Der US-Technologiekonzern Xerox gerät unter den Druck eines aktivistischen Investors. Die tschechische Investmentgesellschaft Starteepo, die nach einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC einen Anteil von 7,34 % an dem Unternehmen hält, fordert eine umfassende strategische Überprüfung der Finanzdienstleistungssparte Xerox Financial Services (XFS). Diese Nachricht löste am Markt eine deutliche Reaktion aus: Die Aktie notiert heute bei 2,94 € und verbucht damit ein Plus von 8,8 %.
Starteepo sieht massives Bewertungspotenzial
In einem am Montag übermittelten Brief an das Board of Directors drängt Starteepo-Chef Frantisek Bostl auf eine Neubewertung der Sparte XFS. Medienberichten von Bloomberg zufolge schätzt der Investor den Wert dieses Bereichs auf allein 7,69 US-Dollar pro Aktie. Dies entspräche mehr als dem Doppelten des Niveaus, auf dem das Papier zu Beginn der Woche gehandelt wurde.
Starteepo schlägt verschiedene Optionen vor, um diesen Wert zu realisieren, darunter ein Joint Venture, eine Kapitalpartnerschaft oder eine vollständige Veräußerung des Segments.
Zudem verlangt der Investor eine transparentere Finanzberichterstattung für die Sparte sowie eine klare Strategievorstellung bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse für das dritte Quartal.
Sollten die Vorschläge zur Neuausrichtung und zum Schuldenabbau konsequent umgesetzt werden, prognostiziert Starteepo für die gesamte Xerox-Gruppe ein mögliches Bewertungspotenzial von bis zu 18 US-Dollar je Aktie, was einer Marktkapitalisierung von rund 3,3 Milliarden US-Dollar entspräche.
Operativer Fortschritt und Integration von Lexmark
Die Forderungen des aktivistischen Aktionärs treffen auf ein Unternehmen, das sich bereits in einem mehrjährigen Transformationsprozess befindet. Erst Ende Juli hatte Xerox seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 auf rund 7,6 Milliarden US-Dollar angehoben.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die Integration des übernommenen Herstellers Lexmark. Xerox steigerte das Ziel für die Brutto-Kostensynergien aus diesem Zusammenschluss zuletzt um 50 Millionen auf mindestens 350 Millionen US-Dollar.
Parallel zur operativen Zusammenführung arbeitet das Management am Abbau der Verbindlichkeiten. Im zweiten Quartal konnte die Verschuldung bereits reduziert werden, wobei unter anderem Anleihen mit Fälligkeit im Jahr 2028 unter Par zurückgekauft wurden.
Bis zum Jahresende strebt das Unternehmen an, den Verschuldungsgrad deutlich zu senken. Die Aktie hat sich in diesem Umfeld bereits positiv entwickelt und notiert mit dem heutigen Kurssprung rund 14 % über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
Neuausrichtung des Vertriebsmodells
Um die Marktposition nach der Lexmark-Akquisition zu festigen, hat Xerox zudem seine weltweiten Vertriebsstrukturen angepasst. Seit dem zweiten Quartal greift ein neues Modell, das den regionalen Vertrieb vereinheitlichen und die Zusammenarbeit mit Partnern stärken soll.
Bereits im Februar legte das Unternehmen durch ein Joint Venture mit TPG den Grundstein für eine verstärkte Monetarisierung seines geistigen Eigentums. Diese Partnerschaft sicherte Xerox eine Finanzierung in Höhe von 450 Millionen US-Dollar, die vorrangig für die Liquidität und die Beschleunigung der Lexmark-Integration verwendet wird.
Die nun von Starteepo geforderte striktere Kapitaldisziplin könnte diesen eingeschlagenen Kurs der Konsolidierung weiter verschärfen. Neben den strategischen Forderungen mahnt der Investor eine konsequente Entschuldung der Bilanz an, um den Shareholder Value langfristig zu steigern.
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