Steigende Kosten für Halbleiter und Speicherbausteine setzen den chinesischen Technologiekonzern Xiaomi unter Zugzwang. Um den Margenverfall im Smartphone-Geschäft abzufedern, greift das Unternehmen zu spürbaren Preisanhebungen bei Endgeräten. Gleichzeitig verschärft sich der Kostendruck durch Zulieferer auf breiter Front.
Teurere Hardware belastet das Smartphone-Kerngeschäft
In Japan kündigte Xiaomi Preiserhöhungen für Smartphones und Tablets an. Das Modell Xiaomi 17T Pro verteuert sich dort in der Ausführung mit 12 Gigabyte Arbeitsspeicher von rund 754 auf rund 879 US-Dollar. Als Grund nennt das Unternehmen explizit die gestiegenen Beschaffungskosten für Arbeitsspeicher und weitere Komponenten. Eine Ausweitung dieser Preisanpassungen auf andere Ländermärkte gilt in Branchenkreisen als wahrscheinlich.
Hintergrund der Entwicklung ist eine branchenweite Verknappung von DRAM- und NAND-Speicherchips, ausgelöst durch den massiven Ausbau von KI-Rechenzentren. Zudem erhöhte der Chiphersteller Qualcomm seine Preise für Snapdragon-Prozessoren im zweistelligen Prozentbereich. Für Smartphone-Hersteller bedeutet dies eine spürbare Kostenbelastung, die sich an die Endkunden nur zeitverzögert weitergeben lässt.
Die Folgen dieser Entwicklung schlugen sich bereits in der Bilanz für das zweite Quartal 2026 nieder. Zwar legte der Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorquartal um 9,9 Prozent zu, lag mit 108,9 Milliarden chinesischen Yuan jedoch 6,1 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Der bereinigte Nettogewinn brach im Vorjahresvergleich um 42,6 Prozent auf 6,2 Milliarden Yuan ein. Verantwortlich hierfür war vor allem das Stammgeschäft: Die weltweiten Smartphone-Auslieferungen von Xiaomi sanken im zweiten Quartal um 26,5 Prozent auf 31,2 Millionen Einheiten.
Elektroautos stützen das Gesamtgeschäft
Dem schwächelnden Kerngeschäft steht ein anhaltender Expansionskurs in der Automobilsparte gegenüber. Im zweiten Quartal lieferte Xiaomi 104.199 Elektrofahrzeuge aus, was einem Zuwachs von 28,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Damit überschritt der Konzern erstmals die Schwelle von 100.000 Einheiten innerhalb eines Vierteljahres.
Der Segmentumsatz der Autosparte kletterte auf 23,9 Milliarden Yuan. Angesichts dieser Entwicklung hob das Management das Auslieferungsziel für das Gesamtjahr 2026 auf 550.000 Fahrzeuge an.
Parallel dazu treibt das Unternehmen seine Modelloffensive voran. Vor gut einer Woche startete der Verkauf des Xiaomi 18 Fold, das auf dem hauseigenen Xring-O3-Chipsatz basiert. Trotz des Erfolgs der neuen Fahrzeugmodelle und technischer Fortschritte im Hardwarebereich bleibt die Rentabilität des Konzerns kurzfristig an die Entwicklung der globalen Speicherpreise gekoppelt.
Am Markt sorgt diese Gemengelage für Zurückhaltung. Heute notiert das Papier an den europäischen Handelsplätzen bei 2,97 Euro, was einem leichten Tagesplus von 2,4 Prozent entspricht. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie jedoch ein Minus von 31 Prozent, da die anhaltende Kosteninflation im Mobilfunkbereich die Wachstumsfantasie im Automobilsektor derzeit überlagert.
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