Xiaomi treibt seine Expansion über das Smartphone-Geschäft hinaus mit einer der größten Investitionsankündigungen seiner Unternehmensgeschichte voran. Am Sonntag vor einer Woche kündigte der Konzern an, zwischen 2026 und 2030 mehr als 24 Milliarden Euro weltweit in Forschung und Entwicklung zu stecken. Schwerpunkte sind künstliche Intelligenz, Betriebssysteme, Halbleiter, intelligente Fahrzeuge, Robotik und smarte Fertigung.
Die Ankündigung fiel mit einem weiteren strategischen Schritt zusammen: Auf der IFA in Berlin unterzeichnete Xiaomi Absichtserklärungen mit acht deutschen Automobilhandelsgruppen, darunter Emil Frey Germany, Ernst Dello Group und die Hahn Automobile. Die Vereinbarungen sollen den Boden für den geplanten Europa-Start der Xiaomi-Elektrofahrzeuge im Jahr 2027 bereiten, den das Unternehmen ebenfalls auf der IFA bestätigte.
Neue Fahrzeugklasse als Wachstumshebel
Parallel zur Europa-Strategie hat Xiaomi sein Produktportfolio zu Hause in China erweitert. Am 7. September stellte der Konzern seine Sky-Nomad-Reihe mit Extended-Range-Antrieb offiziell vor – die Modelle N70, N70 Pro und N90 Max. Es ist der erste Vorstoß des Unternehmens über reine Elektrofahrzeuge hinaus.
Die N90 Max startet bei umgerechnet rund 44.300 US-Dollar, die N70 bei etwa 38.400 US-Dollar. Die Range-Extender-SUVs sollen einen zentralen Beitrag zum Lieferziel von 550.000 Fahrzeugen für das laufende Jahr leisten.
Im Smartphone-Geschäft lief zeitgleich der Verkaufsstart des Xiaomi 18 Fold an, zwei Tage vor der erwarteten Enthüllung von Apples eigenem Falt-iPhone. Die Aktie reagierte darauf verhalten und gab seit dem Verkaufsstart am vergangenen Dienstag um 2,1 Prozent nach – ein Hinweis darauf, dass die Markteinführung für sich genommen keinen neuen Kaufimpuls ausgelöst hat.
Kostendruck bei Komponenten belastet Margen
Nicht alle Nachrichten der vergangenen Wochen fielen positiv aus. Ende August kündigte Xiaomi über seinen japanischen Account auf der Plattform X Preiserhöhungen für mehrere Smartphones und Tablets an. Als Grund nannte das Unternehmen gestiegene Kosten für Arbeitsspeicher und andere Komponenten, die es nicht länger selbst auffangen könne. Besonders betroffen sind das Xiaomi 17T Pro sowie mehrere Varianten des Poco X8 Pro.
Dieser Kostendruck zeigte sich bereits in den Zahlen zum zweiten Quartal, die Xiaomi am 18. August vorlegte: Bei einem Umsatz von 108,9 Milliarden Yuan verzeichnete der Konzern einen Gewinnrückgang, den er auf gestiegene Speicherchip-Kosten zurückführte.
Aktie bleibt unter Druck
An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus Wachstumsambitionen und Margendruck in einer schwachen Kursentwicklung wider. Zum Schlusskurs von 2,90 Euro am Freitag hat das Papier seit Jahresbeginn rund ein Drittel an Wert verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar mehr als die Hälfte. Vom 52-Wochen-Hoch bei 6,54 Euro, erreicht Ende September vergangenen Jahres, trennen die Aktie damit gut die Hälfte des Kurswerts.
Immerhin notiert das Papier rund ein Viertel über seinem 52-Wochen-Tief von 2,34 Euro, das erst im Juni markiert wurde. Die milliardenschweren Investitionspläne und die Europa-Expansion im Fahrzeuggeschäft könnten mittelfristig neue Wachstumsfantasie liefern – kurzfristig dominiert an der Börse jedoch offenbar die Sorge um die Profitabilität des Kerngeschäfts.
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