Xiaomi darf jetzt offiziell Reichweitenverlängerer-Elektrofahrzeuge bauen. Das chinesische Industrieministerium hat die Genehmigung erteilt. Klingt nach einem Meilenstein — doch die Aktie notiert knapp über ihrem 52-Wochen-Tief, und das Auslieferungsziel rückt in weite Ferne.
Skynomad: Neue Marke für den Familienmarkt
Xiaomi plant offenbar eine zweite Automarke namens Skynomad. Berichte chinesischer Automedien zufolge soll sie den familienorientierten EREV-SUV-Markt angreifen. Das erste Modell trägt intern den Codenamen Kunlun N3 — ein vollformatiger SUV mit über 5,3 Metern Länge und einem Akku mit mehr als 70 kWh. Die rein elektrische Reichweite soll 400 bis 500 Kilometer betragen. Den offiziellen Launch plant Xiaomi für die zweite Jahreshälfte 2026.
Der Preis soll bei rund 200.000 Yuan liegen. Das ist deutlich günstiger als Li Auto und Aito, deren Modelle typischerweise ab 250.000 Yuan starten. Xiaomi will damit direkt gegen Li Autos L9 antreten.
Die Logik hinter der Zweitmarke: Große Familien-SUVs unter dem Hauptmarkennamen zu verkaufen, würde das sportliche High-Tech-Image verwässern. Mit Skynomad kann Xiaomi eine andere Zielgruppe ansprechen, ohne die Stammkäufer zu irritieren.
Genehmigung trifft auf schwaches Segment
Der Zeitpunkt ist ungünstig. Im Mai brachen die Großhandelsverkäufe von EREV-Modellen um fast 25 Prozent ein — der stärkste monatliche Rückgang seit fünf Jahren. Der Marktanteil fiel auf 7,0 Prozent. Selbst Marktführer Li Auto meldete beim Flaggschiff L9 in den ersten vier Monaten 2026 einen Auslieferungsrückgang von 74 Prozent im Jahresvergleich.
Li Auto und der von Huawei unterstützte Hersteller Aito dominieren das Segment. Sie stellten 2025 sieben der zehn meistverkauften EREV-SUVs. In diesen Markt steigt Xiaomi jetzt ein.
Lieferlücke wächst
Das operative Problem bleibt ungelöst. In den ersten fünf Monaten 2026 lieferte Xiaomi 150.317 Fahrzeuge aus — ein Plus von 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Um das Jahresziel zu erreichen, bräuchte Xiaomi jedoch 34 Prozent Wachstum. Die Lücke wächst mit jedem Monat.
Im Mai kamen 32.759 Einheiten hinzu. Das waren zwar 17 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, aber 10,7 Prozent weniger als im April. Jefferies hat die eigene Prognose daraufhin auf 495.000 Einheiten gesenkt und den Bewertungsmultiplikator für die EV-Sparte von 2,2x auf 1,5x der prognostizierten 2026-Umsätze gekürzt. Die EV-Einheit schrieb im ersten Quartal einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan.
Die Aktie spiegelt die Lage wider. Der Kurs liegt bei 2,72 Euro — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 2,67 Euro. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus fast 40 Prozent.
Xiaomi-Präsident Lu Weibing hat für die zweite Jahreshälfte 2026 ein neues Modell auf einer komplett neuen Plattform angekündigt. Zwischen Genehmigung und Serienproduktion liegen jedoch Monate. Ob der Kunlun N3 noch 2026 in nennenswerten Stückzahlen vom Band rollt, entscheidet sich in den nächsten Wochen — und mit ihm, ob Xiaomi das Jahresziel noch retten kann.
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