Ein SUV-Event und ein explosiver Börsengang – selten kamen zwei Kurstreiber so geballt zusammen. Die Xiaomi-Aktie sprang zum Wochenstart um bis zu acht Prozent nach oben und markierte damit den höchsten Stand seit dem 3. Juni. Für ein Papier, das zuletzt monatelang unter Druck stand, ist das ein Achtungszeichen.
Neue SUVs sollen die EV-Sparte retten
Mitgründer und CEO Lei Jun hat für Donnerstag, 19 Uhr, eine Presseveranstaltung angekündigt. Vorgestellt werden sollen zwei neue Modelle namens N90 und N70 aus der SkyNomad-Reihe. Anders als die bisherigen sportlichen „Driver’s Cars“ sollen die neuen SUVs als geräumige Familienfahrzeuge auftreten – Xiaomi selbst spricht von einem „Wohnzimmer auf Rädern“.
Der Termin kommt zur rechten Zeit. Für 2026 hat sich Xiaomi 550.000 ausgelieferte Elektrofahrzeuge vorgenommen, im ersten Halbjahr kamen aber erst 185.055 Einheiten zusammen. Um das Jahresziel noch zu erreichen, müsste sich das Auslieferungstempo in der zweiten Jahreshälfte spürbar beschleunigen. Die neuen Modelle sollen genau dafür sorgen.
CXMT-Debüt spült Fantasie in die Bilanz
Der zweite Kurstreiber kam aus unerwarteter Richtung: Der Speicherchip-Hersteller ChangXin Memory Technologies (CXMT) legte am chinesischen Festlandmarkt ein Debüt hin, bei dem die Aktie um mehr als 500 Prozent nach oben schoss. Xiaomi zählt zu den frühen Investoren des viertgrößten DRAM-Produzenten der Welt und hält weiterhin eine nicht separat ausgewiesene Beteiligung.
Der Börsengang lenkt den Blick auf eine Seite des Konzerns, die im Tagesgeschäft oft untergeht. Xiaomi ist längst nicht mehr nur Smartphone-Hersteller, sondern über Beteiligungen auch im chinesischen Chipmarkt verankert – ein Umstand, der sich nun in barer Münz auszahlt.
Chart bleibt angeschlagen
Trotz des kräftigen Sprungs ist die Ausgangslage fragil. Die Aktie hat sich seit ihrem Jahrestief im Juni zwar merklich erholt, auf Sicht von zwölf Monaten liegt sie aber weiterhin klar im Minus – nach einem Kursverlust von rund zwei Dritteln vom früheren Hoch. Charttechnisch gilt die Trendwende erst als bestätigt, wenn der Kurs die 200-Tage-Linie nachhaltig zurückerobert.
Parallel zur EV-Offensive stützt Xiaomi das Vertrauen der Anleger auch über laufende Aktienrückkäufe aus dem im Juni beschlossenen Mandat. Im operativen Geschäft zeigt sich zudem eine Premiumisierung: Der durchschnittliche Verkaufspreis der Smartphones kletterte im ersten Quartal 2026 auf ein Rekordhoch von 1.310 Renminbi – ein Zeichen dafür, dass Xiaomi höhere Bauteilkosten zunehmend an die Kundschaft weitergeben kann.
Am Donnerstagabend zeigt sich, ob die SUV-Premiere den Schwung mitnimmt oder ob der Kurssprung vom Wochenstart eine Eintagsfliege bleibt. Bis dahin bleibt die 200-Tage-Linie die entscheidende Marke für die charttechnische Bestätigung der Erholung.
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