Wienerberger räumt auf. Der Baustoffkonzern senkt seine Gewinnprognose für 2026 und kündigt zugleich eine grundlegende Überprüfung seiner Strategie an. Die Aktie gab am Dienstag zeitweise um bis zu 4,8 Prozent nach.
Schwache Nachfrage, steigende Kosten
Der operative EBITDA soll im Gesamtjahr nur noch 640 bis 650 Millionen Euro erreichen. Zum Vergleich: 2025 standen rund 754 Millionen Euro in den Büchern. Als Grund nennt das Unternehmen eine schwächere Bautätigkeit als erwartet.
Die übliche Belebung nach der Sommerpause fiel im September schwächer aus. Besonders der Wohnungsneubau in Großbritannien, den USA und Kanada steht weiter unter Druck. Renovierung und Infrastruktur laufen vergleichsweise stabil. Die geringere Nachfrage drückte zudem die Auslastung der Werke in mehreren Geschäftsbereichen.
Hinzu kommt die Kostenseite. Seit Ende August stiegen Energie-, Rohstoff- und Logistikkosten spürbar. Wienerberger reagierte mit zusätzlichen Vertriebsinitiativen, Preiserhöhungen und schnelleren Effizienzmaßnahmen. Im dritten Quartal reichte das nicht aus, die Wirkung soll aber schrittweise zunehmen.
Neuer Chef, neuer Kurs
Für das dritte Quartal rechnet der Konzern mit einem Umsatz von 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro. Der operative EBITDA soll bei 170 bis 180 Millionen Euro liegen.
Interims-CEO Gerhard Hanke spricht von einer „Cold-Eye-Review“ der aktuellen Lage. Er will die Kostenoptimierung beschleunigen, die Profitabilität stärken und die Verschuldung senken. Parallel läuft eine strategische Überprüfung über alle Geschäftsfelder hinweg.
Hanke arbeitet an einem umfassenden Paket strategischer Initiativen. Marktbeobachter dürften das als Signal werten, dass grundlegende Weichenstellungen anstehen. Konkrete Maßnahmen nennt das Unternehmen bislang nicht.
Hanke betont, er glaube fest an die Substanz der Geschäfte. Wienerberger sei darauf ausgerichtet, von einer Nachfrageerholung zu profitieren.
Den nächsten Anhaltspunkt liefert der Konzern am 12. November 2026. An diesem Tag veröffentlicht er wie geplant den Neunmonatsbericht und gibt zugleich ein Update zur strategischen Überprüfung und zu den beschleunigten Kostenmaßnahmen.
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