Mit dem Abschluss der vergangenen Handelswoche ist gleichzeitig auch das erste Börsenhalbjahr beendet worden – und dieses kann sich durchaus sehen lassen. Vor allem an den US-Börsen haben die Anleger in den vergangenen sechs Monaten eine beeindruckende Entwicklung erlebt. Zwar sorgte der deutliche Rücksetzer im Frühjahr zeitweise für Verunsicherung, doch die Erholung verlief bemerkenswert schnell. Am Ende des zweiten Quartals notieren sowohl der Dow Jones als auch der S&P 500 und der Nasdaq wieder im Bereich ihrer Allzeithochs.

Auch der deutsche Leitindex DAX präsentiert sich weiterhin in einer hervorragenden Verfassung. Nachdem bereits das erste Halbjahr in unmittelbarer Nähe der Rekordstände beendet wurde, gelang zum Auftakt des zweiten Halbjahres sogar der Sprung auf ein neues Allzeithoch. Das zeigt einmal mehr, dass die Käufer trotz geopolitischer Risiken und wirtschaftlicher Unsicherheiten weiterhin das Ruder in der Hand halten.
Ölpreis entspannt die Inflationslage
Ein weiterer wichtiger Faktor kommt derzeit von der Rohstoffseite. Der Ölpreis der Sorte WTI hat sich nach den zwischenzeitlichen geopolitisch bedingten Ausschlägen wieder deutlich beruhigt. Mittlerweile notiert ein Barrel WTI wieder in etwa auf dem Preisniveau vor Beginn der jüngsten Eskalation im Nahen Osten. Für die Kapitalmärkte ist das eine ausgesprochen positive Entwicklung. Denn sinkende Energiepreise nehmen den Druck von der Inflationsseite. Genau dieser Punkt dürfte in den kommenden Monaten wieder stärker in den Fokus der Notenbanken rücken.

Schwächere US-Arbeitsmarktdaten verändern die Zinserwartungen
Besonders aufmerksam verfolgten die Anleger in der vergangenen Woche deshalb die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt. Die veröffentlichten Non-Farm Payrolls sorgten dabei für gemischte Signale. Zwar fiel die Arbeitslosenquote niedriger aus als erwartet, deutlich mehr Aufmerksamkeit erhielt jedoch die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze. Diese lag spürbar unter den Erwartungen des Marktes und deutet darauf hin, dass sich der Arbeitsmarkt langsam abkühlt.
Für die US-Notenbank Fed ist genau diese Entwicklung von großer Bedeutung. Ein nachlassender Arbeitsmarkt reduziert den Druck, die Geldpolitik weiter zu straffen. Gleichzeitig lässt der Rückgang der Energiepreise auch die Inflationssorgen etwas abnehmen. Beides zusammen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed bei ihrem aktuellen Kurs vorsichtiger agieren wird und Zinserhöhungen zunehmend unwahrscheinlicher werden.
Diese Erwartungen waren unmittelbar an den Finanzmärkten zu beobachten. Die Renditen der US-Staatsanleihen gingen zurück, der US-Dollar geriet deutlich unter Druck und der Dollar-Index setzte seine Korrektur fort. Davon profitierte wiederum das Währungspaar Euro zum US-Dollar, das sich deutlich erholen konnte. Gleichzeitig sorgte der schwächere Dollar auch beim Goldpreis für Rückenwind. Das Edelmetall startete eine technische Erholung und konnte sich von den vorherigen Tiefständen wieder nach oben absetzen.
Diese Termine entscheiden über die neue Börsenwoche
Mit Blick auf die kommende Handelswoche richtet sich die Aufmerksamkeit nun erneut auf zahlreiche wichtige Konjunkturdaten aus den USA sowie auf neue Inflationsdaten aus Deutschland.
Den Auftakt macht am Montag der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor. Gerade dieser Indikator gilt als wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung der größten Volkswirtschaft der Welt.
Am Mittwoch folgt dann das Protokoll der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank. Vor allem das Wording der Notenbanker dürfte diesmal genau analysiert werden. Die Marktteilnehmer werden nach Hinweisen suchen, ob innerhalb der Fed bereits intensiver über mögliche Zinssenkungen diskutiert wird oder ob die Inflation weiterhin als größtes Risiko angesehen wird.
Am Donnerstag stehen anschließend die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf dem Programm. Nach den zuletzt schwächeren Arbeitsmarktdaten wird jeder neue Hinweis auf eine weitere Abschwächung besonders aufmerksam verfolgt werden.
Für Anleger in Europa dürfte schließlich der Freitag der wichtigste Termin werden. Dann veröffentlicht Deutschland die aktuellen Verbraucherpreise. Die Erwartungen liegen auf Monatsbasis bei minus 0,3 Prozent, während die Jahresrate von zuvor 2,6 auf 2,3 Prozent zurückgehen soll. Sollten diese Prognosen bestätigt werden, wäre dies ein weiterer Hinweis darauf, dass die zuletzt gesunkenen Energiepreise den Inflationsdruck zunehmend reduzieren.
Berichtssaison nimmt Fahrt auf
Auch die Berichtssaison nimmt langsam Fahrt auf. Am Donnerstag und Freitag öffnen mit Pepsi und Delta Air Lines zwei bekannte US-Unternehmen ihre Bücher. Besonders Delta Air Lines – siehe Chartbild – dürfte diesmal im Mittelpunkt stehen. Die zuletzt deutlich gesunkenen Ölpreise entlasten die Fluggesellschaften erheblich bei den Kerosinkosten. Gleichzeitig hatte sich die Aktie nach der Entspannung im Iran-Konflikt bereits deutlich erholen können. Nun wird entscheidend sein, ob sich diese positive Entwicklung auch in den Quartalszahlen sowie vor allem im Ausblick des Managements widerspiegelt.

Fazit:
Unter dem Strich startet das zweite Börsenhalbjahr mit einer freundlichen Ausgangslage. Die großen Aktienindizes befinden sich nahe ihrer Rekordstände, der Inflationsdruck lässt nach und die Hoffnung auf eine künftig weniger restriktive Geldpolitik der Fed wächst. Gleichzeitig bleiben die Konjunkturdaten und die beginnende Berichtssaison die entscheidenden Taktgeber für die kommenden Wochen. Für Trader und Investoren dürfte es damit erneut eine spannende Handelswoche werden.
Damit wünsche ich Ihnen ein entspanntes Wochenende und einen erfolgreichen Start in die kommende Handelswoche. Folgen Sie uns auch auf unserem YouTube-Kanal Tickmill Deutsch – YouTube, um sich auch in der kommenden Handelswoche über neue Handelsideen zu informieren und nutzen Sie gleich die Gelegenheit, sich mit einem Klick auf www.tickmill.com über die top Konditionen und Handelsmöglichkeiten zu informieren.
Ihr Tickmill-Analyst Mike Seidl
Haftungsausschluss:
Das bereitgestellte Material dient ausschließlich Informationszwecken und sollte nicht als Anlageberatung betrachtet werden. Die im Text geäußerten Ansichten, Informationen oder Meinungen gehören ausschließlich dem Autor und nicht dem Arbeitgeber, der Organisation, dem Ausschuss oder einer anderen Gruppe oder Einzelperson, die mit dem Autor oder dem Unternehmen verbunden ist.
Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse.
Risikowarnung:
CFDs sind komplexe Instrumente und bergen aufgrund ihrer Hebelwirkung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren. 71% und 74% der Privatanlegerkonten verlieren Geld, wenn sie CFDs mit Tickmill UK Ltd bzw. Tickmill Europe Ltd handeln. Sie sollten sorgfältig überlegen, ob Sie verstehen, wie CFDs funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.
Futures und Optionen:
Der Handel mit Futures und Optionen auf Margin ist mit einem hohen Risiko verbunden und kann dazu führen, dass Verluste das ursprünglich investierte Kapital übersteigen. Diese Produkte sind nicht für alle Anleger geeignet. Vergewissern Sie sich, dass Sie die Risiken vollständig verstehen und angemessene Maßnahmen im Rahmen Ihres Risikomanagements ergreifen.

