Xiaomi hat am Montag seinen neuen Smartphone-Prozessor Xring O3 vorgestellt. Der Chip ist der Nachfolger des im vergangenen Jahr präsentierten Xring O1 und wird von TSMC in 3-Nanometer-Technologie gefertigt. Damit treibt der chinesische Elektronikkonzern seine Strategie voran, bei zentralen Bauteilen unabhängiger von externen Zulieferern zu werden.
Der neue Prozessor soll im kommenden Flaggschiff-Falt-Smartphone von Xiaomi zum Einsatz kommen. Für dieses Gerät hat das Unternehmen ein Absatzziel von 200.000 bis 300.000 Einheiten ausgegeben.
Auch wenn diese Stückzahl im Vergleich zum Massenmarkt für Smartphones überschaubar wirkt, signalisiert die Chip-Partnerschaft mit TSMC einen strategischen Kurs: Xiaomi will bei Hochleistungschips künftig eine eigene technologische Basis haben, statt sich ausschließlich auf Fremdanbieter wie Qualcomm zu verlassen.
Chip-Vorstellung folgt auf durchwachsene Quartalszahlen
Die Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Xiaomi versucht, das Bild nach enttäuschenden Quartalszahlen zu verbessern. Vor rund zwei Wochen hatte der Konzern für das zweite Quartal einen Rückgang des bereinigten Nettogewinns um 42,6 Prozent gemeldet, belastet vor allem durch gestiegene Speicherchip-Kosten und anhaltende Verluste im Elektroauto-Geschäft.
Seither hat sich die Aktie um 9,9 Prozent erholt. Die Eigenentwicklung des Xring O3 lässt sich auch als Antwort auf genau jenes Kostenproblem lesen, das Xiaomi im vergangenen Quartal zu schaffen machte: Wer zentrale Komponenten selbst steuert, ist künftig weniger von Preisschwankungen bei Fremdchips abhängig.
Am Kapitalmarkt zeigte sich die Aktie zuletzt uneinheitlich. Am Freitag schloss das Papier bei 3,07 Euro, ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Minus von 15 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Erholung die vorangegangenen Verluste bislang nicht wettmachen konnte.
Elektroauto-Sparte bleibt Belastungsfaktor
Während die Chip-Strategie im Smartphone-Geschäft Fortschritte zeigt, bleibt die Elektroauto-Sparte eine offene Baustelle. Im zweiten Quartal lieferte Xiaomi 104.199 Fahrzeuge aus, ein Plus von 28,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, verbuchte in der Sparte aber weiterhin einen operativen Verlust von 2,6 Milliarden Yuan.
Gleichzeitig hat der Konzern sein Auslieferungsziel für das Gesamtjahr auf 550.000 Fahrzeuge angehoben – ein ambitionierter Schritt, der zeigt, dass Xiaomi trotz der Verluste am Wachstumskurs im Automobilgeschäft festhält.
Analysten sehen die Entwicklung differenziert. Nomura bestätigte nach den Quartalszahlen Mitte August seine „Neutral“-Einstufung und äußerte dabei Zweifel, ob das für 2026 angehobene Auslieferungsziel im Elektroauto-Geschäft tatsächlich erreichbar ist.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Der Xring O3 unterstreicht Xiaomis technologischen Anspruch und könnte langfristig die Kostenstruktur im Smartphone-Geschäft verbessern. Die Elektroauto-Sparte dagegen bleibt vorerst ein Verlustbringer, dessen Wachstumsversprechen sich erst noch beweisen muss.
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