Xiaomi Aktie: Rückkauf gegen Gewinnschock

Xiaomi startet größtes Aktienrückkaufprogramm, während Quartalsgewinn um 43 Prozent einbricht und Chipkosten belasten.

Auf einen Blick:
  • Rückkaufprogramm über 20 Milliarden Hongkong-Dollar
  • Nettogewinn bricht um 43 Prozent ein
  • Speicherchipkosten belasten Smartphone-Margen stark
  • Internet Services als stabilisierender Wachstumsbereich

Xiaomi startet das größte Rückkaufprogramm seiner Geschichte. Der Umsatz sinkt trotzdem, der Gewinn bricht deutlich ein. Ein Widerspruch, der die Aktie seit Wochen belastet.

Schwache Zahlen, großes Rückkaufprogramm

Seit dem 2. Juni 2026 kauft Xiaomi eigene Class-B-Aktien zurück. Das Volumen: bis zu 20 Milliarden Hongkong-Dollar.

Der Zeitpunkt folgt auf ein schwaches Quartal. Der Umsatz fiel um 11 Prozent auf 99,1 Milliarden Yuan.

Der bereinigte Nettogewinn brach um 43 Prozent ein. Er fiel auf 6,1 Milliarden Yuan – ein Einbruch, der am Kapitalmarkt Skepsis statt Erleichterung auslöste.

Die entscheidende Frage

Zwei Faktoren entscheiden über die weitere Kursentwicklung: die Dauer der Speicherchip-Kostenkrise und die Stützkraft des Servicegeschäfts für die schwache Hardware-Sparte.

Die Kosten für LPDDR5-DRAM- und NAND-Speicher explodierten um 151 bis 360 Prozent. Das drückt die Smartphone-Margen, die zuletzt auf 22,5 Prozent fielen.

Analysten sind uneins, wie schnell sich der Druck löst. Manche rechnen damit, dass die hohen Chipkosten bis tief ins Jahr 2027 belasten. Das wirft eine Frage auf: Reicht die Zeit für den Rückkauf, um eine Bodenbildung zu erzwingen, bevor sich die operative Lage entspannt?

Bullisches Szenario

Optimisten sehen die Stärke der Investment-These im Ökosystem, nicht in der Hardware. Im ersten Quartal 2026 erzielte der Bereich Internet Services einen Umsatz von 9,5 Milliarden Yuan. Das ist ein Plus von 4,3 Prozent.

Die Bruttomarge liegt bei 76,1 Prozent – deutlich über dem Hardware-Geschäft.

Diese Sparte wächst mit der Nutzerbasis. Im März 2026 zählte Xiaomi weltweit 746,2 Millionen monatlich aktive Nutzer, ein Plus von 3,8 Prozent.

In China erreichte die Nutzerzahl einen Rekord von 195,8 Millionen, ein Anstieg von 8,1 Prozent.

Auch Analysten signalisieren Rückendeckung. Goldman Sachs senkte das Kursziel von 41 auf 40 Hongkong-Dollar, hält aber am Buy-Rating fest. Das aktualisierte Ziel impliziert rund 34 Prozent Aufwärtspotenzial gegenüber dem damaligen Kurs.

Xiaomi treibt zudem die Premiumisierung der Smartphone-Palette voran, etwa mit den Modellen Xiaomi 17 Ultra und Xiaomi 17 Max. Der durchschnittliche Verkaufspreis stieg auf ein Rekordhoch von 1.310 Yuan. Das ist ein Hinweis, dass die Strategie greift.

Bärisches Szenario

Die Gegenseite wiegt schwer. Jefferies-Analyst Edison Lee senkte das Kursziel nach den schwachen Quartalszahlen deutlich. Von 26,98 Hongkong-Dollar ging es auf 25,49 Hongkong-Dollar herunter. Er stufte die Aktie zugleich von Hold auf Underperform herab.

Das neue Ziel bedeutet ein Abwärtspotenzial von rund 14 Prozent gegenüber dem damaligen Schlusskurs.

Der Grund liegt nicht nur bei den Smartphones. Auch das E-Auto-Geschäft verbrennt Kapital, trotz wachsender Stückzahlen. Im ersten Quartal 2026 verbuchte die Sparte einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan, bei knapp 81.000 ausgelieferten Fahrzeugen.

Umgerechnet ergibt das einen Verlust von über 5.600 US-Dollar pro Fahrzeug. Der Betrag wirft die Frage auf, wie tragfähig das Wachstumsmodell kurzfristig wirklich ist.

Hinzu kommt eine grundsätzliche Warnung: Rückkäufe garantieren keine Kursunterstützung. Das Management kann sie jederzeit reduzieren, verzögern oder einstellen.

Die Analysten-Spanne selbst zeigt, wie ungeklärt die Lage ist. Die Kursziele der Broker reichen von 25 bis 42,16 Hongkong-Dollar. Die jüngsten Revisionen – allen voran die von Jefferies nach den Q1-Zahlen – tendieren zum unteren Ende.

Ausblick

Solange die Speicherchip-Preise auf dem aktuellen, durch den KI-Boom getriebenen Niveau bleiben, dürfte der Margendruck anhalten. Das Rückkaufprogramm allein dürfte dann kaum reichen, um eine nachhaltige Trendwende zu erzwingen. Für 2026 und 2027 geht es primär um Schadensbegrenzung und Bodenbildung.

Entspannen sich dagegen die Komponentenkosten und gleicht das margenstarke Servicegeschäft das Hardware-Defizit weiter aus, verbessert sich das Chancen-Risiko-Verhältnis merklich. Entscheidend dafür sind zwei Faktoren: die Skalierung im E-Auto-Geschäft und die Kostenkurve bei DRAM und NAND im weiteren Jahresverlauf.

Der nächste konkrete Prüfstein: der für das dritte Quartal 2026 erwartete Bericht zum zweiten Geschäftsquartal. Er dürfte zeigen, ob Premiumisierung bei Smartphones und anhaltende EV-Nachfrage die strukturellen Kostenbelastungen tatsächlich ausgleichen.

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