Auf den ersten Blick wirkte das Quartal solide: Wipro steigerte den Umsatz im Jahresvergleich zweistellig. Beim zweiten Blick zeigt sich aber ein anderes Bild — die Marge bricht ein, und JPMorgan reagiert mit einer weiteren Abstufung des Kursziels.
Die Bank senkte ihr Kursziel für die Wipro-ADR auf 155 US-Dollar von zuvor 160 US-Dollar und bleibt bei ihrer negativen Einstufung „Underweight“. Der Grund: Während der Umsatz in etwa den Erwartungen entsprach, verfehlte die operative Marge die Prognosen deutlich. Im Vergleich zum Vorquartal sank der Umsatz auf konstanter Währungsbasis um 1,2 Prozent, organisch sogar um 2 Prozent — mit Schwächen in den Bereichen Energie und Fertigung, Gesundheitswesen sowie Finanzdienstleistungen.
Auftragseingang bricht im Jahresvergleich stark ein
Auch beim Auftragsvolumen zeigt sich Ernüchterung. Das gesamte Vertragsvolumen summierte sich auf 3,4 Milliarden Dollar, ein Rückgang von 2 Prozent zum Vorquartal und von 32 Prozent zum Vorjahr. Bei Großaufträgen legte das Volumen zwar um 13 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 1,6 Milliarden Dollar zu, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum bleibt aber ein Minus von 39 Prozent. Das Management verwies darauf, dass sich einige Abschlüsse ins laufende Quartal verschoben haben.
Die operative Marge im IT-Services-Geschäft fiel um 130 Basispunkte auf 16 Prozent. Als Treiber nannte das Unternehmen Lohnerhöhungen, den Hochlauf neuer Großaufträge sowie Investitionen in Künstliche Intelligenz. Für das laufende Quartal bis Ende September rechnet Wipro mit einer Umsatzentwicklung zwischen minus 1,5 und plus 0,5 Prozent auf konstanter Währungsbasis — organisch, ohne die Zukäufe Olam und Alpha Net Consulting, liegt die Spanne sogar zwischen minus 2,25 und minus 0,25 Prozent.
JPMorgan kürzte daraufhin seine Umsatzschätzungen um 1 bis 3 Prozent und die Gewinnschätzungen für die Geschäftsjahre 2028 und 2029 um jeweils rund 2 Prozent. Die Bank geht davon aus, dass der organische Umsatzrückgang auch im Geschäftsjahr 2027 anhält — damit wäre es das vierte Jahr in Folge mit schrumpfenden Erlösen auf organischer Basis.
Der Nettogewinn stieg im Berichtsquartal um 0,6 Prozent auf 354,6 Millionen Dollar, das Ergebnis je Aktie legte im gleichen Tempo auf 0,03 Dollar zu. Der Vorstand beschloss eine Zwischendividende von 0,02 Dollar je Aktie. Inklusive dieser Ausschüttung und der Zahlungen der vergangenen zwölf Monate hat Wipro damit mehr als 3 Milliarden Dollar an die Aktionäre zurückgeführt.
Die Wipro-ADR notiert nahe ihrem Jahrestief von 1,80 Dollar und hat auf Sechsmonatssicht rund 31 Prozent an Wert verloren. Bei einer Dividendenrendite von etwa 6,3 Prozent und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,93 bewerten manche Marktbeobachter das Papier trotz der operativen Schwäche als unterbewertet. Ob sich das im laufenden Quartal bis Ende September niederschlägt, hängt maßgeblich davon ab, ob die verschobenen Großaufträge tatsächlich zurückkehren.
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