Xiaomi hat mit den Quartalszahlen zum zweiten Quartal am 18. August ein zweigeteiltes Bild geliefert: Während das Elektroauto-Geschäft kräftig zulegt, schwächelt das klassische Smartphone-Geschäft weiter. Die Aktie notierte am Freitag bei 3,07 Euro, ein Plus von 2,4 Prozent auf Tagessicht – auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Rückgang von 15 Prozent zu Buche.
Umsatz übertrifft Konsens, Gewinn bricht ein
Der Konzernumsatz kam im zweiten Quartal auf 108,922 Milliarden Yuan und lag damit leicht über der Konsenserwartung von 108,325 Milliarden Yuan. Im Jahresvergleich bedeutet das dennoch einen Rückgang um 6,1 Prozent.
Deutlich schmerzhafter fiel der Gewinneinbruch aus: Der bereinigte Nettogewinn brach um 42,6 Prozent auf rund 920 Millionen US-Dollar ein. Die Bruttomarge sank auf 19,8 Prozent und blieb damit unter der Erwartung von 20,4 Prozent.
Ursache ist vor allem das Smartphone-Geschäft, Xiaomis traditionelles Kerngeschäft. Die Auslieferungen fielen im Quartal um 26 Prozent auf 31,2 Millionen Geräte. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits im ersten Quartal sichtbar war, als der Umsatz mit Smartphones um 12,1 Prozent zurückging und der bereinigte Nettogewinn um 43,1 Prozent einbrach.
Elektroauto-Sparte wächst zweistellig – trotz operativem Verlust
Gegenläufig entwickelt sich das Elektroauto-Segment. Der Umsatz stieg dort im zweiten Quartal um 17,1 Prozent auf 3,7 Milliarden US-Dollar, operativ blieb allerdings ein Verlust von 385 Millionen US-Dollar stehen. Xiaomi hob parallel das Auslieferungsziel für Elektrofahrzeuge im laufenden Jahr auf 550.000 Fahrzeuge an – ein deutliches Signal, dass der Konzern trotz roter Zahlen im Segment auf Wachstum setzt.
Die Analysten von Nomura bestätigten am 19. und 21. August ihr „Neutral“-Rating für die Aktie. Sie führten den Umsatzüberschuss auf einen Anstieg der durchschnittlichen Verkaufspreise bei Smartphones um 26 Prozent sowie auf höhere IoT-Umsätze zurück, äußerten aber gleichzeitig Vorsicht mit Blick auf die weitere Margenentwicklung im Smartphone-Geschäft.
Rückkaufprogramm als Kurspolster
Bereits im Mai hatte Xiaomi im Zuge der Q1-Zahlen eine neue Aktienrückkauf-Ermächtigung über 20 Milliarden Hongkong-Dollar für die kommenden zwölf Monate beschlossen – zusätzlich zu den bereits seit Jahresbeginn 2026 zurückgekauften Aktien im Volumen von 8,4 Milliarden Hongkong-Dollar. Solche Programme können in Phasen schwacher operativer Zahlen als Stabilisator wirken, ersetzen aber kein nachhaltiges Gewinnwachstum.
Ende Juli sorgte zudem die Ankündigung zweier neuer familienorientierter SUV-Modelle, N90 und N70, für Aufmerksamkeit im Rahmen der EV-Strategie. Am selben Tag ging zudem der chinesische Speicherchip-Hersteller CXMT an der Börse Shanghai mit einem Kurssprung von 466 Prozent über dem Ausgabepreis an den Start – Xiaomi hält an CXMT eine nicht bezifferte Minderheitsbeteiligung, die den Buchwert der Position steigen ließ, ohne dass dem Konzern direkt Kapital zufloss.
Ausblick: Speicherchip-Preise als möglicher Hebel
Medienberichten zufolge soll Xiaomi sein internes Smartphone-Auslieferungsziel für das laufende Jahr von 90 auf 110 Millionen Einheiten angehoben haben, begründet mit einer erwarteten Stabilisierung der Preise für Speicherchips wie DRAM und NAND.
Eine offizielle Bestätigung durch das Unternehmen steht dazu allerdings aus. Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage bestehen, ob das margenstarke IoT- und Auto-Geschäft den Gewinnrückgang im Smartphone-Segment mittelfristig kompensieren kann.
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