Xiaomi rollt einen SUV mit Dachbett und Zeltanschluss auf den Markt. Klingt nach Camping-Zubehör, ist aber knallharte Marktstrategie. Der chinesische Tech-Konzern startet mit der Serie SkyNomad seinen Angriff auf das Luxus-SUV-Segment – und unterbietet die Konkurrenz gleich beim Preis.
Die Aktie schloss zuletzt bei 2,89 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 3,09 Prozent, über 30 Tage sind es 2,85 Prozent. Vom 52-Wochen-Tief bei 2,34 Euro Ende Juni hat sich der Kurs bereits um fast ein Viertel erholt.
Vier Modelle, ein Ziel
Ein Eintrag im chinesischen Fahrzeugzulassungskatalog der MIIT verrät die Details: Xiaomi bringt vier SkyNomad-Modelle auf die Straße. Das Flaggschiff N90 Max, eine Camping Edition davon, sowie die kleineren Varianten N70 und N70 Max.
Der N90 ist ein Drei-Reihen-SUV mit einer kombinierten Reichweite von über 1.500 Kilometern. Xiaomi zielt damit direkt auf Li Auto und den Huawei-gestützten Rivalen Aito. Beide dominieren aktuell den chinesischen Markt für Elektrofahrzeuge mit Reichweitenverlängerer.
Am auffälligsten ist die N90 Max Camping Edition. Sie bringt ein aufklappbares Dach, eine Dachbett-Plattform und eine Seiten-Zelt-Schnittstelle mit. Technisch kombiniert das Flaggschiff einen 1,5-Liter-Turbomotor mit 112 kW Leistung und ein Akkupaket zwischen 70 und 80 kWh – das ermöglicht 400 bis 500 Kilometer rein elektrische Reichweite.
Xiaomi surft dabei auf einer laufenden Erfolgswelle. Die bisherigen Modelle SU7 und YU7 haben laut Berichten bereits die Verkaufszahlen des Tesla Model 3 in China übertroffen.
Li Auto kämpft an zwei Fronten
Ein Teil der Marktberichterstattung wertet den SkyNomad-Start als Frontalangriff auf Li Auto. Häufig fällt dabei ein Rückgang von 74 Prozent. Dieser Wert braucht allerdings Kontext.
Er bezieht sich ausschließlich auf das auslaufende Modell L9, dessen Auslieferungen in den ersten vier Monaten 2026 im Jahresvergleich um 74 Prozent einbrachen. Der Grund: Li Auto stellte die Fabrikkapazität auf das neue L9-Livis-Modell um. Seit Ende März nahm der alte L9 keine Bestellungen mehr an.
Auf Konzernebene sieht die Lage anders aus. Li Auto lieferte in den ersten vier Monaten insgesamt 129.227 Fahrzeuge aus, ein moderates Plus von 1,91 Prozent. Getragen wurde das Ergebnis vom Elektro-SUV Li i6, der allein im April über 60 Prozent der monatlichen Auslieferungen ausmachte.
Im weiteren Jahresverlauf drehte der Trend jedoch ins Negative. Nach fünf Monaten lagen die Gesamtauslieferungen bei 162.577 Fahrzeugen – ein Rückgang von 3,03 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Li Auto reagierte im Mai mit der Markteinführung des überarbeiteten L9. Die neue Livis-Version sammelte innerhalb von zwei Wochen über 10.000 Festbestellungen.
Der Preis als Waffe
Hier wird die Strategie konkret: Laut chinesischen Medienberichten soll die SkyNomad-Reihe bereits ab rund 200.000 Yuan starten. Li Autos L9 und der Aito M9 liegen beide über 250.000 Yuan. Genau diese beiden Marken stellten 2025 sieben der zehn meistverkauften EREV-SUVs in China.
Xiaomi unterbietet die etablierte Konkurrenz also deutlich – und greift damit ein Segment an, in dem bislang wenig Bewegung war.
Ambitionierte Ziele, erste Fortschritte
Der N90 soll einen wichtigen Beitrag zu Xiaomis Jahresziel leisten: 550.000 ausgelieferte Fahrzeuge in 2026, ein Anstieg von rund 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Halbjahr erreichte der Konzern 185.055 Fahrzeuge – knapp ein Drittel des Ziels.
Immerhin: Xiaomi hat inzwischen drei Monate in Folge über 30.000 Fahrzeuge pro Monat ausgeliefert.
Die Aktie bleibt trotz der jüngsten Erholung unter Druck. Auf Jahressicht steht ein Minus von 54,14 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 35,63 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 6,51 Euro aus dem September 2025 trennen den Titel noch immer 55,60 Prozent. Der Kurs notiert mit 2,89 Euro unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 2,98 Euro und deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 3,85 Euro. Ein RSI von 56,6 signalisiert weder überkaufte noch überverkaufte Marktlage.
Ob die SkyNomad-Serie ausreicht, um Xiaomis Jahresziel von 550.000 Fahrzeugen zu erreichen, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Die Preisstrategie gegenüber Li Auto und Aito ist gesetzt – die Auslieferungszahlen der zweiten Jahreshälfte werden zeigen, ob sie aufgeht.
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