Zwei Tage vor dem erwarteten iPhone-Falt-Debüt von Apple zieht Xiaomi das eigene Datum vor: Am 7. September will der Konzern in China das Xiaomi 18 Fold vorstellen, parallel zu einem Pad und gleich drei Elektroauto-Modellen der Pengcheng-Reihe. Wer nur auf dieses Timing schaut, sieht einen selbstbewussten Herausforderer. Wer auf die jüngsten Quartalszahlen schaut, sieht ein Unternehmen, das sich diesen Auftritt eigentlich hart erarbeiten muss.
Das ist die eigentliche Geschichte hinter der Xiaomi-Aktie in diesen Wochen: ein Konzern, der technologisch nach vorne prescht, während die Kernsparte Smartphones spürbar schwächelt. Im zweiten Quartal sank der Umsatz im Segment Smartphone × AIoT um 11,3 Prozent auf 84 Milliarden Yuan, die reinen Handyerlöse fielen um 7,5 Prozent auf 42,1 Milliarden Yuan.
Noch deutlicher wird der Rückgang bei den Stückzahlen: Die Auslieferungen brachen um 26 Prozent auf 31,2 Millionen Geräte ein. Der bereinigte Nettogewinn brach um 42,6 Prozent auf 6,22 Milliarden Yuan ein und verfehlte die Markterwartung von 6,6 Milliarden Yuan klar.
Ein Chip als Antwort auf die Margenfrage
Genau in diese Lücke soll nun der neue Xring-O3-Chip stoßen, den Xiaomi bereits Ende August vorgestellt hatte und der laut Reuters von TSMC in 3-Nanometer-Technologie gefertigt wird.
Im Xiaomi 18 Fold treibt er einen 10-Kern-Prozessor mit 4,35 GHz Taktung sowie eine 16-Kern-GPU, die 85 Prozent mehr Grafikleistung bei 64 Prozent weniger Stromverbrauch verspricht. Dazu kommt ein Leica-Triple-Kamerasystem mit lichtstarker Hauptlinse und 3,5-fachem optischen Zoom, verpackt in ein Gehäuse mit neuer „Dragon Bone“-Scharniertechnik.
Das ist beeindruckende Ingenieursarbeit. Nur: Chips und Scharniere verkaufen sich nicht von selbst, wenn die globale Nachfrage nach Premium-Smartphones stottert und die eigenen Auslieferungszahlen im zweistelligen Prozentbereich schrumpfen.
Die Frage, die sich Anleger stellen müssen, lautet daher nicht, ob Xiaomi technologisch mithalten kann – das steht außer Zweifel –, sondern ob das faltbare Flaggschiff die Trendwende bei Marge und Stückzahlen tatsächlich einleiten kann oder ob es ein weiteres Prestigeprojekt in einem strukturell schwierigen Marktumfeld bleibt.
Die zweite Wette: Elektroautos
Während die Handysparte kämpft, liefert das Elektroauto-Geschäft ein anderes Bild. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 17,1 Prozent auf 3,7 Milliarden US-Dollar, davon 3,5 Milliarden US-Dollar reine EV-Erlöse. Der operative Verlust von 385 Millionen US-Dollar zeigt aber, dass Xiaomi hier noch tief investiert, bevor sich das Geschäft rechnet.
Mit den drei neuen Pengcheng-Modellen N70 Pro, N70 Max und N90 Max, die zeitgleich mit dem Fold-Handy starten, verdoppelt der Konzern seinen Einsatz in einem Segment, das zwar wächst, aber noch keine schwarzen Zahlen schreibt.
Diese Gleichzeitigkeit ist bezeichnend für Xiaomis aktuelle Strategie: Statt sich auf ein Kerngeschäft zu verlassen, setzt der Konzern auf mehrere Fronten gleichzeitig – Smartphones, Halbleiter, Elektroautos. Das verteilt Risiko, kostet aber auch Kapital und Fokus, gerade wenn das Kerngeschäft schwächelt.
Was der Markt daraus macht
Die Aktie selbst bewegt sich seit dem Produktoffensive-Auftakt am vergangenen Montag um rund 2,6 Prozent nach oben, gestützt auch von einer breiteren China-Tech-Welle, die Medienberichten zufolge von Alibaba ausging.
Mit aktuell 3,11 Euro liegt das Papier zwar über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 2,95 Euro, aber weiterhin klar unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 3,54 Euro – ein Hinweis darauf, dass der übergeordnete Abwärtstrend seit dem Rekordhoch von 6,54 Euro im September vergangenen Jahres noch nicht gebrochen ist. Auf Jahressicht steht ein Minus von 28 Prozent zu Buche.
Parallel läuft ein automatisiertes Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu 2,5 Milliarden Hongkong-Dollar, das noch bis zur Hauptversammlung 2026 laufen kann – ein Signal, dass das Management die eigene Aktie trotz der schwachen Kernzahlen für unterbewertet hält.
Ob das reicht, um die Erzählung von Chip-Innovation und Auto-Ambition über die nackten Margenzahlen zu stellen, entscheidet sich in den kommenden Wochen, wenn sich zeigt, wie der Markt auf das Fold-Debüt reagiert – und ob Apple zwei Tage später mit dem eigenen faltbaren iPhone kontert.
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