Am Freitag öffnete der Kurs bei 30,11 Dollar. Der IPO-Preis hatte bei 23 Dollar gelegen, die ursprünglich vermarktete Spanne bei 16 bis 19 Dollar. Gut 31 Prozent Aufschlag gleich zum Auftakt, und das für ein Unternehmen, das bislang keinen einzigen kommerziellen Reaktor in Betrieb hat. Willkommen an der Börse, X-Energy.
Eine Milliarde Dollar für Versprechen
Der Atomreaktor-Entwickler aus Rockville, Maryland, sammelte in seinem Börsengang rund 1,02 Milliarden Dollar ein, indem er gut 44,3 Millionen Aktien der Klasse A verkaufte. Das bewertet das Unternehmen mit 11,9 Milliarden Dollar. Für ein Unternehmen, das 2009 gegründet wurde, seitdem vor allem Pläne und Partnerschaften angehäuft hat und dessen Pipeline zwar mehr als 11 Gigawatt ausweist, aber noch auf keine fertige Anlage zeigen kann, ist das eine ordentliche Summe.
CEO Clay Sell formulierte es so: „Wir wollten diese Gelegenheit nutzen, um eine größere Bilanz aufzubauen, die es uns erlaubt, das Risiko auf dem Weg zur Skalierung zu reduzieren.“
Das Besondere: Helium
X-Energy entwickelt den sogenannten Xe-100, einen 80-Megawatt-Reaktor, der Helium statt Wasser als Kühlmittel nutzt und auf bis zu 960 Megawatt skaliert werden soll. Dazu kommt ein eigenes Kernbrennstoffgeschäft, das die Reaktoren, die X-Energy verkauft, dauerhaft mit Treibstoff versorgen soll. Sell sieht darin den entscheidenden Unterschied zu Wettbewerbern: wiederkehrende Einnahmen, langfristige Kundenbindung. Kunden sind bereits Amazon, der Chemiekonzern Dow und der britische Energieversorger Centrica, der zudem 20 Prozent an Großbritanniens Reaktorflotte hält.
Zuletzt schloss X-Energy zwei separate Finanzierungsrunden von je 700 Millionen Dollar ab, getragen von Amazon, Jane Street, Ares Management und ARK Invest. Der ursprünglich geplante Börsengang über einen SPAC-Mantel mit Ares-Beteiligung war 2023 noch abgeblasen worden, damals mit Verweis auf ungünstige Marktbedingungen. Die Bedingungen haben sich offenbar geändert.
KI braucht Strom, Strom braucht Atom
Das Timing ist kein Zufall. Tech-Konzerne und Rechenzentrumsbetreiber suchen händeringend nach zuverlässiger, kohlenstoffarmer Energie rund um die Uhr. Solar und Wind können das nicht liefern, zumindest nicht verlässlich. Kleine modulare Reaktoren, kurz SMRs, gelten als Antwort auf genau dieses Problem. X-Energy will bis 2039 gemeinsam mit Amazon bis zu 5 Gigawatt Kapazität in den USA aufbauen, ein Genehmigungsantrag für einen Standort in Texas ist bereits anhängig.
Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen die ersten kommerziellen SMR-Elektronen ins US-Netz fließen. Ob X-Energy dabei vorne liegt, weiß heute niemand. Aber 1,02 Milliarden Dollar frisches Kapital und ein Börsenkurs, der gleich am ersten Tag fast ein Drittel zulegte, sind zumindest kein schlechter Start für ein Unternehmen, das noch nichts gebaut hat.
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