Die Quartalszahlen liegen einen Tag zurück, doch die Wall Street diskutiert weiter munter mit. Gleich mehrere Analysehäuser haben ihre Kursziele für Workday nach oben geschraubt — teils kräftig. Needham etwa hebt sein Ziel von 180 auf 230 Dollar an und bestätigt die Kaufempfehlung.
Der Auslöser: Workday hatte für das zweite Geschäftsquartal einen Gewinn von 2,75 Dollar je Aktie gemeldet, deutlich über den erwarteten 2,61 Dollar. Der Umsatz kletterte um 13 Prozent auf 2,65 Milliarden Dollar. Die Börse reagierte trotzdem zurückhaltend, weil der Ausblick fürs zweite Halbjahr schwächer ausfällt als zuletzt gewohnt.
KI liefert erste Beweise, aber noch keine Euphorie
Genau hier setzen die Analysten unterschiedliche Akzente. DA Davidson erhöhte sein Kursziel von 135 auf 190 Dollar, bleibt aber bei „Neutral“ — die Aktie notiert mit 201,56 Dollar bereits über dieser Marke, nach einem Kursanstieg von 45 Prozent in einem halben Jahr. Das Haus verweist auf frühe Anzeichen von Dynamik bei den KI-Produkten, sieht aber auch, dass sich das Wachstum insgesamt verlangsamt.
Needham-Analyst Scott Berg wiederum betont, die Nutzung von KI-Agenten laufe schneller als erwartet, die Monetarisierung stehe aber noch am Anfang — bislang zahlen nur wenige Kunden tatsächlich dafür. Mehr als ein Viertel des neu gewonnenen Vertragsvolumens entfiel zuletzt bereits auf KI-Produkte, über 5.500 Kunden nutzen mindestens einen der hauseigenen KI-Agenten.
Das Bild bei den Kurszielen bleibt gespalten: Cantor Fitzgerald senkte sein Ziel wegen verpasster Prognosen auf 205 Dollar, während KeyBanc auf 215 Dollar und Bernstein SocGen sogar auf 238 Dollar anhoben. Stifel sieht 160 Dollar als fair an. Die Spanne zeigt, wie unterschiedlich die Häuser das Verlangsamungsrisiko gegen die KI-Chancen abwägen.
Wachstum bremst sich ab, Rückkäufe laufen weiter
Der langfristige Auftragsbestand wuchs im Quartal nur um acht Prozent auf 27,4 Milliarden Dollar — spürbar langsamer als in den Vorquartalen. Finanzchef Zane Rowe rechnet für das kommende Geschäftsjahr mit einem Abonnementwachstum von rund elf Prozent, nach zuletzt knapp 14 Prozent. Der freie Cashflow sank im Quartal von 588 auf 460 Millionen Dollar.
Gegensteuern will Workday mit Aktienrückkäufen. Im abgelaufenen Quartal kaufte der Konzern eigene Anteile für 1,3 Milliarden Dollar zurück, der Verwaltungsrat genehmigte zusätzlich Rückkäufe von bis zu vier Milliarden Dollar.
Die Analysten sind sich einig, dass Workday operativ liefert — uneinig sind sie sich, wie viel das perspektivisch langsamere Wachstum wert sein darf. Mit Kurszielen zwischen 160 und 238 Dollar bleibt die Bandbreite der Einschätzungen ungewöhnlich groß für ein Unternehmen dieser Größe.
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