Xiaomi baut gerade einen XXL-SUV, der Audi und Co. das Fürchten lehren könnte. Der Aktienkurs zeigt davon wenig. Während der Konzern mit einer aggressiven Automobiloffensive Fakten schafft, verliert das Papier im aktuellen Tech-Ausverkauf weiter an Boden. Heute ging es um 2,91 Prozent runter, auf 2,97 Euro. Es ist die Geschichte eines Unternehmens im Umbau – und der Markt zahlt dafür noch keine Prämie.
SkyNomad: Die Kampfansage an die Oberklasse
Der jüngste Coup aus Peking heißt SkyNomad. Mit den Modellen N70 und N90 steigt Xiaomi ins lukrative Segment der XXL-SUVs ein. Der N90 Max ist ein 5,28 Meter langer Siebensitzer. Er zielt direkt auf Platzhirsche wie den Audi Q7 oder Q9.
Der Trick liegt in der Antriebstechnik. Xiaomi setzt auf einen Range-Extender (EREV): Ein kleiner 1,5-Liter-Verbrenner läuft nur als Generator. Zwei Elektromotoren übernehmen den Vortrieb. Das Ergebnis: eine kombinierte Reichweite von bis zu 1.705 Kilometern nach chinesischem CLTC-Standard.
Der Preis ist die eigentliche Provokation. Das Topmodell startet in China bei umgerechnet rund 38.550 Euro. Ein Audi Q9 kostet in vergleichbaren Märkten oft mehr als das Doppelte. Xiaomi bezieht den Range-Extender offenbar von Harbin Dongan, einer Tochter von Changan. Pro Einheit soll das Bauteil nur etwa 1.100 US-Dollar kosten. Das zeigt, wie konsequent Xiaomi an der Kostenschraube dreht.
Das Smartphone-Erbe bleibt die Basis
Trotz der Auto-Ambitionen vergisst Xiaomi sein Kerngeschäft nicht. Am 11. August 2026 stellt der Konzern den Redmi K100 Pro Max vor. Das Gerät bringt einen 9.070-mAh-Akku und ein 185-Hz-OLED-Display mit. Der Konzern hält also das Tempo hoch, auch im Smartphone-Geschäft.
Ganz ungetrübt ist die Stimmung dort aber nicht. Die Analysten von CLSA warnen vor einem drohenden Gewinneinbruch und haben ihre Kursziele bereits gesenkt.
Zwischen Ambition und Markt-Realität
Die Charttechnik zeichnet ein nüchternes Bild. Zum 52-Wochen-Hoch von 6,54 Euro fehlen inzwischen 54,60 Prozent. Auf Jahressicht hat sich der Kurs sogar um 48,69 Prozent mehr als halbiert. Der 200-Tage-Durchschnitt zeigt weiter steil nach unten – ein Zeichen, dass der langfristige Trend noch immer negativ ist.
Der Markt wägt derzeit zwei Realitäten gegeneinander ab. Auf der einen Seite steht die Resonanz auf SkyNomad: Berichten zufolge gingen bereits mehr als 100.000 Vorbestellungen ein. Auf der anderen Seite steht der enorme Kapitalbedarf, den der Sprung zum Automobilhersteller mit sich bringt. Hinzu kommt ein Umfeld, in dem auch andere Tech-Schwergewichte wie SK Hynix oder Samsung zweistellig einbrechen. Xiaomi wird so zum Spielball einer breiteren Makro-Angst, die mit dem eigenen Geschäft wenig zu tun hat.
Reicht die Begeisterung von über 100.000 SkyNomad-Vorbestellungen aus, um die Gewinnwarnungen aus dem Smartphone-Geschäft zu überstimmen? Die Antwort hängt davon ab, wie schnell Xiaomi die margenschwache Anlaufphase im Autogeschäft hinter sich lässt. Bislang zeigt der Kurs, dass der Markt diese Frage noch nicht beantwortet hat.
Xiaomi ist längst kein reiner Smartphone-Hersteller mehr, sondern ein Mobilitätskonzern im Eiltempo. Die aggressive SUV-Strategie in China und der geplante Europa-Start sind die eine Seite der Wette. Die Gewinnwarnungen von CLSA und der fragile Chart sind die andere. Bis sich beide Linien wieder treffen, bleibt der Weg zurück zum alten Hoch weit.
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