Xiaomi steuert auf einen entscheidenden Termin zu: Am 18. August will der chinesische Elektronik- und Autokonzern seine Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 vorlegen. Der Vorstand plant für denselben Tag eine Sitzung zur Prüfung der ungeprüften Halbjahreszahlen sowie einer möglichen Zwischendividende. Zwei renommierte Analysehäuser haben ihre Schätzungen bereits vorab veröffentlicht – und zeichnen ein Bild spürbaren Margendrucks trotz starker operativer Volumina.
Gewinneinbruch trotz Rekord-Durchschnittspreis
Die China International Capital Corporation bestätigte am 3. August ihre Einstufung für Xiaomi mit „Outperform“, rechnet für das zweite Quartal aber mit einem Umsatzrückgang von 7,6 Prozent auf 107,14 Milliarden Yuan. Den bereinigten Nettogewinn sieht das Haus um knapp 43,6 Prozent auf 6,114 Milliarden Yuan einbrechen. Grund dafür sei ein bewusster Rückzug aus günstigeren Einsteigermodellen, der den durchschnittlichen Verkaufspreis laut CICC-Prognose auf ein Rekordhoch von 1.340 Yuan treiben dürfte.
Morgan Stanley kommt Ende Juli zu einem etwas freundlicheren Bild: Die Analysten erwarten ein starkes Smartphone-Absatzvolumen und eine robuste Bruttomarge, mit einem Gesamtumsatz von über 100 Milliarden Yuan und einem bereinigten Nettogewinn von rund sechs Milliarden Yuan. Nach Marktforschungsdaten lagen die Smartphone-Auslieferungen im zweiten Quartal bei 31,2 Millionen Einheiten – 15 Prozent über den Erwartungen des Analysehauses. Beide Häuser deuten damit auf einen ähnlichen Trend hin: Xiaomi verkauft weniger, aber teurer, während der Gewinn unter dem Strich schrumpft. Hintergrund ist eine globale Speicherchipknappheit, die Bauteilkosten spürbar verteuert – ein Problem, das Hersteller im margenärmeren mittleren Preissegment wie Xiaomi stärker trifft als Anbieter mit teureren Modellreihen.
Aktienrückkauf lässt Kurs über Einstiegsniveau steigen
Parallel zur operativen Entwicklung hat Xiaomi zwischen dem 3. Juni und dem 15. Juli in vierzehn Tranchen eigene Aktien zurückgekauft – anfangs zu rund 28,65 Hongkong-Dollar, zuletzt am 15. Juli zu etwa 25,82 Hongkong-Dollar, insgesamt für rund 100,7 Millionen Hongkong-Dollar. Unter dem am 2. Juni beschlossenen Mandat, das den Rückkauf von bis zu rund 2,58 Milliarden Aktien erlaubt, hat der Konzern damit bislang etwa 79,8 Millionen Aktien beziehungsweise 0,31 Prozent eingesammelt. Eine Sperrfrist für neue Aktienausgaben läuft noch bis zum 14. August. Zeitgleich flossen zwischen dem 2. und 15. Juli rund 824.000 neue Aktien aus Mitarbeiterprogrammen in den Umlauf.
Kurz nach Abschluss der Rückkäufe zog der Kurs deutlich über das eigene Einstiegsniveau des Unternehmens an. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 3,04 Euro, ein Tagesplus von 2,13 Prozent. Auf Jahressicht bleibt die Bilanz jedoch deutlich negativ: Seit Jahresbeginn hat das Papier 29,83 Prozent an Wert verloren und liegt damit 53,57 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 6,54 Euro vom 25. September 2025.
Sky Nomad startet Elektro-Offensive über reine Batteriefahrzeuge hinaus
Auf der Produktseite hat Xiaomi am 30. Juli mit „Sky Nomad“ seine zweite Fahrzeugreihe vorgestellt und Vorbestellungen für zwei Extended-Range-SUVs gestartet. Der N90 Max kostet als Vorbestellung 299.900 Yuan, der etwas kleinere N70 Max 259.900 Yuan; die ersten Auslieferungen sind für September geplant. Damit erweitert Xiaomi sein Angebot erstmals über reine Elektrofahrzeuge hinaus. CEO Lei Jun erklärte bei der Präsentation, die kumulierten Auslieferungen von SU7 und YU7 hätten die Marke von 700.000 Einheiten überschritten.
Sky Nomad ist zentraler Baustein des Expansionsplans für 2026 mit einem Jahresziel von 550.000 Fahrzeugen – etwa 34 Prozent mehr als die rund 410.000 im Jahr 2025 ausgelieferten Einheiten. Im ersten Halbjahr erreichte Xiaomi EV 185.055 Fahrzeuge, ein Plus von 17,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, aber erst rund 34 Prozent des Jahresziels. Lei Jun verteidigte am 29. Juli auf Weibo das Timing des Einstiegs in Extended-Range-Fahrzeuge und verwies auf die Verkaufsleistung des Li Auto L6 als Beleg. Er räumte zugleich einen branchenweiten Gegenwind ein: Die Einzelhandelsverkäufe von Extended-Range-Elektrofahrzeugen in China fielen im Juni laut Daten der China Passenger Car Association im Jahresvergleich um 29,31 Prozent auf 82.000 Einheiten. Ob Xiaomi mit Sky Nomad gegen diesen Trend ankommt, dürfte sich erst mit den September-Auslieferungen zeigen.
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