Während das Unternehmen operativ in seinem ersten Quartal die Erwartungen übertreffen konnte, belasten eine zugelassene Sammelklage wegen diskriminierender Algorithmen sowie eine Serie von millionenschweren Aktienverkäufen durch Unternehmensinsider die Stimmung der Anleger. Am heutigen Handelstag verzeichnete das Papier einen deutlichen Kursrückgang von 9,09 Prozent und notiert bei 115,00 Euro.
Gericht erlaubt Klage wegen KI-Diskriminierung
Ein Bundesrichter in San Francisco hat am 22. Juni 2026 den Weg für eine Sammelklage gegen Workday freigemacht. Der Kläger Derek Mobley wirft dem Unternehmen vor, dass dessen KI-gestützten Bewerbungstools Kandidaten aufgrund von Rasse, Alter und Behinderungen systematisch benachteiligen. Mobley, der nach eigenen Angaben trotz qualifizierter Profile seit 2018 bei über 100 Bewerbungen abgelehnt wurde, führt dies auf voreingenommene Algorithmen zurück.
Der Fall tritt nun in die Beweisaufnahmephase (Discovery) ein. Da rund 80 Prozent der US-Arbeitgeber, darunter Großbanken wie die Bank of America oder Wells Fargo, KI-Filter für Bewerbungsprozesse nutzen, wird das Verfahren branchenweit aufmerksam verfolgt. Es stellt die Frage ins Zentrum, inwieweit Softwareanbieter für die Entscheidungen ihrer automatisierten Systeme haftbar gemacht werden können. Workday selbst bestreitet die Vorwürfe und betont, keine endgültigen Einstellungsentscheidungen zu treffen.
Mitbegründer veräußert Aktien in Millionenhöhe
Parallel zur juristischen Auseinandersetzung sorgen umfangreiche Transaktionen aus der Führungsebene für Aufsehen. Laut SEC-Einreichungen verkaufte Mitbegründer und Großaktionär David Duffield am 9. Juli 2026 insgesamt 107.500 Class-A-Aktien über einen Treuhandfonds. Der Verkauf wurde im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans (Rule 10b5-1) durchgeführt und erlöste rund 14,7 Millionen US-Dollar. Nach dieser Transaktion hält Duffield direkt noch 105.049 Class-A-Aktien, verfügt jedoch indirekt über mehr als 36 Millionen Class-B-Aktien.
Dieser Schritt reiht sich in eine Serie von Abverkäufen ein: In den vergangenen 90 Tagen haben Insider insgesamt 766.602 Anteile im Wert von etwa 99,1 Millionen US-Dollar veräußert. Auch institutionelle Investoren wie Manning & Napier Advisors reduzierten ihre Positionen im ersten Quartal 2026 drastisch um über 98 Prozent.
Analysten sehen trotz Kurssturz Potenzial
Trotz der rechtlichen Risiken und der Insider-Verkäufe gibt es vereinzelt optimistische Stimmen. Die Analysten von Monness Crespi & Hardt stuften die Aktie kürzlich auf „Buy“ hoch und setzten ein Kursziel von 150 US-Dollar. Sie begründen dies mit dem Kursrückgang von rund 45 Prozent seit Jahresbeginn, der eine attraktive Einstiegsgelegenheit bieten könnte. Das durchschnittliche Kursziel laut MarketBeat liegt bei 184 US-Dollar.
Operativ lieferte Workday im ersten Quartal solide Zahlen: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 13,5 Prozent auf 2,54 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn pro Aktie (EPS) lag mit 2,66 US-Dollar über der Konsensschätzung von 2,51 US-Dollar. Aktuell notiert der Wert mit 115,00 Euro etwa 1,92 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 112,84 Euro, liegt aber weiterhin 45,97 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 212,85 Euro aus dem Oktober 2025. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf 29,93 Milliarden Euro.
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