Das Unternehmen holt 33.473 Einheiten seines Familien-Vans X9 in China zurück, weil die vordere Luftfederung unter hoher Temperatur und Feuchtigkeit undicht werden kann. Betroffen sind Fahrzeuge, die zwischen dem 8. August 2023 und dem 11. August 2025 gebaut wurden. Kunden berichteten von einem spürbaren Absacken des Fahrgestells während der Fahrt. XPeng tauscht die betroffene Federbein-Baugruppe kostenlos aus, der Rückruf startet am 28. August 2026.
Behörden nehmen Produktion ins Visier
Der Rückruf fällt zusammen mit verschärfter behördlicher Aufmerksamkeit. Chinas Industrieministerium MIIT führt nach Berichten über Produktmängel Sicherheitsinspektionen sowohl bei XPeng als auch beim Wettbewerber GAC Aion durch. Im Fokus stehen die Sicherheit vernetzter Fahrzeuge und die Konsistenz der Fertigungsprozesse. Für XPeng, das seine Modelle zunehmend über Software- und KI-Funktionen differenziert, ist das ein heikles Signal – gerade weil Vertrauen in Qualität und Konnektivität zum Kern des Markenversprechens zählt. Ob Indonesien betroffen ist, prüft der dortige Vertriebspartner PT Xpeng Motors Indonesia noch, eine Einschätzung zur lokalen Flotte steht aus.
Neustart in Australien und frisches Produktangebot
Parallel zu den Rückrufmeldungen treibt XPeng seine internationale Expansion voran. Nach dem Bruch mit dem australischen Exklusiv-Händler TrueEV, der wegen Finanzierungsproblemen und mehr als 450 unerfüllten Bestellungen in einem Rechtsstreit mündete, startet XPeng den Markt neu. Vorbestellungen für den X9 sind ab 89.900 australischen Dollar möglich, dazu plant das Unternehmen binnen sechs Monaten fünf neue Modelle sowie 50 Verkaufsstellen und drei Flaggschiff-Center. Das kompakte SUV Mona L03 und das Flaggschiff G9L sollen im weiteren Jahresverlauf folgen, ein eigenes KI-Fahrassistenzsystem mit Turing-Chips ist für 2027 angekündigt.
In China selbst läuft das Geschäft mit dem überarbeiteten Modell P7 an. Der Wagen startet umgerechnet bei rund 30.700 US-Dollar und verzeichnete nach Unternehmensangaben in nur sieben Minuten mehr als 10.000 feste Bestellungen, wobei die Langstreckenversion mit bis zu 820 Kilometern CLTC-Reichweite fast die Hälfte der Order ausmachte. Zusätzlich treibt XPeng sein humanoides Robotikprojekt Iron voran, das künftig als Kundenservice-Assistent in Showrooms eingesetzt werden soll – ein Baustein der von Vorstand Brian Gu skizzierten Strategie, künftige Autos zunehmend als „Roboter“ zu verstehen.
Kurs reagiert verhalten auf Nachrichtenlage
An der Börse zeigt sich das Papier trotz der Rückrufmeldung robust: Die Aktie notiert aktuell bei 11,10 Euro und legt im Tagesverlauf um 2,21 Prozent zu. Der Blick auf die längerfristige Entwicklung relativiert diese Erholung allerdings deutlich. Seit Jahresbeginn steht für XPeng ein Kursverlust von 38,50 Prozent zu Buche, ein Zeichen dafür, wie sehr Anleger die Risiken aus Wettbewerbsdruck, Preiskampf in China und nun auch Qualitätsfragen bereits eingepreist haben.
Für Investoren bleibt die Gemengelage komplex. Auf der einen Seite zeigen die Bestellzahlen zum neuen P7 und die aggressive Expansion in Australien, dass die Nachfrage nach XPeng-Fahrzeugen ungebrochen ist. Auf der anderen Seite belasten der Rückruf des X9 und die behördlichen Inspektionen das Vertrauen in die Produktionsqualität – ausgerechnet in einem Umfeld, in dem Chinas Autohersteller laut offiziellen Wirtschaftsdaten bereits mit sinkenden Gewinnmargen und neun Monaten in Folge rückläufigen Fahrzeugverkäufen kämpfen. Wie stark sich der Rückruf auf das Markenimage außerhalb Chinas auswirkt, dürfte sich erst zeigen, wenn im August die eigentliche Rückrufaktion anläuft.
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