Die Tochtergesellschaft TRISO-X hat die Errichtung der baulichen Außenhülle des Nuklearbrennstoffwerks TX-1 in Oak Ridge im US-Bundesstaat Tennessee abgeschlossen. Der Neubau umfasst rund 214.000 Quadratfuß und gilt als erste neue kommerzielle US-Fabrik für modernen Reaktorbrennstoff seit über fünf Jahrzehnten. Nach dem Abschluss des Rohbaus stehen als nächste Projektschritte der Innenausbau sowie die Montage der Produktionsanlagen an.
Die Fertigstellung des Baukörpers markiert einen zentralen Schritt zur Absicherung der unternehmenseigenen Lieferkette. An der Börse konnte die Nachricht den jüngsten Abwärtsdruck jedoch nicht vollständig abfedern. Das Papier von X-Energy ging am Freitag mit einem Minus von 4,1 Prozent bei 15,08 US-Dollar aus dem Handel und notiert damit 15 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 17,65 US-Dollar.
Brennstoff für Reaktoren der vierten Generation
TX-1 ist für die Verarbeitung von schwach angereichertem HALEU-Uran mit einem Uran-235-Anteil zwischen 5 und 20 Prozent ausgelegt. Herkömmlicher Brennstoff für bestehende Leichtwasserreaktoren nutzt in der Regel lediglich Konzentrationen von 3,5 bis 5 Prozent. Nach der vollständigen Inbetriebnahme soll das Werk pro Jahr rund 700.000 Brennstoffkugeln mit einem Uranäquivalent von etwa fünf Tonnen herstellen.
Mit dieser Jahresausbeute ließe sich der laufende Brennstoffbedarf von bis zu elf firmeneigenen Xe-100-Reaktormodulen decken. Jedes dieser Hochtemperaturmodule weist eine Leistung von 80 Megawatt auf, wobei in Standardkonfigurationen vier Einheiten zu einer Anlage mit 320 Megawatt kombiniert werden. Erste Lieferungen aus TX-1 sind für ein industrielles Demonstrationsprojekt am texanischen Standort des Chemiekonzerns Dow vorgesehen.
Regulatorischer Rahmen und Rohstoffsicherung
Die US-Nuklearaufsicht NRC erteilte dem Betreiber eine 40-jährige Lizenz für die HALEU-Verarbeitung am Standort. Für die Fertigung dieser Brennstoffkategorie handelt es sich um die erste Genehmigung ihrer Art auf Bundesebene seit mehr als 50 Jahren. Flankierend zu den Bundesprüfungen stellte der Bundesstaat Tennessee im Juli 2026 einen Entwicklungszuschuss in Höhe von 11 Millionen US-Dollar bereit.
Der Aufnahme des kommerziellen Betriebs sieht das Unternehmen für das erste Halbjahr 2028 entgegen. Um die Versorgung mit Ausgangsmaterial zu regeln, schloss X-Energy im August 2026 einen langfristigen HALEU-Liefervertrag mit Centrus Energy.
Die gesetzlichen Ausnahmegenehmigungen für den Import von angereichertem Uran aus Russland laufen Anfang 2028 aus, weshalb der Aufbau einer heimischen Veredlungskette für die US-Nuklearwirtschaft von hoher strategischer Relevanz bleibt.
Expansion am Firmensitz und Projektpipeline
Parallel zum Fortschritt in Tennessee baut das von Amazon unterstützte Unternehmen seine organisatorische Basis aus. In Gaithersburg im Bundesstaat Maryland erweiterte X-Energy die geplante Unternehmenszentrale kürzlich auf eine Bürofläche von rund 145.000 Quadratfuß. Am Standort Frederick entsteht zudem eine gesonderte Einrichtung für nichtnukleare Komponententests und Prototypen.
Neben dem Vorhaben mit Dow treibt X-Energy Kooperationen mit weiteren Partnern wie Energy Northwest und Centrica voran. Die Skalierung der Reaktorkapazitäten ist allerdings kapitalintensiv und setzt eine pünktliche Bereitstellung des hochangereicherten Brennstoffs voraus. Erst mit dem erfolgreichen Anlauf der Fertigungslinien in Oak Ridge wird sich zeigen, ob die ambitionierten Zeitpläne für die kommerziellen Reaktorauslieferungen haltbar sind.
X-Energy-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue X-Energy-Analyse vom 28. September liefert die Antwort:
Die neusten X-Energy-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für X-Energy-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
