Ausgangslage
Bei Xiaomi rückt das Smartphone-Kerngeschäft wieder in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Bis Ende September 2026 plant der chinesische Technologiekonzern die Markteinführung seiner neuen Flaggschiff-Reihe Xiaomi 18 Pro.
Nachdem Xiaomi-Präsident Lu Weibing für diesen Monat eine dichte Abfolge von Produktankündigungen in Aussicht gestellt hatte, präsentierte das Unternehmen am 7. September in China bereits das faltbare Smartphone Xiaomi 18 Fold, flankiert von drei neuen Elektrofahrzeugen.
Bei dem Faltgerät setzt der Konzern auf den neuen Zehnkern-Prozessor Xring O3, der im Drei-Nanometer-Verfahren gefertigt wird, sowie auf LPDDR6-Arbeitsspeicher des heimischen Herstellers CXMT.
Dieser technologische Vorstoß erfolgt in einer heiklen Phase. Seit Jahresanfang verzeichnet die Xiaomi-Aktie einen Kursrückgang von 33 Prozent und notiert heute bei 2,92 Euro.
Das Zahlenwerk für das zweite Quartal 2026 belegt die bestehenden Herausforderungen: Der Konzernumsatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,1 Prozent auf 108,922 Milliarden Yuan. Noch deutlicher fiel der Rückgang beim Ergebnis aus. Der bereinigte Gewinn schrumpfte im Jahresvergleich um 42,6 Prozent auf 920 Millionen US-Dollar.
Ursächlich dafür war vor allem das Smartphone-Geschäft, in dem der Umsatz um 7,5 Prozent auf 42,119 Milliarden Yuan nachgab, während die weltweiten Auslieferungen um 26,5 Prozent auf 31,2 Millionen Geräte einbrachen. Für Anleger entscheidet sich in diesen Wochen, ob die anstehende Produkteinführung der Premium-Serie den Abwärtstrend im Kerngeschäft stoppen kann.
Die entscheidende Frage
Die zentrale Frage lautet: Gelingt es Xiaomi, die Margen im margenstarken Premium-Segment rasch genug wieder aufzubauen, um die massiven Vorleistungen in Halbleiterentwicklung und Elektromobilität dauerhaft zu tragen?
Im zweiten Quartal 2026 stiegen die unternehmenseigenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung um 18,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 9,2 Milliarden Yuan. Der Fokus liegt dabei verstärkt auf proprietärer Hardware wie den Xring-Prozessoren, dem Betriebssystem HyperOS und künstlicher Intelligenz.
Parallel dazu fordert der Einstieg in den Automobilsektor finanzielle Mittel: Das Segment Smart EV steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal 2026 zwar auf 3,7 Milliarden US-Dollar, wies jedoch einen operativen Verlust von 385 Millionen US-Dollar aus.
Kann das Smartphone-Segment seine Ertragskraft nicht zeitnah stabilisieren, gerät das Finanzierungsgefüge der Wachstumsinitiativen unter verstärkten Druck.
Bullisches Szenario
Das optimistische Szenario basiert auf einer erfolgreichen Markteinführung der Xiaomi-18-Pro-Serie bis Ende September 2026. Gelingt es dem Unternehmen, über technologische Differenzierungsmerkmale wie eigene Prozessoren und moderne Speicherstandards höhere Verkaufspreise am Markt durchzusetzen, könnte sich der Margenverfall umkehren.
Der Xring O3 soll laut Unternehmensangaben eine um 85 Prozent höhere Rechengeschwindigkeit bei 64 Prozent geringerem Energieverbrauch bieten. Eine starke Nachfrage im Oberklassesegment würde die Durchschnittserlöse je verkauftem Gerät heben und den Volumenschwund dämpfen.
Gleichzeitig liefert das Plattformgeschäft ein stabiles Fundament. Die Zahl der weltweit auf der AIoT-Plattform vernetzten IoT-Geräte kletterte im zweiten Quartal 2026 um 17,4 Prozent auf 1,161 Milliarden. Die monatlich aktiven Nutzer legten um 4,8 Prozent auf 766,5 Millionen zu, während die Zahl der Nutzer mit fünf oder mehr vernetzten Geräten um 20,2 Prozent auf 24,6 Millionen stieg.
Zieht das automobile Geschäft nach der Präsentation der Modelle N70 Pro, N70 Max und N90 Max parallel weiter an, könnte der Skaleneffekt im Ökosystem greifen und die operativen Verluste der Fahrzeugsparte schrittweise verringern.
Bärisches Szenario
Das zentrale Risiko liegt in einer anhaltenden Konsumzurückhaltung im Smartphone-Markt, kombiniert mit steigenden Beschaffungskosten. Bereits vor rund zwei Wochen sah sich Xiaomi veranlasst, auf dem japanischen Markt deutliche Preiserhöhungen für ausgewählte Modelle anzukündigen, begründet mit gestiegenen Kosten für Arbeitsspeicher und Komponenten.
Schlagen diese Kostensteigerungen voll auf die Margen durch oder dämpfen höhere Endkundenpreise den Absatz der neuen 18er-Reihe, droht eine Fortsetzung der Gewinnerosion.
Hinzu kommt die Belastung aus dem Neugeschäft. Bleibt der operative Verlust im Bereich Smart EV auf dem Niveau von 385 Millionen US-Dollar je Quartal oder weitet sich infolge des Modellhochlaufs weiter aus, bindet das Segment erhebliche Liquidität.
Erschwerend wirken externe Faktoren: Vor rund einem Monat empfahl die indische Betrugsermittlungsbehörde Serious Fraud Office Medienberichten zufolge eine Untersuchung gegen Xiaomi wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten im Geschäftsmodell. Zusätzliche Rechtsrisiken in Schlüsselmärkten könnten das internationale Geschäft weiter belasten.
Ausblick
Solange die operative Marge im Smartphone-Bereich die steigenden F&E-Kosten von zuletzt 9,2 Milliarden Yuan deckt und das 52-Wochen-Tief bei 2,34 Euro verteidigt wird, besteht für Anleger Aussicht auf eine Stabilisierung der Ertragslage.
Kippt jedoch der Absatz der anstehenden Flaggschiff-Modelle und verharren die operativen Verluste der Automobilsparte auf hohem Niveau, dürfte sich der Abwärtsdruck auf das Gesamtergebnis verstärken. Der nächste konkrete Katalysator ist der für Ende September 2026 angekündigte Verkaufsstart der Serie Xiaomi 18 Pro.
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