Xiaomi Aktie: Absatzziel auf 110 Millionen erhöht

Xiaomi hebt Absatzziel auf 110 Millionen Smartphones an, getrieben von sinkenden Speicherpreisen. Die Aktie reagiert mit einem deutlichen Kursanstieg.

Auf einen Blick:
  • Absatzziel auf 110 Millionen erhöht
  • Sinkende Speicherpreise als Rückenwind
  • Aktie legt 35 Prozent in 30 Tagen zu
  • EV-Sparte als zweites Standbein

Manchmal entscheidet sich der Erfolg eines Elektronikkonzerns nicht im eigenen Werk, sondern in den Fabriken der Zulieferer. Die vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, wie sehr Speicherchips über Marge und Stimmung ganzer Smartphone-Hersteller entscheiden können. Xiaomi liefert dafür gerade ein Lehrstück – nur diesmal mit positivem Vorzeichen.

Die Prognoseanhebung als Wendepunkt

Am Samstag hob der Konzern sein Absatzziel für Smartphones im laufenden Jahr deutlich an: von 90 auf 110 Millionen verkaufte Einheiten. Als Begründung nannte Xiaomi eine überraschend schnelle Stabilisierung der Lieferketten sowie sinkende Preise für DRAM- und NAND-Speicherbauteile. Genau jene Komponenten, die zuvor noch als Kostenfalle galten, wirken nun als Rückenwind. Der Markt reagierte prompt: Am Montag zog der Kurs spürbar an, getrieben von Berichten, wonach sich die Bauteilversorgung im Vergleich zur Konkurrenz spürbar normalisiert habe.

Es ist ein Muster, das man in der Elektronikbranche immer wieder beobachten kann. Wer als Erster von einer Entspannung bei kritischen Vorprodukten profitiert, verschafft sich einen Zeitvorsprung gegenüber Wettbewerbern, die noch mit teuren Lagerbeständen kämpfen. Ob Xiaomi diesen Vorsprung dauerhaft halten kann, bleibt eine offene Frage – aber die Richtung der Nachricht ist eindeutig positiv.

Ein Quartal mit zwei Gesichtern

Wer nur auf die jüngste Kursbewegung schaut, verpasst die eigentliche Geschichte des Frühjahrs. Ende Mai hatte Xiaomi seine Zahlen für das erste Quartal 2026 vorgelegt, und die lasen sich zwiespältig: Der Umsatz sank um 10,9 Prozent auf 99,14 Milliarden Renminbi, übertraf damit aber die Erwartungen der Analysten. Deutlich schmerzhafter fiel der Gewinnrückgang aus – der bereinigte Nettogewinn brach um 43,1 Prozent auf 6,07 Milliarden Renminbi ein, belastet durch Margendruck im Smartphone-Geschäft. Der Vorstand bestätigte die Zahlen wenig später und lenkte den Blick bewusst auf ein anderes Segment: die Elektroauto-Sparte, deren Profitabilität bei steigenden Stückzahlen im Fokus stehe.

Diese Verschiebung der Erzählung – weg vom margenschwachen Smartphone-Kerngeschäft, hin zur wachsenden EV-Sparte – ist kein Zufall. Anfang Mai wurde bekannt, dass die monatlichen Auslieferungen der Modelle SU7 und YU7 im April wieder über die Marke von 30.000 Einheiten gesprungen waren, nach einer vorübergehenden Schwächephase zu Jahresbeginn. Xiaomi baut damit an einem zweiten Standbein, das langfristig tragen soll, was das Smartphone-Geschäft an Marge verliert.

Auch das Vertrauen aus den eigenen Reihen war schon länger sichtbar: Firmengründer Jun Lei hatte im November 2025 Xiaomi-Aktien im Wert von 100 Millionen Hongkong-Dollar zu einem Durchschnittspreis von 38,58 Hongkong-Dollar je Aktie erworben – ein Signal, das zeitlich vor der aktuellen Rally lag, aber die Überzeugung des Managements von der eigenen Aktie unterstreicht.

Rally trifft auf ausgereizte Bewertung

An der Börse hat sich all das inzwischen niedergeschlagen. Die Aktie notiert aktuell bei 3,33 Euro, nach einem Anstieg von 35,85 Prozent innerhalb der vergangenen 30 Tage – eine bemerkenswerte Erholung nach einem schwachen Frühjahr. Zum bisherigen Jahreshoch von 6,51 Euro, erreicht im September vergangenen Jahres, fehlen dem Papier aber immer noch 48,76 Prozent. Der Weg zurück zu alter Stärke ist also weit, selbst wenn die jüngste Dynamik beeindruckt.

Wer die Kombination aus stark gestiegenem Kurs und angehobener Absatzprognose betrachtet, sollte sich bewusst sein, dass technische Indikatoren mittlerweile eine überkaufte Situation anzeigen – ein Faktor, den man als Randnotiz im Hinterkopf behalten kann, nicht als Grundlage einer Entscheidung. Entscheidender dürfte sein, was am 18. August ansteht: Dann veröffentlicht Xiaomi die Zahlen für das zweite Quartal 2026. Erst dann zeigt sich, ob die Prognoseanhebung mehr war als eine Momentaufnahme günstiger Speicherpreise – oder tatsächlich der Beginn einer nachhaltigeren Erholung zwischen Smartphone- und Elektroauto-Geschäft.

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