Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
die globalen Aktienmärkte haben gerade ihr viertes Rekordjahr in Folge hinter sich gebracht. Von Tokio über Paris bis New York zogen die Kurse nach oben. Doch jetzt beginnt der erste echte Härtetest des Jahres 2026: die Berichtssaison zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025. Und die Messlatte liegt extrem hoch.
Bewertungen ohne Spielraum für Enttäuschungen
Der MSCI World Index notiert aktuell beim 20-fachen der erwarteten Gewinne. Das klingt nach einer abstrakten Zahl, wird aber konkret im Vergleich: Der zehnjährige Median liegt bei lediglich 17. Die Rally des vergangenen Jahres mit einem Plus von 19 Prozent braucht jetzt schwellende Gewinne als Rechtfertigung.
Analysten erwarten für den S&P 500 Index ein Gewinnwachstum von mehr als acht Prozent im vierten Quartal. Für die kommenden Berichtsperioden 2026 prognostizieren sie sogar Zuwächse von mindestens elf Prozent. Asiatische Unternehmen sollen ihre Gewinne im Schlussquartal um 14 Prozent gesteigert haben. Europa dagegen enttäuscht mit mageren 1,1 Prozent Wachstum.
Analysten und Marktteilnehmer bringen es auf den Punkt: Bei diesen Bewertungen gibt es keinen Raum für Enttäuschungen beim Gewinnwachstum. Sollten die Prognosen für 2026 nach unten revidiert werden, droht der Rally ein erhebliches Risiko.
Die alten Branchen müssen endlich liefern
Nach Jahren der Tech-Dominanz fließt Geld nun verstärkt in klassische Sektoren. Banken, Konsumgüterkonzerne und Rohstoffproduzenten profitieren von der Wette auf eine breitere wirtschaftliche Erholung jenseits der Künstlichen Intelligenz. Diese Rotation erhöht den Druck auf genau diese Unternehmen, ihre Gewichtung im Index durch solide Ergebnisse zu rechtfertigen.
Investmentstrategen empfehlen mittlerweile eine Übergewichtung bei Industriewerten, Energie, Finanzwerten und zyklischen Konsumgütern. Der Gedanke dahinter: Tech-Aktien sollten zwar solide Zahlen liefern, aber die Erwartungen sind hoch und die Bewertungen im Vergleich zu anderen Sektoren teuer.
Procter & Gamble und Johnson & Johnson werden in den kommenden Tagen Einblicke geben, ob Verbraucher trotz steigender Preise und schwächelndem Arbeitsmarkt weiterhin konsumfreudig bleiben. Von Toilettenpapier bis zu rezeptfreien Medikamenten – diese profanen Produkte werden zum Gradmesser für die Kaufkraft.
Künstliche Intelligenz unter verschärfter Beobachtung
Die Magnificent Seven – die sieben größten Tech-Konzerne – tragen eine schwere Last. Ihre Gewinne dürften im vierten Quartal um 20 Prozent gestiegen sein, viermal stärker als der Rest des S&P 500. Meta, Microsoft, Amazon, Alphabet und Oracle planen zusammen Investitionen von 530 Milliarden Dollar für 2026.
Doch Anleger werden wählerischer. Meta verlor sieben Prozent an Wert, nachdem die Ausgabenpläne Investoren verschreckten. Oracle, einst ein KI-Liebling, wurde abgestraft, weil das Unternehmen Geld am Anleihenmarkt aufnehmen musste. Die zentrale Frage lautet: Rechtfertigen die Gewinne diese massiven Ausgaben?
Taiwan Semiconductor lieferte diese Woche einen Hoffnungsschimmer. Der Chiphersteller prognostiziert Investitionsausgaben zwischen 52 und 56 Milliarden Dollar sowie ein Umsatzwachstum von nahezu 30 Prozent für 2026. Das Verhältnis von operativem Cashflow zu Investitionen lag 2025 bei 1,8 – ein gesundes Zeichen.
Geopolitische Unsicherheit belastet Prognosen
Handelsstreitigkeiten erschweren jede Unternehmensplanung. Die USA senkten den Zoll auf Taiwan auf 15 Prozent – eine weitere Änderung, die Prognosemodelle durcheinanderwirbelt. Zudem steht eine Entscheidung des Supreme Court über die Verfassungsmäßigkeit von Zollbegründungen aus. Ein Verlust der Trump-Administration könnte Milliarden an Importzöllen zurückfordern und Monate der Lieferkettenplanung zunichtemachen.
Auch Ölpreise bleiben schwer vorhersagbar. Die Festnahme von Venezuelas Präsident durch die USA bringt dessen beträchtliche Reserven ins Spiel. Gleichzeitig droht Präsident Trump offen mit Bombardierungen des Iran, der die strategisch wichtige Straße von Hormus kontrolliert. Zusätzlich dazu bringt sich der US-Präsident mit seinem Versuch, sich Grönland einzuverleiben, in direkten Konflikt mit wichtigen NATO-Verbündeten.
Verteidigungsausgaben treiben Rüstungsaktien
Die kriegerische Rhetorik aus Washington versetzt die Welt in Alarmbereitschaft. Regierungen von Japan über Deutschland bis Kanada erhöhen ihre Verteidigungsbudgets. Rheinmetall, Northrop Grumman und das südkoreanische Unternehmen Hanwha Aerospace verzeichneten massive Kursgewinne.
Hohe Gewinne werden erwartet, und sie werden benötigt. Die Bewertungen beginnen bereits angespannt auszusehen. Ein UBS-Korb amerikanischer Aktien, die von höheren Verteidigungsausgaben profitieren, stieg im Januar um 17 Prozent und notiert beim 29-fachen der erwarteten Gewinne. Das europäische Pendant ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 32 noch teurer – weit über dem Fünfjahres-Median von 17.
Ergebnisse von Lockheed Martin und General Dynamics in den USA sowie von Rheinmetall und Saab in Europa stehen im Fokus, während über einen möglichen Waffenstillstand in der Ukraine verhandelt wird.
Europa und Asien im Aufwind
Für europäische Unternehmen steht besonders viel auf dem Spiel. Analysten erwarten für 2026 ein Gewinnwachstum von fast elf Prozent nach null Wachstum im Vorjahr. Der Großteil dieses Optimismus konzentriert sich auf den Finanzsektor. Ein stabiler Ausblick für Wachstum und Inflation soll das Kreditgeschäft stützen. Zudem gehören Bankbewertungen weiterhin zu den günstigsten in der Region.
Ergebnisse von UBS und Deutsche Bank werden zu den Höhepunkten zählen. Auch Luxusgüterhersteller wie LVMH und Kering sowie Autobauer wie Volkswagen und Mercedes-Benz geben Aufschluss über Chinas Wirtschaft, insbesondere den Konsum.
Europäische Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Aktienrückkäufe nehmen zu, die Renditen für Aktionäre steigen. Diese strukturelle Transformation macht den alten Kontinent attraktiver für Investoren. Trotz der Gewinnrevisionen nach unten vor der Berichtssaison bleibt der langfristige Ausblick intakt. Die Bewertungen bieten weiterhin Spielraum nach oben, insbesondere im Vergleich zu amerikanischen Pendants. Goldman Sachs sieht hier echten Wert für Anleger, die über den Tellerrand der üblichen Tech-Dominanz hinausschauen.
In Asien erwarten Analysten ebenfalls robustes Gewinnwachstum. Der CSI 300 Index legte in den vergangenen sechs Monaten um 18 Prozent zu. Schwache Makrodaten und härterer Wettbewerb in der Auto- und E-Commerce-Branche könnten die Ergebnisse des vierten Quartals belasten. Broker, Rohstoffproduzenten und KI-bezogene Aktien dürften jedoch überdurchschnittlich abschneiden.
Die Stunde der Wahrheit
Diese Berichtssaison wird zeigen, ob die Bewertungen der Märkte gerechtfertigt sind. Die Kombination aus hohen Erwartungen, geopolitischen Risiken und der Rotation in klassische Sektoren schafft ein anspruchsvolles Umfeld. Anleger sollten weniger auf vergangene Erfolge blicken, sondern auf die Ausblicke der Unternehmenslenker achten – dort verbirgt sich die eigentliche Information für zukünftige Kursbewegungen.
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