Xiaomi baut Autos. Jetzt will der Konzern auch Reichweitenverlängerer verbauen — und damit in ein Segment vordringen, das bislang Li Auto und Huaweis Aito dominieren. Das Timing ist kein Zufall: Xiaomis Auslieferungszahlen liegen weit hinter dem Jahresziel zurück.
Grünes Licht aus Peking — mit Bedingungen
Das chinesische Industrieministerium MIIT hat Xiaomis Antrag für Extended-Range-Fahrzeuge (EREV) veröffentlicht. Eine öffentliche Kommentierungsphase läuft bis zum 17. Juni. Danach folgt die finale Zulassung.
Das erste Modell trägt intern den Codenamen „Kunlun N3″. Es soll unter der Submarke Skynomad erscheinen — ein vollformatiger SUV mit über 5,3 Metern Länge und einem 1,5-Liter-Verlängerungsaggregat. Geplanter Preis: rund 200.000 Yuan. Damit würde Xiaomi Li Auto und Aito unterbieten, deren vergleichbare Modelle ab 250.000 Yuan starten.
Hinzu kommt eine mögliche zweite Marke. Xiaomi hat den Namen „Xuntian“ registriert. Branchenbeobachter deuten das als Vorbereitung für eine Markenhierarchie: Xiaomi selbst im Segment von 200.000 bis 300.000 Yuan, Xuntian darüber bis 500.000 Yuan.
Lieferlücke als eigentlicher Treiber
Das Jahresziel liegt bei 550.000 Fahrzeugen. In den ersten fünf Monaten lieferte Xiaomi lediglich rund 140.000 bis 150.000 Einheiten aus. Kein Wunder, dass der Konzern neue Segmente erschließt.
Die Zahlen beim SUV-Modell YU7 zeigen das Problem deutlich. Von 37.869 Einheiten im Januar sank die Zahl auf 9.876 im April. Im April lagen die Gesamtauslieferungen bei 36.702 Fahrzeugen — ein Plus von 71,2 Prozent gegenüber März. Im Mai überschritt Xiaomi erneut die 30.000-Marke. Das reicht trotzdem nicht, um das Jahresziel zu retten.
Verlust pro Fahrzeug, Druck von allen Seiten
Die Automobilsparte verlor im ersten Quartal 2026 rund 5.600 US-Dollar je ausgeliefertem Fahrzeug. Der Konzernumsatz sank auf 99,1 Milliarden Yuan — fast elf Prozent weniger als im Vorjahr. Der bereinigte Nettogewinn fiel auf 6,1 Milliarden Yuan.
Vier weitere Modelle stehen 2026 noch an, darunter zwei EREV-SUVs. Das Wettbewerbsumfeld ist hart. Li Auto schwächelt zwar — der L9 brach in den ersten vier Monaten um 74 Prozent ein, auf nur 4.131 Einheiten. Huaweis Aito M9 hingegen ist seit zwei Jahren das meistverkaufte Luxusauto Chinas über 500.000 Yuan, mit kumulierten Auslieferungen von mehr als 280.000 Einheiten. Die aktualisierte Version sammelte noch vor dem Launch 50.000 Vorbestellungen ein.
Die Xiaomi-Aktie notiert bei 2,89 Euro — knapp über dem 52-Wochen-Tief von 2,82 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Titel 35,53 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar mehr als die Hälfte. Am 17. Juni läuft die MIIT-Kommentierungsphase ab. Der nächste reguläre Quartalsbericht folgt voraussichtlich am 26. August 2026.
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