Starkes Rückkaufprogramm, schwache Kurse — bei Xiaomi klaffen Kapitalmaßnahme und Marktreaktion weit auseinander. Die Aktie notiert heute auf dem 52-Wochen-Tief von 2,37 Euro, ein Minus von fast fünf Prozent. Seit Jahresbeginn hat der Titel 47 Prozent verloren.
Rückkäufe verpuffen
Das Management hat Anfang Juni das größte Aktienrückkaufprogramm der Unternehmensgeschichte genehmigt. Es umfasst bis zu 20 Milliarden Hongkong-Dollar — rund 2,4 Milliarden Euro — und läuft bis zur Hauptversammlung 2027. Der Verkaufsdruck hält trotzdem an. Leerverkäufer halten Positionen, die rund neun Prozent des Streubesitzes entsprechen. Sie wetten auf weitere Kursverluste.
Schon unter dem Vorgängerprogramm hatte Xiaomi fast 400 Millionen eigene Aktien für rund 14,6 Milliarden Hongkong-Dollar zurückgekauft. Der Markt zeigt sich unbeeindruckt.
Speicherchips fressen die Marge
Der tiefere Grund für den Kursverfall liegt im globalen Speicherchipmarkt. Smartphone-Speicher ist in den vergangenen Monaten auf das Fünffache gestiegen, TV-Chips haben sich sogar verzehnfacht.
Die Ursache: Hyperscaler wie Microsoft, Google, Meta und Amazon kaufen massiv High-Bandwidth-Memory für KI-Anwendungen. Samsung, SK Hynix und Micron lenken ihre Kapazitäten auf diese höhermargigen Komponenten um. Jeder Wafer für eine Nvidia-GPU fehlt für ein Mittelklasse-Smartphone.
Das trifft Xiaomi besonders hart. Im ersten Quartal 2026 sanken Auslieferungen um 19 Prozent und der Umsatz um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen hält einen großen Marktanteil im Einstiegs- und Mittelklassesegment — genau dort schlägt der Kostendruck am härtesten an.
Elektroautos noch weit von der Profitzone
Die EV-Sparte verschärft den Druck. Im ersten Quartal 2026 schrieb sie einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan — rund 5.600 US-Dollar je ausgeliefertem Fahrzeug. Sinkende Subventionen und steigende Bauteilkosten belasten die Marge zusätzlich.
Das Jahresziel von 550.000 Auslieferungen rückt in weite Ferne. Bis Ende Mai lieferte Xiaomi 150.317 Einheiten aus. Von Juni bis Dezember müsste das Unternehmen monatlich rund 57.500 Fahrzeuge ausliefern. Das läge fast 15 Prozent über dem bisherigen Monatsrekord von 50.000 Einheiten.
Blick auf August
Counterpoint Research erwartet hohe Speicherchippreise noch bis Ende 2027. Solange dieser Kostendruck anhält, fehlt die Grundlage für eine fundamentale Kurserholung.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der Quartalsbericht am 26. August 2026. Bis dahin bleibt das Rückkaufprogramm das sichtbarste Signal des Managements — bislang ohne Wirkung auf den Kurs.
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