Smartphone-Hersteller wie Xiaomi müssen sich auf erhebliche Einschnitte einstellen. Das meldete kürzlich die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine Prognose des Marktforschungsunternehmens Counterpoint Research. Demnach könnte der bisher größte jährliche Rückgang auf dem globalen Smartphone-Markt bevorstehen.
Die weltweiten Auslieferungen sollen in diesem Jahr um 13,9 Prozent auf 1,08 Milliarden Geräte einbrechen – eine weitere Verschlechterung gegenüber der noch im Februar prognostizierten Schrumpfung von 12,4 Prozent. Als Hauptursache nennt Counterpoint die anhaltende Knappheit bei Speicherchips, die durch den Iran-Krieg zusätzlich verschärft wird.
Xiaomi-Aktie: Günstige Geräte werden zur Verlustzone
Der Druck entfaltet sich vor allem am unteren Ende des Marktes. Da Chiphersteller ihre Kapazitäten zunehmend auf KI-Anwendungen umlenken, wird die Herstellung einfacher Smartphones immer unwirtschaftlicher. Die globalen Großhandelspreise für Smartphones stiegen im ersten Quartal um 14 Prozent, während die Auslieferungen gleichzeitig um 3,1 Prozent zurückgingen. Einige Modelle unterhalb der 150-Dollar-Preismarke könnten laut Counterpoint ganz vom Markt verschwinden, sobald die vor dem Versorgungsschock aufgebauten Lagerbestände aufgebraucht sind.
Wang Yang, leitender Analyst bei Counterpoint, beschrieb die Lage pointiert: Hersteller im unteren und mittleren Preissegment steckten zwischen Kostensteigerungen, die sie nicht weitergeben könnten, und Verbrauchern mit begrenzter Kaufkraft. Die entscheidende Frage sei nicht mehr, wie man Marktanteile gewinne, sondern ob man überhaupt im Markt bleibe.
Xiaomi-Aktie: Einbruch von 28 Prozent prognostiziert
Xiaomi trifft es besonders hart: Counterpoint erwartet für den chinesischen Konzern einen Rückgang der Jahresauslieferungen um 28 Prozent. Konkurrent Honor soll 20 Prozent verlieren, Transsion sogar 32 Prozent.
Samsung dagegen dürfte dank stabiler Lieferketten und einem breiten Produktsortiment mit einem Minus von lediglich vier Prozent glimpflicher davonkommen. Apple zeigt sich laut Counterpoint am resilientesten: Dank stabiler Chipversorgung, starker Margen und anhaltender Nachfrage nach der iPhone-17-Serie werden die Auslieferungen laut Prognose in diesem Jahr stagnieren und 2027 wieder um fünf Prozent steigen.
Zur Einordnung: Die Situation verdeutlicht das strategische Dilemma, in dem Xiaomi steckt: Das Unternehmen ist stark im mittleren und unteren Preissegment verankert – genau dort, wo der Druck am größten ist. Gleichzeitig investiert der Konzern Milliardensummen in den Aufbau eines Elektrofahrzeuggeschäfts. Für Anleger stellt sich die Frage, ob Xiaomi diese Doppelbelastung aus schrumpfendem Kerngeschäft und kapitalintensivem Neuaufbau mittelfristig stemmen kann.
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