Zwei Jahre lang kannte der Kakaopreis nur eine Richtung: nach oben. Jetzt dreht der Trend. Für Schokoladenkonzerne wie Lindt und Nestlé ist das eine Erleichterung. Für den gehebelten WisdomTree Cocoa 2x Daily Leveraged EUR bedeutet die Wende vor allem eines: heftige Ausschläge in beide Richtungen.
Der ETF schloss am Freitag bei 17,02 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 5,81 Prozent zu Buche. Auf Monatssicht dagegen ein Plus von 10,96 Prozent. Diese Diskrepanz zeigt, wie stark der doppelte Hebel jede Bewegung im Kakaomarkt verstärkt.
Schokoladenkonzerne wittern Morgenluft
Kakao-Futures notierten zuletzt bei 5.327 US-Dollar pro Tonne. Das liegt 34 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Ende 2024 war der Rohstoff noch auf fast 12.000 US-Dollar pro Tonne gestiegen. Zuvor hatte er zwei Jahrzehnte lang meist zwischen 2.000 und 3.000 US-Dollar gependelt.
Lindt, Barry Callebaut und Nestlé wollen die sinkenden Preise nun nutzen, um verlorene Kunden zurückzugewinnen. Als Strategien nennen die Konzerne social-media-taugliche Produkteinführungen, mehr Influencer-Marketing und neue Premiumprodukte. Günstigere Schokolade im Regal ist trotzdem noch nicht in Sicht.
Lindt spürt die Kaufzurückhaltung
Wie stark die hohen Rohstoffkosten den Absatz belastet haben, zeigen die Halbjahreszahlen von Lindt. Der Konzern erhöhte die Preise um 11,8 Prozent. Die Schokoladen-Absatzmengen brachen daraufhin im ersten Halbjahr um 7,5 Prozent ein.
Konzernchef Adalbert Lechner brachte es auf den Punkt: Rekord-Kakaopreise hätten branchenweit beispiellose Preiserhöhungen erzwungen. Gleichzeitig hätten geopolitische Unsicherheit, Inflation und schwache Konsumlaune die Nachfrage gedrückt.
Auch Nestlé bekam die teuren Rohstoffe zu spüren. Höhere Kakao- und Kaffeepreise ließen den operativen Gewinn im ersten Halbjahr um 2,8 Prozent sinken. Der Konzern erwartet nun, dass die fallenden Kakaopreise künftig die Margen stützen.
Mehr Angebot, schwächere Nachfrage
Die Gegenbewegung beim Kakaopreis hat mehrere Ursachen. Zum einen wächst das Angebot deutlich. Landwirte in der Elfenbeinküste verschifften im laufenden Vermarktungsjahr bereits 2,10 Millionen Tonnen Kakao zu den Häfen. Das ist ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Zum anderen bleibt die Nachfrage schwach. Die europäische Kakaoverarbeitung fiel im zweiten Quartal um 4,6 Prozent auf 316.366 Tonnen. Das ist das schwächste Quartalsergebnis seit 2020.
Citigroup reagierte bereits auf die veränderte Lage. Die Bank stellte sich nach zuvor bullischer Haltung neutral zum Kakaomarkt auf. Sie verlangt weitere Belege für El-Niño-bedingte Ernteschäden und eine spürbar stärkere Nachfrage, bevor sie wieder optimistisch wird.
Ein Restrisiko bleibt trotzdem bestehen. Frühe Erhebungen zur Kakaoernte 2026/27 in der Elfenbeinküste zeigen eine unterdurchschnittliche Fruchtbildung an den Bäumen. Das deutet auf eine schwache Hauptsaison hin und könnte die Preise erneut anheizen.
Für den gehebelten Kakao-Tracker bleibt die Lage damit zweigeteilt. Fallende Preise begünstigen kurzfristig die Schokoladenkonzerne. Neue Ernterisiken für 2026/27 könnten die Kakaopreise aber schon bald wieder in die andere Richtung drehen.
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